Ikonische Designermöbel: Für immer wertvoll

Sie erfreuen Sammler auf zweierlei Weise: Als Möbelstück und als werthaltige Geldanlage. Welche Modelle sich dafür eignen und was beim Kauf zu beachten ist.

Es gibt sie, jene Designstücke, die über die Jahrzehnte  hinweg ihren Wert erhalten und auch im Wieder-Verkauf stolze Preise erzielen. Doch was macht ein Designstück zur Ikone? „Die Funktionalität, die Ästhetik, aber auch die Robustheit und die  wandelbare Funktionalität“, zählt der Designexperte des Dorotheums, Mathias Harnisch, auf.  Für ihn sind es   zwei zeitlose,  ikonische Modelle, die all diese Kriterien erfüllen und bis heute gefragt sind: Der Barcelona Chair von Ludwig Mies van der Rohe und der Lounge Chair von Ray und Charles Eames. „Das sind für mich die Eckpfeiler des Prime Markets“, so der Experte. 

Lounge Chair und Ottomane von Ray und Charles Eames  (1956), Vitra re-produziert das Modell bis heute. vitra.com

©Hans Hansen/Vitra Collections AG

Da beide nach wie vor produziert werden, überschreiten sie beim Wiederverkauf zwar nicht den Neuwert, erzielen jedoch gute Preise. Der Barcelona Chair erreichte laut Harnisch unlängst bei einer Auktion  4.300 Euro, neu kostet er rund 7.200 Euro.  Der Lounge Chair   erzielt Preise zwischen 3.000 bis 4.000 Euro (Neupreis: 5.000 bis 8.000 Euro).  „Man muss bedenken, der Lounge Chair ist in den 1960er Jahren entstanden. Die Modelle weisen   Gebrauchsspuren auf, die Polsterung  verhärtet und wird bröselig“, erklärt Harnisch. 
 

Barcelona® Chair  von Ludwig Mies van der Rohe (1929). Knoll Int. ist für Re-Produktionen in Europa zuständig. knoll.com

©Knoll

Beim Kauf muss man unterscheiden: „Der frühere Barcelona Chair, der nachweislich aus den 1930er-Jahren stammt, ist wertmäßig höher anzusiedeln als spätere lizenzierte Versionen“, so der Experte. „Ich würde dazu raten, im Zweifel das Original zu kaufen.“ Lizenzierte Stücke haben  jedoch einen  Wiederverkaufswert, was sie von Replikaten aus China unterscheidet. Mathias Harnisch nennt als Beispiel den Schalensessel von Ray und Charles Eames, der im Original aus dem hochwertigeren  Fiberglas gefertigt wurde und später neu in Polypropylen aufgelegt wurde. Das hat dazu geführt, dass die Fiberglas-Modelle preislich profitiert haben. 

Ein weiteres Beispiel ist der Panton Chair. „Es gab verschiedene Produktionslinien, in den 1980er Jahren wurde das Modell in einer anderen Ausführung hergestellt“, so Harnisch. Vor einigen Jahren hat Vitra dann die Classic Edition neu aufgelegt. Harnisch:  „Dadurch sind alle Modelle gefragter geworden und haben an Wert zugelegt.“ 

Raumteiler und Regal „Carlton“ (1981) von Ettore Sottsass.

©Rheinisches Bildarchiv Köln

Wer sich fragt, ob ein bestimmtes Modell nicht nur Möbelstück, sondern auch eine Wertanlage sein kann, sollte  sich an folgenden Kriterien orientieren. Wichtig für den  Werterhalt ist einerseits die  Auflagenhöhe, wobei gilt: Je kleiner die Auflage, desto besser.  Prototypen, die nur einmal für einen bestimmten Auftraggeber hergestellt wurden, haben  einen besonderen Wert.   Als Beispiel nennt Harnisch  den „Großen Schreibtisch“ von Anna-Lülja Praun aus dem Jahr 1984. „Der Schreibtisch ist deutlich über die Schätzung gegangen.“ Diese lag bei 10.000 bis 15.000 Euro, gebracht hat der Tisch schließlich 36.000 Euro  plus Aufgeld.

Dennoch: „Wenn ein Modell ein Prototyp ist, ist das noch kein  Garant dafür, dass es auch dabei bleibt“,  schränkt  der Experte  ein,  da es auch später  zu Re-Editionen kommen kann. „Je früher, vom  Entwurfsjahr her gesehen, das Modell entstanden ist, desto besser.“ 

Mathias Harnisch ist Designexperte des österreichischen Dorotheums.

©Kurier/Gilbert Novy

Auch die Provenienz, also wer das Möbelstück  besessen hat,  spielt eine Rolle. „Die lückenlose Provenienz ist wichtig“, betont Mathias Harnisch.  Kommt das Modell nachweislich aus einer Privatsammlung und hatte nur einen Besitzer,  ist das ein zusätzliches Qualitätsmerkmal.  Zertifikate mit dem Foto des  Modells, die  belegen, dass es  sich exakt um dieses handelt, sind für den Wiederverkauf wichtig.  

Was aktuell  bei Auktionen gefragt ist, ist  wechselnden Moden unterworfen, die laut Mathias Harnisch immer kurzlebiger werden. Die Postmoderne, vor allem Memphis-Modelle (eine Mailänder Gruppe von Designerin), war vor einiger Zeit sehr  gefragt. Ein Beispiel dafür ist  „Carlton“,   Raumteiler und  Bücherregal in einem, von Ettore Sottsass, der Teil dieser Gruppe war.   

Zuletzt gingen Memphis-Modelle dann wieder weniger gut, erläutert  Harnisch.  Es komme  eben immer darauf an, welche Ausstellungen gerade zu sehen sind und potenzielle Käufer auf den Geschmack bringen.  

Ulla Grünbacher

Über Ulla Grünbacher

Mag. Ulla Grünbacher ist seit 1996 beim KURIER. Nach vielen Jahren in der Wirtschaftsredaktion ist sie nun stellvertretende Leiterin des IMMO-Magazins und schreibt auch für das JOB Business.

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