Netflix-Hit The Crown: Wir wollen wohnen wie die Royals

Zum Start der fünften Staffel von „The Crown“ bei Netflix steht auch der viktorianische Bau- und Wohnstil wieder im Fokus.

Keine Entspannung für die britischen Royals. Zwei Monate nach dem Tod von Elisabeth II sollte für King Charles nun Ruhe einkehren. Mitnichten. Denn die von Fans mit Spannung erwartete, fünfte Staffel von The Crown hält jede Menge Aufreger bereit. Steht doch das schon damals sehr öffentliche Scheitern der Ehe von Charles und Diana im Zentrum der Erzählung. Der von Peter Morgan geschriebene Netflix-Hit startete am Donnerstag mit zehn neuen Folgen.

In den Hauptrollen diesmal Imelda Stanton als Queen Elisabeth, Elizabeth Debecki als Prinzessin Diana und Dominic West als Prinz Charles. Gerüchte, Affären und Skandale kommen auch diesmal nicht zu kurz. Wichtigste Nebenrolle in dem Serienspektakel spielen aber auch Architektur und Interieur der prachtvollen Schlösser und Herrenhäuser. Grund genug, sich den viktorianischen Stil genauer anzusehen.

The Balmoral Hotel in Edinburgh

©Adrian Houston

Pompös und verschachtelt

Dabei lässt sich dieser gar nicht so leicht erklären, wie etwa Maria-Gabriele Dittrich, Bauhistorikerin von der Fakultät für Architektur und Raumplanung an der TU Wien, erzählt: „Es gilt zu bedenken, dass ,viktorianisch’ ein Überbegriff ist, der viele Architekturstile des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Regionen umfasst. Die architektonischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts sind, wie natürlich auch jene anderer Epochen, immer in engem Zusammenhang mit Geschichte und Gesellschaft zu sehen: Die industrielle Revolution brachte neue Bautypen wie Industriebauten oder Bahnhöfe hervor, für die es keine architektonischen Vorbilder gab, was eine Suche nach dem ,passenden’ Stil auslöste. Zusätzlich wurde genau diese Problematik durch den architekturtheoretischen Ansatz des ,Kampf der Stile’ zwischen Klassik und Gotik verstärkt.“

Westminster Palace in London 

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Diese so unterschiedlichen Strömungen machen eine klare Zuordnung oft schwierig, dennoch gibt es verbindende Merkmale: ornamentierte Giebel, steile Dächer und große Erkerfenster kommen verstärkt vor. Typisch für diesen Baustil sind Ecktürme, Erker, auch mehrfach übereinandergestellt, Balkone, unsymmetrische Fassaden und tief liegende Hauseingänge mit großen Vordächern. Reich verzierte Holzfassaden verwandeln Häuser und Cottages in wahre Lebkuchenhäuser.

Cragside 

©Mariela Dittrich

Vom Königreich ausgehend verbreiteten sich die Stilelemente in alle Kolonien und darüber hinaus. So prägen auch heute noch Häuser im viktorianischen Stil das Stadtbild in San Francisco, Louisville oder eben Mumbai. Bekanntester Vertreter der viktorianischen Gotik ist der Architekt Augustus Pugin, der etwa für den Neubau des Westminster Palace in London nach Brand des Vorgängerbaus ab 1834 verantwortlich war. Die spätere viktorianische Architektur hat beispielsweise Richard Norman Shaw geprägt, der viele der Landsitze beeinflusst hat. Das Cragside Herrenhaus in Northtumberland zum Beispiel ist heute auch öffentlich zugänglich.

