Genießen ohne Reue: Immer mehr Hotels setzen auf Nachhaltigkeit

Ökostrom, Bio-Lebensmittel und Naturkosmetik: Hotels achten auf ihre Klimabilanz. Davon profitieren Gast und Umwelt.

„Bio und Nachhaltigkeit sind kein Konzept, sondern unsere Lebenseinstellung“, bringt es Nadja Blumenkamp auf den Punkt. Die Salzburgerin führt das Biohotel Rupertus in Leogang und hat sich bei der Übernahme des Betriebs entschieden, einen nachhaltigen Weg einzuschlagen. „Wir kooperieren mit regionalen Lieferanten, achten darauf, dass nur heimisches Holz verwendet wird und viele Interior-Stoffe beziehen wir von Leitner Leinen aus Oberösterreich. Unsere Gäste verwöhnen wir ausschließlich mit 100 Prozent zertifizierter Naturkosmetik.“ Seit 2014 ist der Familienbetrieb Mitglied der Hotelvereinigung Bio Hotels, die für Nachhaltigkeit und Bio-Qualität stehen.

Grüne Alternativen

Die Hoteliers der Mitgliedsbetriebe sind mit hohen Engagement dabei, ihre CO2-Bilanz kontinuierlich zu verbessern: So beziehen alle Bio Hotels ausschließlich Ökostrom und setzen auf biogene Heizstoffe wie Scheitholz oder Holzhackschnitzel, deren Verbrennung als annähernd klimaneutral eingestuft wird. Einige Hotels erzeugen zum Beispiel auch selbst Strom aus Fotovoltaikanlagen, gewinnen Biogas aus Bio-Abfällen, nutzen Regenwasser und fahren mit Elektroautos.

Im Bio- und Yogahotel Bergkristall kommt kein Plastik auf den Frühstückstisch

©Bio- & Yogahotel Bergkristall

„Egal ob es um Sanierungsmaßnahmen oder den täglichen Betrieb geht: Bei jeder Kaufentscheidung stehen Bio und Regionalität im Vordergrund“, erzählt Karin Seebacher vom Bio- & Yogahotel Bergkristall in Schladming. So hat sie erst vor Kurzem nach Bademänteln für Gäste aus Biobaumwolle gesucht. Für die Zukunft steht schon das nächste Projekt auf dem Plan: Der Verzicht auf Plastik – zum Beispiel auf dem Frühstückstisch.

Gäste wollen Nachhaltigkeit

„Die Nachfrage der Gäste für klimafreundliche Hotelkonzepte steigt seit einigen Jahren“, bestätigt auch Marin Schaffer, Geschäftsführer und Partner MRP Hotels. „Das Thema der Nachhaltigkeit entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Innovationstreiber der Hotelwirtschaft. Sowohl Gäste, Banken, Investoren als auch der Gesetzgeber fordern mehr Nachhaltigkeit in der Hotelimmobilienbranche.“

Vollholzmöbel in Pirker’s Natur & Bio-Familienhotel

©Pirker’s Natur & Bio-Familienhotel

Gelebte Nachhaltigkeit finden Gäste auch in Pirker’s Natur & Bio-Familienhotel in Malta. Am Rande des Nationalparks Hohe Tauern, wo die einzigartige Naturlandschaft quasi vor der Haustüre liegt, arbeitet der kleine Familienbetrieb daran, energieautark zu werden. „Wasserkraft, Windkraft, Fotovoltaik: Was ist machbar und was rechnet sich für unseren Betrieb, sind aktuell die Fragen, die uns beschäftigen“, so Hotelchefin Kerstin Pirker.

Weniger Emissionen

So viel Engagement zahlt sich aus: Gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsberatung „Fokus Zukunft“ wurden die Emissionswerte der beteiligten Hotelbetriebe ermittelt. Das Ergebnis: In einem Bio Hotel entstehen im Durchschnitt 7,5 kg eCO2 pro Übernachtung. Das ist deutlich weniger als in einem konventionellen Hotel, das zwischen 17 und 47 kg eCO2 pro Nacht verursacht.

eCO2 beschreibt eine Maßeinheit, die die für die globale Erderwärmung verantwortlichen Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan und Lachgas vergleichbar macht, indem die äquivalente Menge von CO2 berechnet wird.

Über Vanessa Haidvogl

Redakteurin für Immobilienwirtschaft, Wohnen und Architektur

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