Salzkammergut: Was man am Traumsee Traunsee gesehen haben sollte

Hier am Traunsee ist es einfach nur schön. Wo man unbedingt wandern sollte, wo Besucher besonders gut die Ruhe genießen können und wo es guten Fisch gibt.

Überblick

Anfahrt

Von Wien nach Ebensee in ca. 3 Std.

Alternative Anreise

Alle Orte um den See sind 1 x pro Std. mit den Zügen Salzkammergutbahn (zwischen Attnang-Puchheim und Stainach-Irdning) erreichbar. Ab Wien: ca. 2,5 Stunden.

Der Motor knattert, das Fischerboot durchpflügt den dunklen Traunsee. Am Strohhut des Feichtl-Fischers bewegen sich die Federn im Fahrtwind, der auch seinen prächtigen Schnurrbart hin- und hertanzen lässt.  Er lenkt seine Plätte Richtung Ostufer. Dort, wo sich der Traunstein, „Da Stoan“, wie man den „Wächter des Salzkammerguts“ nennt, 1.700 Meter in die Höhe erhebt und im Wasser spiegelt. Dieser Teil der „Latschn“ hat es dem Feichtl-Fischer, der Franz Linschinger heißt, angetan. Der Ort ist nach dem Parkplatz „Unterm Stein“  großteils unverbaut, hier gibt es Felsen, versteckte Bade- und Ruheplätze, besondere Pflanzen. „Es ist ganz anders, hier herrscht ein eigenes Klima. Es ist mediterran, weil die Sonne lange herscheint.“

Der Linschinger Franz auf seiner Plätte, dem Fischerboot

©Katharina Salzer

Am Ufer überqueren Wanderer eine Stegbrücke auf dem Miesweg, der unter der Felswand entlangführt. Wer nicht mit dem Boot fährt, sollte zu Fuß gehen –  gutes Schuhwerk und passable Fitness vorausgesetzt. Hier warten seilgesicherte Felsabstiege und felsige Aufstiege. Von der Ferne erblickt der Franz – „samma per du“ – einen verwilderten Gastgarten mit Kastanienbäumen, der landläufig kaum erreichbar ist.

Er steuert in dessen Nähe und erklärt: „Da war ein Wirtshaus. Da hat mein Vater auf Stroh geschlafen, wenn der Wind beim Fischen zu stark geworden ist oder ein Gewitter aufgezogen ist.“  Der Linschinger Franz entstammt einer alten Fischerfamilie. Er hat Fotograf gelernt und an der Kunstuni Linz gelehrt. In der Pension ist er zu den familiären Wurzeln zurückgekehrt und   einer von noch rund 15 Traunseefischern, die ihre Netze auswerfen.

 

Der Miesweg entlang des Sees mit einer Stegbrücke. Gutes Schuhwerk empfohlen

©Daniela Krakty

Wirtshäuser waren früher einige auf der Ostseite angesiedelt. Hier gab es Holzknechte oder Almwirte zu verköstigen, die ihren Arbeitstag ausklingen ließen. Nicht selten und zum Ärger ihrer Frauen kamen sie mit einem Rausch nach Hause.  Heute fahren besonders im Sommer vor allem die Einheimischen mit ihren Schiffen oder Booten zu verlassenen Pätzen, um zu grillen, feiern oder nacktzubaden. Besucher nehmen ein E-Boot oder lassen sich mit dem Wassertaxi herchauffieren.

Der Raddampfer Gisela kann für besondere Feste gemietet werden, im Hintergrund das Seeschloss Ort in Gmunden

©Getty Images/Spitzt-Foto/istockphoto.com

Auf Höhe Traunkirchen, das mit der Kapelle auf dem Johannesberg aussieht wie aus einer Modelleisenbahnlandschaft entsprungen – zeigt der Linschinger Franz nach rechts auf den Sonnstein. Unter dem führt ein Tunnel, davor steht eine Löwenstatue. „Das ist eine Sprach-, Kultur-, und Wetterscheide“, erklärt er und grinst.

