"Schwimmen ist ein bisschen wie eine Meditation"

Die Bewegung im Wasser macht körperlich fitter und mental ausgeglichener. Warum uns Wasser nicht nur als sommerliche Abkühlung so anzieht.

Seit 2.000 Jahren tauchen die Frauen in die Tiefe. Bis zu 200 Mal pro Tag, um Schalentiere aus dem Meer zu holen. Auf Japanisch nennt man sie Ama – „Frauen des Meeres“. Dass diese Arbeit der alten Tradition gemäß nur von Frauen ausgeführt ist, ist für sich schon interessant.

Noch mehr allerdings für Wissenschafter, die sich mit den Auswirkungen von Bewegung im Wasser auf den Organismus beschäftigen. Man weiß zwar: Schwimmen ist ein gesundes Ganzkörpertraining, das im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten bis ins hohe Alter verhältnismäßig einfach durchführbar ist.

Dies auch mit wissenschaftlichen Kriterien zu untersuchen, ist allerdings etwas anderes. Altersforscher Hirofumi Tanaka, der am Labor für kardiovaskuläres Altern an der University of Texas forscht, stellte in seinen Studien mit den Ama fest: Im Vergleich zu den anderen, nicht tauchenden 65-jährigen Frauen im Fischerdorf wiesen sie eine bedeutend niedrigere Herzfrequenz und beweglichere Arterien auf.

Schwimmen hilft Körper und Geist

Zum Teil kommt diese positive Wirkung vom Druck des Wassers auf den Körper – Herz und Lungen arbeiten intensiver. Die fließenden Bewegungen im Wasser wirkten auch gegen arthritische Schmerzen, stellte der Mediziner in früheren Studien fest, der Grad der Gelenksschmerzen ging zurück. „Schwimmen ist die beste Übung, die wir verschreiben können.“

Nun muss man nicht unbedingt zum Freitaucher werden, um sich  im Wasser zu bewegen und damit „Körper und Geist etwas Gutes“ zu tun, wie  Bonnie Tsui in ihrem heuer auf Deutsch erschienenen Buch „Warum wir schwimmen“ (Verlag HarperCollins, 22,95 €) betont. Die  New York Times-Autorin beschäftigt sich in ihrer Kulturgeschichte des Schwimmens mit allen Facetten dieser Fortbewegungsart im Wasser – „eine Fortbewegung des Körpers mithilfe der Glieder durch das Wasser“. 

Und der Geist? Auf den wirkt Schwimmen ein bisschen wie eine Meditation, sogar als Unterstützung, um durch schwierige Zeiten zu kommen. Zwischen den Atemzügen beginnt das Nachdenken über die aktuelle Arm- und Beinbewegung. Dann, irgendwann, „löst sich das Denken von den Schwimmbewegungen.

Sich wieder fühlen wie ein Fötus

Wir sind hochsensibel und gleichzeitig von unseren körperlichen Zwängen erholt. Vielleicht fühlt sich der Mensch auch deshalb im Wasser so wohl, weil jeder Fötus noch vor der Geburt im Fruchtwasser herumschwebt. Mehr noch: Er atmet Fruchtwasser ein  und aus – dadurch bilden sich die Lungen erst aus.                                        

Mit dem Atmen und der intuitiven Bewegung im Wasser ist es mit der Geburt vorbei. Doch zumindest Letzteres kann man wieder erlernen, je, früher, desto besser. Dann verlernt man es auch nicht mehr (wiewohl man seine Kenntnisse regelmäßig mit Profihilfe auffrischen sollte). Zurück zur Leichtigkeit des Seins also!

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Schwerpunkt Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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