Stadtkomödie: In Innsbruck geht’s um die Lederhose

Die Innsbrucker Stadtkomödie (20.15, ORF1) nimmt den Lokalpatriotismus aufs Korn und wirft einen humorvollen Blick auf die Tiroler Seele. Mittendrin: Josephine Bloéb.

Humor ist naturgemäß eine der Hauptzutaten einer Komödie. Im Falle der ORF-Stadtkomödien geht es aber nicht nur um Schmäh und Unterhaltung, sondern auch um den lokalen Anstrich. Bei der Bestandsaufnahme der diversen regionalen Eigenheiten bedienen sich Filmemacher natürlich gerne bei Klischees und Vorurteilen.

Die beiden Drehbuchautoren Harald Haller und Marc Brugger machen da bei ihrem ORF-Stadtkomödien-Debüt keine Ausnahme: In „Die Lederhosenaffäre“ sind die Tiroler nämlich genau so, wie man sie sich als Ost-Österreicher, der mit der Piefke-Saga aufgewachsen ist, eben vorstellt: kauzig, stur, bärig, eigenbrötlerisch, konservativ und ausgestattet mit einer sehr von sich selbst überzeugten Andreas-Hofer-„Mir-san-mir“-Mentalität.

Aber diese Stereotype werden nicht nur bedient, sondern auch persifliert. Und dann schlage die Komödie auch noch gesellschaftskritische Töne an, findet zumindest die Schauspielerin Josephine Bloéb, die kürzlich ihren 29. Geburtstag feierte. „Für mich erzählt die Geschichte einen Überlebenskampf von zwei jungen Menschen, deren Existenz bedroht wird. Es geht um Täuschung, Macht und Gier.“

Im Bild: Stefan Pohl (Konstantin Zeller), Fabian Schiffkorn (Georg Heindl), Josephine Bloéb (Olivia)

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Heimvorteil

Die in Wien lebende Schauspielerin gibt in der Innsbrucker Stadtkomödie die Jungunternehmerin Olivia, die gemeinsam mit ihrem Mann (Fabian Schiffkorn) ein kleines Modelabel betreibt. Ihr Verkaufsschlager im Sortiment: Die Krachlederne, die „originale“ Kurze. Aber haben diese wirklich die Tiroler erfunden – oder doch die Bayern? Mit dieser Frage muss sich Konstantin Zeller (Stefan Pohl) herumschlagen. Denn der angehende Jurist kümmert sich um einen großen Lederhosen-Markenrechtstreit: Der Kampf gegen einen übermächtigen bayrischen Konzern scheint aussichtslos, aber er nimmt ihn an, um seine Ex-Freundin Olivia zurückzugewinnen. Das Problem: Konstantin hat keinerlei Erfahrungen als Anwalt – und Olivia ist glücklich verheiratet.

Als gebürtige Innsbruckerin hatte Bloéb natürlich Heim- und Dialektvorteil. „Aber wir haben uns zusammengerissen und natürlich daran gedacht, dass der Film auch in Deutschland ausgestrahlt wird. Hoffentlich braucht es dafür keinen Untertitel.“ Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen und die Arbeit am Set beschreibt sie als „produktiv und lehrreich.“ Mit dem Ergebnis sei sie sehr zufrieden: „Ich finde es witzig und gelungen, wie sich die Stadtkomödie über die Tiroler Mentalität lustig macht. Es ist doch gut, wenn man über sich selbst lachen kann, sich nicht immer so ernst nimmt“, sagt Bloéb, die am Max Reinhardt Seminar studierte und bereits einige große Theaterbühnen des Landes bespielt hat: Sie war etwa Ensemble-Mitglied in der Wiener Josefstadt und am Landestheater Niederösterreich. Auch Filmerfahrung kann sie vorweisen: „Ich habe ,Soko’ gedreht und im ,Tatort’ mitgespielt. Die Stadtkomödie ist aber meine erste Hauptrolle.“

Zweigleisig

Christine Neubauer als bayerische Lederhosen-Fabrikantin.

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Die Schauspielerin will weiterhin zweigleisig fahren, also im Theater und im TV eine Rolle spielen. Nächster Auftritt? „Die Fellner-Lesung“ im Wiener Volkstheater. Dabei geht Bloéb mit Schauspielkollegen und Journalisten der Frage nach: Wie funktioniert das System Wolfgang Fellner? „Es ist ein Infotainment-Format – ein Abend zwischen harter Medienanalyse und politischer Satire. Es geht um Wolfgang Fellner und seinen Machenschaften in Österreich. Wir liefern Einblicke in die Strategien und Techniken des österreichischen Boulevards“, sagt Bloéb. Aufgrund der (etwas längeren) Winterpause im Volkstheater finden keine Lesungen statt. Im Jänner soll es aber weitergehen – auch eine kleine Tour durch die Bundesländer sei geplant. Nächste Lesung: am 20. Jänner im Volkstheater.

Marco Weise

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