Frau im Sommerkleid und mit Sonnenhut hebt ein Weinglas mit Rotwein hoch, steht inmitten von Weinbergen

Flaschenpost: Weltwunder Winzerin

Eine Ode an die Winzerinnen!

Es ist nur eine Woche her, dass es pünktlich zum Weltfrauentag eine Ode an Frauen in jeglichen Berufssparten gab. Man gedachte der Wissenschaftlerinnen, Dichterinnen und Erfinderinnen und überhaupt aller Berufsheldinnen, als handle es sich um eine rare Spezies, auf die man halt den Rest des Jahres vergisst. Ein Gedenktag, so elementar wie der Tag des Bunsenbrenners, der Welttag der Spatzen oder der internationale Tag der Fleischbällchen, die ebenfalls im März gefeiert werden. 

Selbstredend wurden zu diesem Anlass auch in der Weinbranche sämtliche Winzerinnen vor den Vorhang gezerrt, als wäre es ihr einziger Verdienst, eine Frau zu sein. Mitleidig, beinahe bewundernd, wurden sie befragt, wie es ihnen gelänge, sich in der ach so beinharten Männerdomäne des Weinmachens zu behaupten. 

Wieder und wieder wurde erzählt, wie wenig ihnen ihre Umgebung zu Beginn zutraute und wie bass erstaunt man letztlich ob ihrer beachtlichen Leistung gewesen sei. Als sei es ein Mirakel, dass Frauen tatsächlich trinkbaren Wein hinkriegen – naturgemäß niemals so brillant wie der ihrer männlichen Kollegen, aber immerhin. Kein Wunder, dass man Winzerinnen keine Kompetenz zutraut, wenn man ewig dieselben Klischees wiederkäut. Vielleicht will so mancher in einer der letzten scheinbaren Männerdomänen ohnehin lieber unter sich bleiben.  

Christina  Fieber

Über Christina Fieber

Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.

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