Vea Kaiser

Das Christbaumentsorgungstrauma

Von den Dingen, die im Feber wirklich wichtig sind – wenn auch nicht allen Menschen gleichermaßen.

Seit mein Bruder und ich nicht mehr ans Christkind glauben, gehen unsere Eltern das Thema Weihnachtsbaum entspannt an. Aufgeputzt wird er in Gemeinschaftsarbeit am heiligen Abend, vorher ist zu stressig. Der heurige Baum hatte sogar fünf Kronen mit fünf Spitz’ – niemand wollte ihn, doch meine Mutter fand ihn „besonders“. Das ist ja alles super. 

Was mich jedoch schon als Kind fertig machte, ist, dass meine Familie nach Weihnachten keinerlei Eile verspürt, den Baum zu entsorgen. Unsere Christbäume trockneten mindestens bis zu den Semesterferien, zuweilen sogar bis Ostern. Das Auf-den-Dachboden-Tragen der Weihnachtsdekoration und Vom-Dachboden-Räumen der Osterdekoration ist in meiner Familie ein Arbeitsschritt. Als ich auszog, schwor ich mir, dass ich das anders machen würde: Meine Christbäume würden pünktlich am 7.1. auf der Christbaumsammelstelle landen. Wie sich’s gehört. Doch wann immer ich zuletzt versuchte, den Christbaum abzuschmücken, stibitzte Bambino die Kugeln, um sie dem Hund zu werfen. 

Der Hund ist aufgrund seiner schlimmen Balli-Sucht nämlich auf Wurfgeschossentzug, Fellfreunds Dry January sozusagen. Mit den beiden ging also nix weiter, aber wenn die Lauser schliefen oder fremdbetreut wurden, musste ich an meinem Roman arbeiten. Und jetzt haben wir Feber. Der Christbaum steht noch. „DER MACHT MICH WAHNSINNIG!“, sagte ich eines Abends zu meinem Mann, als ich ihn gemütlich vor dem Baum fand. „Wenn man ihn lang genug anschaut, entdeckt man Schokoschirmchen!“ Und als er glückselig aufsprang, um sich etwas Süßes zu pflücken, verstand ich: Für mich mag dieses trockene Bäumchen Elend eine Erinnerung daran sein, dass mein Zeitmanagement auch schon mal besser war. Aber für meine Familie ist er ein Quell der Freude. Was soll’s. Dann kriegt der Osterhase heuer eine Spezialität zum Knabbern: Dry Aged Weihnachtsbaum.

Vea Kaiser

Über Vea Kaiser

Vea Kaiser ist die Autorin der Nr.1-Bestseller „Blasmusikpop“, „Makarionissi“ und „Rückwärtswalzer“. Ihre Bücher wurden vielfach preisgekrönt und in mehrere Sprachen übersetzt. Die studierte Altphilologin lebt mit Familie am Wiener Stadtrand und schreibt für die freizeit die wöchentliche Kolumne „Fabelhafte Welt“.

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