Fastfood bis Papageientaucher: Weihnachtsessen aus aller Welt

Daniel Voglhuber

von Daniel Voglhuber

Das Festessen ist vielen rund um den Globus wichtig. Wo sich die Tische biegen und wo man lieber zu Kentucky Fried Chicken geht.

Es gibt Dinge, die sind den Menschen heilig. Das Essen zu Weihnachten etwa. In Wien kommt Fisch auf den Tisch. Vielleicht auch ein Ganserl. Bratwürstel mit Sauerkraut aber auf keinen Fall. Das könnte in so mancher Familie in der Bundeshauptstadt den Weihnachtsfrieden bröckeln lassen. Darauf bestehen wiederum viele Oberösterreicher. Und auch weiter westlich in Salzburg isst man am Heiligen Abend mit Vorliebe Würstelsuppe. 

Und wie in Österreich haben sich auf der ganzen Welt eigene traditionelle Weihnachtsgerichte herausgebildet. Bei einigen könnte man ganz neidisch werden und sogar auf Bratwürstel oder Fisch verzichten - je nachdem, ob man westlich oder östlich der Würstelgrenze wohnt. Dann wiederum gibt es Aufgetischtes, das würde man den dortigen Menschen ganz neidlos überlassen.

Japan

Jeder mitteleuropäische Weihnachtstraditionalist und jede Weihnachtstraditionalistin würden einen Herzinfarkt bekommen, wenn sie das vorgesetzt bekommen, was die Japaner heiß lieben. Hühnerfleisch des Fast-Food-Riesen Kentucky Fried Chicken (KFC), das bei übermäßigem Genuss auch die Herzinfarktgefahr ansteigen lässt. Im Land, das von Shinto und Buddhismus geprägt wurde, ist die Geburt des Jesuskinds an sich kein große Sache gewesen. So sprangen die Unternehmen ein und füllten das christliche Fest mit einer neuen Bedeutung auf. Eine KFC-Filiale bewarb 1970 schon frittierte Hühnerstücke als Truthahn-Ersatz und ab 1974 startete eine «Weihnachten ist Kentucky»-Kampagne. Und das wirkte, die Lokale sind vom 23. bis 25. Dezember voll.

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Brasilien

Im größten katholischen Land der Welt musste das Fest nicht von einer Fast-Food-Kette geprägt werden. Aber das Essen ist bei den Brasilianern nicht weniger deftig. Traditionell kommt fast überall ein Truthahn am Heiligen Abend auf den Tisch. Er wird mit tropischen Früchten wie Ananas, Carambola, Goiaba und Maracujá zubereitet und angerichtet. Als Beilagen gibt es Reis oder Kartoffelsalat mit Äpfeln und Rosinen und einen mit viel Knoblauch angereicherten Grünkohl. Die traditionellen Farofa-Streuseln, ein geröstetes Maniokmehl, ist auch immer mit dabei - als Beilage oder als Füllung.

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Philippinen

In einem anderen großen christlichen Land mit tropischem Klima setzt man auch auf üppige Küche. Auf den Philippinen serviert man zu Weihnachten das Spanferkel lechon, das man von den spanischen Kolonialisten übernommen hat und das zum Nationalgericht wurde. Es ist mit Chilis, Sternanis, Zitronengras und noch viel mehr gefüllt. Wie die FAZ berichtete, beginnen die Weihnachtsfeierlichkeiten schon oft im September. "Ärzte warnen vor möglichen Folgen wie hohem Blutdruck, Herzproblemen, Diabetes - ohnehin eine Gefahr, da die philippinische Küche auch sonst einen Hang zum Süßen hat."

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Island

Wo so viel vulkanische Aktivität stattfindet und oft Rauch in der Luft ist, räuchert man auch gerne das Essen. Islands beliebteste Weihnachtsspeise ist ein geräuchertes Lamm. Aber die nordischen Bewohner mögen es für festlandeuropäische Gewohnheiten und Tierlieben eben auch richtig ungewöhnlich - Stichwort Walfleisch oder fermentierter Gammelhai. So kommt in der stillsten Zeit des Jahres auch ein geräucherter Papageientaucher auf den Tisch.

