Die ehemalige Sängerin und Marketing-Expertin Vera Doppler

Wie erobert man den Beauty-Markt, Vera Doppler?

Die ehemalige Sängerin und Marketing-Expertin Vera Doppler und ihr Geschäftspartner wollen sich auf dem hart umkämpften Markt der Schönheitspflege Platz machen.

Vom oberösterreichischen Pasching aus die Beauty-Welt erobern? Rihanna und Kim Kardashian Konkurrenz machen? Das planen Vera Doppler und Hannes Freudenthaler. Die Pflege-Produkte der Starmania-Veteranin (sie sang damals noch unter dem Namen Vera Böhnisch) und des Vertriebsprofis sind immerhin schon in den Drogerien in Österreich und Deutschland gelistet – ein erster Erfolg.

Mit hierzulande neuartigen Produkten wie kühlenden Stiften gegen Augenringe und hypochlorigen Säure-Hautsprays erreichen sie die Aufmerksamkeit von Branchen-Auskennern und Skincare-Fans.

Die beiden Gründer von A.N.D.beauty haben mit dem KURIER über die Besonderheiten und Hürden im Geschäft und schlechte Sonnencreme gesprochen.

Der Hauptpflege-Markt ist ein Milliardengeschäft, das sich große Player aufteilen und in dem Superstars wie Rihanna viel verdienen. Wie kommt man auf die Idee, hier mitmischen zu wollen?

Florian Freudenthaler: Ich habe erlebt, dass es funktioniert. Alles hat vor zehn Jahren mit meiner Schwiegermutter begonnen. Sie ist Visagistin und hat nach Wachsstreifen für Augenbrauen gesucht, die schon geformt waren und es so nicht zu kaufen gab. In meiner Garage entstanden die ersten Prototypen. Es wurde ein großer Erfolg. Aber ich war nun an einem Punkt, wo die Geschichte auserzählt schien. Und deswegen habe ich schließlich Vera angerufen, die ich flüchtig kannte. 

Vera Doppler: Wir haben gemerkt, dass wir uns geschäftlich gut ergänzen, Neues schaffen können und das Bewährte unbedingt auffrischen müssen. Die Verpackungen waren schrecklich und haben ausgesehen wie eine Misswahl aus dem Jahr 2004. Durch meine Marketing-Agentur habe ich viel mit der Präsentation von Produkten zu tun. Aber mir ist es auch darum gegangen, Produkte zu schaffen, die es in dieser Form so gut noch nicht gegeben hat. Mein Motto ist: Mann muss Dinge nicht neu erfinden, man muss sie nur besser machen.

Was war die größte Schwierigkeit?

Doppler: Eindeutig der Sonnenschutz. Hier wird auch von Marktriesen so viel versprochen und so wenig gehalten. Dass sie sofort einzieht, nicht kleben. Wir haben lange gefeilt, bis wir eine transparente, seidige und mattierende Sonnencreme hatten und ich komplett überzeugt davon war.

Wie geht man die Formulierungen und die Cremen an? Der Markt wirkt unüberschaubar.

Freudenthaler: Er ist kleiner, als man denkt, wenn es um die Produzenten geht, die einen hochwertigen Markt beliefern. Und die kenne zum Großteil durch meine Arbeit in der Vergangenheit. Wir zwei sind viel gereist im letzten Jahr, um zu sehen, wo es Neuheiten gibt, wo es hier eine Lücke gibt.

Ist Österreich ein Nachzügler?

Doppler: Ja, ganz Europa. In Sachen Formulierung sind die Amerikaner sehr gut, auch Asien, die noch dazu Wert auf  auf die Ästhetik legen. Australien ist auch sehr weit vorne im Beauty-Bereich.

Warum habt ihr euch gerade für einen Stick entschieden, der die Augenpartie kühlt? 

Doppler: Ich habe in Korea Frauen in den U-Bahnen gesehen, die sich immer wieder schnell einen Stift unter die Augen reiben. Irgendwann war ich so neugierig, dass ich nachgefragt habe. Dieser kühlende Stick, der Augenringe abschwellen lässt, ist dort allgegenwärtig und ich wollte ihn unbedingt auch für uns entwickeln.

Spezialisieren Sie sich auf die junge Generation Z?