Karo und Kamin - so wird der Brit-Style gemütlich

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Royales Wohnen

Um sich selbst besonders „royal“ zu fühlen empfiehlt sich ein Aufenthalt in einem Hotel im viktorianischen Stil, etwa im The Balmoral. Das Hotel in Edinburgh erinnert auch optisch an Balmoral Castle, die Sommerresidenz von Queen Elisabeth II, die dort am 8. September verstarb. Üppiges Interior und herrschaftlich ausgestattete Suiten sorgen für Prinzessinnen-Feeling und edle Gemütlichkeit. Olga Polizzi, Interiordesignerin der Rocco Forte Hotelgroup, sorgt auch im The Balmoral für die perfekte Mischung zwischen Altem und Modernem: „Da die meisten Zimmer im fünften und sechsten Stock hohe Decken mit ungewöhnlichen Türmchen haben, war mein Hauptziel, sie übersichtlich zu halten, indem ich zeitgenössische Möbel mit dem einen oder anderen antiken Stück mischte. Ich habe einen subtilen Hauch von Karos und Tartans in den Jalousien und Teppichen verwendet, während die Farbpalette die erdigen Farben der Moore widerspiegelt.“

Wohnen im The Balmoral - von Interiordesignerin Olga Polizzi

©www.HotelPhotography.it/HOTEL PHOTOGRAPHY SRL

Der besondere Einrichtungsstil der Windsors lässt sich übrigens auch in den eigenen vier Wänden umsetzen. Die Teatime wird im Salon eingehalten – da darf zartes Porzellan nicht fehlen. Am aufwendig gearbeiteten Lehnsessel nimmt man zum Lesen Platz, das Nickerchen hält man auf der Chaiselounge.

Eine prall gefüllte Bibliothek zeugt von Bildung und Reichtum, ein offener Kamin gehört auch dazu. Stoffe, die in viktorianischen Häusern verwendet werden, können Jacquard, Leder, Chenille oder Samt sein, um nur einige zu nennen. Eines der beliebtesten viktorianischen Möbelstücke war der Schaukelstuhl, auch Sekretäre und Vitrinen erhielten besondere Bedeutung.

©Dior

Das Viktorianische Zeitalter gilt als eines der reichsten der Engländer und wird auch goldene Ära genannt. Pompöse Dekorationen, aufwendig gestaltete Möbel aus exotischen Hölzern und florale Motive prägen die Einrichtung. „Der Reichtum des Landes spiegelt sich auch im Möbelbau wider. Es wurden exotische Hölzer wie Mahagoni, Nuss- oder Rosenholz und edle Materialien wie Perlmutt oder Schildpatt verwendet“, erklärt Restaurator Richard Addison. Der gebürtige Engländer hat Möbelbau und Restauration in London studiert und betreibt seit fast zwanzig Jahren eine Werkstatt in Wien.

Kennt sich mit antiken Möbeln aus: Richard Addison

©Kurier/Gerhard Deutsch

Addison: „Arbeit bzw. Arbeiter waren sehr billig damals, darum konnten so aufwendige Möbel produziert werden. Es wurde exzellent handwerklich gearbeitet. Dennoch sind viktorianische Möbel, die ersten, die dann auch in Fabriken gefertigt wurden.“ Auf der Suche nach echten viktorianischen Möbeln wird man in Österreich aber kaum fündig. Dabei sind die Stücke durchaus vergleichbar mit denen des Historismus hierzulande.

Dennoch: „Viktorianische Möbel können besonders für Sammler sehr wertvoll sein“, weiß der Experte. Wer seinen eigenen vier Wänden aber royalen Touch verleihen will, kann das auch mit Gründerzeitmöbeln tun, britische Muster wie Karos oder florale Tapeten runden das Bild ab. Oder einfach beim Genießen der neuen „The Crown“-Folgen weiter inspirieren lassen.

Nicole Zametter

Über Nicole Zametter

Schreibt über Architektur, Immobilien, Wohnen & Design und besucht gerne Menschen in ihrem Zuhause, um Homestories zu machen. Mit Trendgespür und einem ausgeprägten Sinn für Ästhetik ist die Tirolerin auch im Alltag immer auf der Suche nach Geschichten und Themen.

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