Generation Bumerang

They are back: die Rückkehr ins Hotel Mama

Sie ist zurück“, seufzte E, „ich bin ein Opfer der Generation Bumerang.“ Ihre Tochter Alice, 24, war nach Monaten in einer freudlosen WG-Konstellation, wo eine nicht nachgekaufte Hafermilch die Gemüter hochkochen hatte lassen, wieder mit Sack und Pack ins Mutterhaus zurückgekehrt. Den ersten Wickel hatte es bereits auch im „Nest reloaded“ gegeben, denn E’s Enthusiasmus war angesichts der Übernahme reichlich überschaubar geblieben.

„Freu dich doch gefälligst, jetzt bist du nicht mehr so alleine!“, hatte das Kind angemerkt, und ihr Ex-Zimmer, inzwischen E’s kleine Yoga-Chillax-Stube, kommentarlos okkupiert. Auch für die spontanen Schäferstündchen mit dem Computer-Fritzi, der ihren maroden Drucker und später ihre Libido reanimiert hatte, sah E angesichts der neuen Mitbewohnerin düstergrau: „Sie wird brüllen: ,Wie bitte? Mutter, du hast noch Sex?! Krass und gross (Engl.  eklig)!’ ...“ Auf dem Kühlschrank prangte dann auch gleich ein neuer Ernährungsfahrplan, denn Alice war inzwischen kompromisslose Veganista geworden. Und fand es auch „voll nicht ok“, wenn ihr Zeugs neben Tierprodukten zu lagern hatte. Nest-Rückflüchtling Alice war Vertreterin eines europaweiten Phänomens, das als „Gen Boomerang“ verschlagwortet war: Grottenschlechte Bezahlung bei Erstjobs, zeitlich überdehnte Studien von exotischen Fächern wie Kulturanthropologie und ein Work-Life-Balance-Konzept, das gegen die Effizienz- und Leistungsneurotik der Eltern-Generation ausgerichtet war, machten Freiheit und Unabhängigkeit zu frostigen Angelegenheiten.

Nichts ist doch so gemütlich wie eine gepflegte Verantwortungslosigkeit. „Duhu“, fragte E mich jetzt mit hohem Stimmchen, „du bist doch auch nicht immer zu Hause. Jetzt wo Alice bei uns übernommen hat: Könnte ich da vielleicht manchmal bei dir mit meinem Printer-Cowboy einchecken?“ So wurde man im Affentempo wieder jung: Kaum sind die Kinder zurück im Haus, kann man sich selbst wieder wie eines benehmen. Beste Aussichten für 2023!

Polly Adler

Über Polly Adler

Polly Adler steht als Chaos-de-luxe-Kolumnistin auf dem satirischen Beobachtungsposten von Alltags-Irrsinn, Beziehungs-Herausforderungen und Brutpflege. Hinter dem Pseudonym versteckt sich die Wiener Journalistin Angelika Hager. Aus Polly Adlers verrückter Welt entstanden inzwischen acht Bücher, eine TV-Serie und diverse Bühnen-Shows, aktuell „Nymphen in Not”.

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