Doppler: Sie kennt sich sehr gut aus was Inhaltsstoffe angeht, aber uns geht es nicht um das Alter. Wir wollen, dass uns Leute kennenlernen, die gerne am neuesten Stand. Die Early Adopter, die in ihrem Freundeskreis neue Produkte empfehlen, weil sie sie als Erste testen und kennen. Meine Mutter ist so eine, und die ist über 60.

Hannes Freudenthaler und Vera Doppler

©andbeauty

Promis und ihr Millionengeschäft mit Hautpflege

Wer Anfang der 2000er-Jahre ein namhafter Promi war, hatte meist auch bald ein eigenes Parfum auf dem Markt. Christina Aguilera, Britney Spears oder Priscilla Presley – mit eigenen Düften machten Popsternchen und andere Celebrities schnell und einfach Millionen.

In den letzten Jahren haben jedoch Drogerie-Parfums als zweites Standbein von Topmodels und Reality-Stars an Bedeutung verloren. Stattdessen setzen sie nun verstärkt auf Kosmetikprodukte. Kylie Jenner wurde dank matter Lippenfarbe innerhalb weniger Jahre zur Dollar-Milliardärin. Die derzeit erfolgreichste Unternehmerin ist Rihanna mit ihrem Label Fenty Beauty.

Nach Make-up erobert nun auch Hautpflege die Beauty-Welt der Promis. Rihanna verkaufte 2024 Produkte im Wert von 602 Millionen Dollar, und ihre Firma wird inzwischen auf zwei Milliarden Dollar geschätzt.

Gomez bis Johansson

Direkt hinter ihr rangiert das Goldkehlchen und Netflix-Star Selena Gomez mit ihrer Marke Rare Beauty. Seit 2020 sind die veganen Produkte auf dem Markt und erzielten 2024 einen Umsatz von 300 Millionen Dollar. 

Über seine Umsätze schweigt Pharrell Williams, doch der Sänger und Louis-Vuitton-Designer gehört zu den wenigen Männern in der Branche. Er startete 2020 seine Beauty-Linie Humanrace. Zum Launch waren alle Produkte innerhalb von 20 Minuten ausverkauft. Seine Routine bewirbt er als unkompliziert und einfach: Puder als Reiniger, Lotus-Peeling und Feuchtigkeitscreme gibt es im Set für 100 Dollar.

Sogar die als medienscheu geltende Scarlett Johansson ist kürzlich unter die Beauty-Entrepreneure gegangen und wirbt fleißig für ihr Label The Outset. Sechs Jahre hat sie an den Produkten gearbeitet. Über ihre Motivation erzählt sie: "Jahrelang ging ich nicht aus dem Haus, ohne Concealer aufzutragen. Es war ein endloser Kreislauf aus zu trockener Haut, Unebenheiten und Hautreizungen – und die Produkte, die meine Haut verbessern sollten, machten es nur noch schlimmer. Zu viele aggressive Wirkstoffe haben meine Hautbarriere geschädigt." Ihre Marke setzt auf milde Formulierungen ohne Parfum und unnötige Zusatzstoffe.

Rihanna rangiert vor Kylie Jenner

©Courtesy of brand

Scarlett Johansson und ihre Skincare The Outset

©Courtesy of Brand

Info

Crawford war die Erste

In Sachen Trends und Stil ist Gwyneth Paltrows Lifestyle-Bibel Goop allerdings weiterhin unschlagbar. Neben Wellness- und Psychologie-Themen auf der Website und einer eigenen TV-Serie, bietet Paltrow teure Kosmetik, die sie mit bekannten Freundinnen wie Cameron Diaz und Drew Barrymore an Luxusorten wie den Hamptons bewirbt.

Noch früher als alle anderen wagte Cindy Crawford den Schritt ins Beauty-Business. 2004 gründete sie gemeinsam mit dem Arzt Jean-Louis Sebagh Meaningful Beauty. In den letzten zehn Jahren erwirtschaftete die Hautpflegeserie jährlich über 100 Millionen Dollar Umsatz. Eine Tagescreme kostet etwa 50 Dollar und wird über Teleshopping-Kanäle vertrieben. Das Supermodel verdient also seit 17 Jahren ein Vermögen – und das ganz ohne Modeljobs.

Christina Michlits

Über Christina Michlits

Hat Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert. Nach Kennenlernen des Redaktionsalltags bei Profil und IQ Style, ging es unter anderem zu Volume und dem BKF. Seit 2010 bei KURIER für die Ressorts Lebensart und Freizeit tätig. Schwerpunkte: Mode, Design und Lifestyle-Trends.

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