Welcher Stern den Heiligen drei Königen tatsächlich den Weg wies

Susanne Mauthner-Weber

von Susanne Mauthner-Weber

Der Stern von Bethlehem ist zwar das berühmteste, aber nicht das einzige Zeichen von oben, wonach Großes bevorsteht oder Schlimmes droht.

Wo Astronomen kühl von einer „Großen Konjunktion“ sprechen, bekommen Sterndeuter Herzklopfen. Dann nämlich, wenn Jupiter und Saturn scheinbar zu einem Sternverschmelzen. Geschehen im Jahr 7 vor Christus. Und das gleich drei Mal.

Eineinhalb Jahrtausende später schlug der Theologe und Astronom Johannes Kepler das Rendezvous der beiden sehr hellen Gasriesen als Deutung des Weihnachtssterns vor. Und heute gilt die Dreifach-Konjunktion tatsächlich als wahrscheinlichste Erklärung für jenen Stern, der die Heiligen Drei Könige zur Krippe führte. Astronomen sind sicher, dass eine Planetenkonjunktion auch damals mit freiem Auge sehr gut zu sehen gewesen sein muss. Findet sie gleich dreimal – im Mai, September und Dezember – statt, kann man davon ausgehen, dass die Sterndeuter der damaligen Zeit das als Zeichen gewertet haben, dass etwas Besonderes passiert.

„Schon in Mesopotamien und im Alten Ägypten wurde der Himmel beobachtet“, erzählt Johannes Preiser-Kapeller, Historiker an der Akademie der Wissenschaften. „Schnell wurden auch Zusammenhänge mit Ereignissen auf der Erde hergestellt.“ Bald galt der Komet als Unheilsbringer, etwa als Zeichen, dass der Tod eines Herrschers bevorsteht oder eine Seuche ausbrechen wird. Ganz festlegen wollten sich die Autoren aber doch nicht: „In allen Schriften bemerkt man, dass die Dinge so gedeutet wurden, wie man es gebraucht hat“, sagt Preiser-Kapeller.

Neben dem Stern von Bethlehem gibt es eine weitere große Himmelserscheinung, die mit der Christianisierung in Zusammenhang gebracht wird: „Im Jahr 312 steht Konstantin, der Anwärter auf die Kaiserwürde, kurz vor der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke“, erzählt der Historiker. „Und er hat eine Lichterscheinung.“ Eine Stimme erschallt: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Preiser-Kapeller weiter: „Heute denkt man, der Kaiser habe ein sogenanntes Halo gesehen, eine Streuung der Sonne, wenn sich Eispartikel in der Luft befinden. Dadurch kann es zu einer Doppelung der Sonne kommen.“ Vielfach deutete man es auch als Christogramm – die Buchstaben P und X, die sich überlappen.

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Böse Omen am Himmel

Im Jahr 536 wiederum beschrieb der Historiker Prokopios von Caesarea „dieses furchtbare Vorzeichen. Die Sonne hatte das ganze Jahr über nicht ihren üblichen Glanz. Seitdem ereigneten sich nur noch schlimme Dinge. Der Krieg ließ nicht nach, Seuchen kamen über die Menschen.“ Preiser-Kapeller: „Aus heutiger naturwissenschaftlicher Sicht können wir sagen: Ein Vulkanausbruch verdunkelte die Sonne von Irland bis China, das führte zu einer Klimaschwankung – der antiken kleine Eiszeit.“ Die folgende Pestpandemie hielt 200 Jahre an.

Sogar für die Darstellung des Stern von Bethlehem als Komet gibt es eine schlüssige himmlische Erklärung: Im Jahr 1301 beobachtete der Maler Giotto den gut sichtbaren Halleysche Komet. Beeindruckt malte er zwei Jahre später „Die Anbetung der Könige“. Das Gemälde wird zum Vorbild praktisch aller weiteren Krippen-Bilder und prägt unsere Vorstellung vom Stern von Bethlehem bis heute.

Susanne Mauthner-Weber

Über Susanne Mauthner-Weber

Noch bin ich ja nicht überzeugt, dass das tatsächlich irgend jemanden interessiert. Für den Fall, dass doch: Seit einem halben Leben beim KURIER. Fad wird mir nur deshalb nicht, weil ich ständig Abenteuer im Kopf erlebe, Besser-Wisser interviewe und mich zumindest auf dem Papier mit Erfindungen, Entdeckungen und Errungenschaften beschäftige. Anscheinend macht das nicht nur mir Spaß - 2012 wurde ich mit dem Staatspreis für Wissenschaftspublizistik ausgezeichnet, 2013 mit dem Kardinal-Innitzer-Preis für wissenschaftlich fundierte Publizistik und 2014 mit dem Inge-Morath-Preis für Wissenschaftspublizistik. Wie gesagt: Falls das wirklich irgendwen interessiert.

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