Die Krippen Welt: Zwischen Kitsch, Kunst und uralter Tradition

Weihnachtskrippen waren lange vor dem Weihnachtsbaum der liebste Xmas-Schmuck der Österreicher. Hier die schönsten, schrägsten und ungewöhnlichsten Krippen der Welt.

Abends  ging ich zu Bruder Carl“, schrieb Erzherzog Johann im Wien der 1820er-Jahre nach dem ersten Christbaumfest im Hause Habsburg. „Und sogleich verstimmte mich die große Hitze durch die vielen Lichter. In früherer Zeit, als ich klein war, gab es ein Kripperl, welches beleuchtet war – sonst aber nichts. Nun ist kein Kripperl mehr!“

Heute ist uns meist nicht mehr bewusst, dass  die Krippe lange vor dem Weihnachtsbaum DAS Symbol des Weihnachtsfestes war. Ochs und Esel, drei Hirten, zwölf Schafe, zwei Hunde, vier Bäume, elf Engel und je zwei Propheten und Sibyllen. So sah sie angeblich aus, die allererste Krippe,  die im 15. Jahrhundert in Neapel in der  Kirche San Giovanni a Carbonara aufgestellt worden ist. Keine Witze jetzt bitte, Carbonara ist einfach eine Gemeinde in der Nähe von Neapel, auch wenn wir bei dem Namen automatisch an Spaghetti und eine deutsche New-Wave-Band denken.  Von Neapel kommend, eroberte sie ab dem 16. Jahrhundert auch die katholischen Länder nördlich der Alpen.

Klotzen, nicht kleckern. Im polnischen Krakau werden heute noch die atemberaubendsten Krippen Europas hergestellt. Diese von Tadeusz Freiberg erzielte den ersten Preis in der Kategorie „mittelgroße Krippen“ 

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Und so wurde die Krippe zum Bestandteil ur-katholischer Weihnachtstradition, lange vor dem Weihnachtsbaum, den die Protestanten ins Spiel brachten. Als Sinnbild einer Feier im geschlossenen Kreis der Familie – während man im katholischen Österreich nach der Weihnachtsmesse gerne noch ein, zwei Runden mit dem Nikolaus tanzte und geistige Getränke zu sich nahm. Ja, wir müssen jetzt stark sein, aber das Weihnachten, wie wir es heute kennen, haben wir durch und durch von den Preußen importiert, inklusive des zarten, ephemeren Christkindls.

Krippe oder Christbaum?

Wie es dazu gekommen ist? Karl hatte die bildschöne Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg geheiratet. Die kam aus Mainz, war evangelisch – und Karl konnte ihr keinen Wunsch abschlagen. Also feierte er mit ihr Weihnachten wie bei ihr zu Hause. Und als brave Untertanen taten es irgendwann einmal schließlich alle Österreicher. Auch wenn sich Christbaum-Skepsis und Kripperl-Kult in manchen ländlichen Gemeinden bis ins 20. Jahrhundert hielten.

Banksys Weihnachtskrippe in seinem „The Walled Off Hotel“ in Bethlehem 

©EPA/ABED AL HASHLAMOUN

Die gute Nachricht: Erzherzog Johanns Furcht blieb unbegründet, denn auch die Krippe ist nach wie vor beliebt. In ihrer Ur-Heimat Neapel gibt's Papa Francisco, Maradonna, die italienische Fußballnationalmannschaft und sogar Rocky Balboa als Krippenfiguren, während man in Sizilien wiederum ganz auf Tradition setzt. In Krakau setzt man auf grandiosen Kitsch, eine italienische Kunsthandwerkerin verkauft Krippenfiguren um bis zu 600 Euro, die Design-Gurus von Alessi haben eine schicke Plastik-Krippe entworfen, die mittlerweile auch schon im Museum steht – und der anonyme Kunstsuperstar Banksy hat für sein Hotel in Bethlehem ebenfalls eine Weihnachtskrippe gestaltet. Und ja, im österreichischen Attersee entstand eben die erste Unterwasserkrippe Europas. Erzherzog Johann würde sich freuen. 

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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