Geräuchertes Fleisch in Island

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Schweden

Mit dem, was andere nordische Menschen zu Weihnachten verspeisen, können die meisten wohl mehr anfangen. Im skandinavischen Lieblingsland aller, in Schweden, biegen sich beim Weihnachtsbuffet Julbord die Tische mit allerlei landestypischen Spezialitäten.  Als Vorspeise gibt es etwa marinierten Hering, der mit Senf, Curry, Zwiebeln oder Kaviar serviert wird oder gebeizten Lachs mit Honig-Senf-Sauce. Und Räucheraal darf auch oft nicht fehlen wie halbierte, harte Eier, die mit Kaviar oder Garnelen gefüllt sind. Als Hauptspeise folgen die Fleischbällchen Kötbullar oder der gegarte Stockfisch Lutfisk. Ebenfalls am Programm steht die Bratwurst Julkorv. Und wer dann noch kann, isst als Nachspeise die Zimschnecken Kanelbullar oder das Safrangebäck Lussekatter. Da braucht es zum Abschluss ein Aquavit. Skål!

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England

Einen Schnaps würden manche auch in England brauchen - böse Zungen würden den ob des Rufs der Küche gleich vorab empfehlen. Weniger böse Zungen behaupten, so schlimm sei das Essen auf der Insel gar nicht. Traditionell gibt es dort Truthahn. Den kann man schon essen. Gewöhnungsbedürftig erscheint aber der Christmas Pudding (oder Plum Pudding). Zutaten sind Rinderfett, Zucker, Zuckerrohr-Sirup, Rosinen, Brotkrumen, Eier, Gewürze und Alkohol, Mehl, Orangen- oder Zitronenschalen, Karotten, Äpfeln und Mandeln.

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Holland

Ein Volk, das auch nicht unbedingt für seine Küche bekannt ist, ist das aus Holland. Dort frittiert man unterm Jahr mit großer Hingabe. Zu Weihnachten reißt man sich dann doch etwas zusammen. Beim wichtigen Familienfest kommen alle zum „gourmetten“ zusammen, auch bekannt als Raclette. Danach kommen eh wieder Bitterballen oder Frikandel. Maaltijd!

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Italien

Lukullisch wahrlich nicht mit England oder Holland zu vergleichen ist Italien. Dort kocht man am 24. Dezember aber nicht ganz groß auf, weil es eigentlich ein Fasttag sein sollte. Aber so einen Fasttag lobt man sich, den schlecht ist das Essen auch da beileibe nicht - es gibt viel Meeresfrüchte, Pasta und Fisch. Richtig üppig wird es dann am Weihnachtstag mit Vorspeisen, Pasta, Weihnachtsbraten vom Kalb oder Wildschwein und Panettone. Mamma mia.

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Frankreich

Dort, wo man wie Gott in Frankreich lebt, lässt man sich überhaupt nicht lumpen. Das Réveillon, das traditionelle Weihnachtsmenü, ist der Höhepunkt des Heiligen Abends. Es ist eine meist mehrstündige „Tour de Force“. Begonnen wird mit Austern, Lachs, Foie gras oder auch glasierten Maronen. Dann gibt es oft eine Pute mit Maronen-Farce, einen gefüllten Kapaun oder eine Ente à l’orange. Und was wären die Franzosen ohne ihre Weine? Begleitet wird das alles mit tollen Weinen oder Champagner. Mon dieu!

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Russland

Russland ist nicht so sehr für seine kulinarischen Glanzlichter bekannt, dafür für ausschweifenden Alkoholkonsum. Wodka darf zu Weihnachten nicht fehlen - oft steht eine Karaffe am Tisch. Und während die Franzosen Schampus schlürfen, trinken die Russen Schampanskoje. Aber man würde den Russen unrecht tun, sie aufs Saufen zu reduzieren, immerhin ist ihnen Weihnachten sehr wichtig und sie kochen auch groß auf. Besonders beliebt ist die Vorspeise „Hering unterm Pelz“. Hier wird ein Fisch klein gerieben und unter Mayonnaise, geriebenen Kartoffeln, Eiern und Rote Rüben versteckt. Kaviar und hargekochte Eier dürfen vielerorts auch nicht fehlen.

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Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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