Typisch Salzkammergut

Ab hier geht es nach Ebensee, für viele der salzkammergutigste Ort überhaupt. Und man sagt gerne, die Bewohner sind etwas eigen. „Es heißt, sie singen beim Reden, tragen Wetterflecke und haben den Hut schief auf“, erklärt er gestenreich und setzt sich seinen Strohhut schief auf. Aber das stimme so nicht mehr wirklich. Auf keinen Fall sei es richtig, dass das Salzkammergut ab dem Löwen beginnt, wie die Ebenseer  behaupten. „Gmunden ist das Tor zum Salzkammergut. Ohne Diskussion“, sagt der Bootsmann. 

Traditionelle Holzplätten in Traunkirchen. Im Hintergrund erhebt sich die Gesteinsformation „Schlafende Griechin“

©brainpark traunsee

Seinen Lieblingsplatz am See gesteht er den Ebenseern zu – der liegt in der Ortschaft Rindbach: „Hier ist es ruhig, die vielen hölzernen Bootshäuser sind einfach malerisch.“ Er muss nur auf die vielen Kitesurfer mit ihren bunten Schirmen aufpassen, die wegen des Windes, der vom Feuerkogel kommt, am Südufer des Traunsees ein perfektes Revier gefunden haben. Und auch sonst ist einiges los. In der Traun steht die größte künstliche Surf-Welle Europas, der Fasching hat einen besonderen Stellenwert. Mit dem Kino Ebensee gibt es eine links-alternative Szene und die einzige Frauen-Glöcklergruppe ist auch von hier.

Wanderer auf dem Feuerkogel über Ebensee. Von hier kommt der Wind für die Kitesurfer im Tal

©TVB Traunsee-Almtal/ Monika Löff

Beim Rückweg wird es windig. Dem Linschinger Franz reicht es. Er zeigt noch schnell, wo sich mit 191 Metern die tiefste Stelle des Sees befindet. Dann beendet er seine Tour beim „Gasthof Ramsau“, einem liebenswürdig-schrulligen Lokal an der Gmundner Traunsteinstraße, wo es seine Reinanken gibt. Die Einrichtung hat schon bessere Zeiten gegeben. Aber der Fisch aus der Pfanne ist grandios. Teile des Gastgartens mit Seeblick stehen auf betoniertem Grund. „Die amerikanischen Soldaten haben hier nach dem Krieg Country-Musik gespielt und zum Fünf-Uhr-Tee getanzt“, erinnert sich die Seniorchefin, die für einen Plausch von Tisch zu Tisch zieht.

Süßer Kult

Dabei legt sie den Gästen auch gleich den „Ramsauer Spitz“ ans Herz, eine gekühlte sehr süße Süßigkeit aus Kakao und Schaumgebäck. In der Region hat er Kultcharakter. „Früher hat ein Tisch vier Kaffee und acht Mehlspeisen bestellt, heute sind es nur mehr zwei Desserts“, bemerkt sie etwas wehmütig. Mit dem „Bootshaus“ in Traunkirchen liegt auf der gegenüberliegenden Seeseite ein ganz anderes Lokal.

Das Hotel„Das Traunsee“ hat einen direkten Seezugang und einen großen Spa-Bereich. Dazu gehört auch das Gourmetrestaurant „Bootshaus“

©Christof Wagner

Das Gourmetrestaurant, das zum Hotel „Das Traunsee“ gehört, wurde aus viel hellem Holz gebaut, setzt auf Regionalität und hat vier Hauben. Küchenchef Lukas Nagl, ein Mann mit Vollbart und lässigem Auftreten, gilt als bester Koch Oberösterreichs.  Das Servicepersonal zeigt den Gästen das Menü anhand eines großen, frischen Warenkorbs, den es zum Tisch trägt. Was das „Bootshaus“ mit der „Ramsau“ eint: die Liebe zum Traunseefisch. „Wir haben hier eine einzigartige Wasserqualität und kühle Temperaturen. Dadurch wachsen die Fische langsamer, das Fleisch hat eine besondere Qualität“, erklärt Nagl.

Besonders angetan ist er vom Geschmack des Barschs, eines kleinen Fisches, der häufig vorkommt und zur Freude der Angler schnell anbeißt. Freude hatten vor Nagl nur die Perlfische und Blesshühner mit der eingeschleppten Dreikantmuschel, die viele Steine des Sees besiedelt. Jetzt erfreuen sich auch die Gäste immer wieder an den Muscheln, denn Nagl verkocht sie zu Sud.

Der Mann im Hintergrund ist Wolfgang Gröller. Er führt mit seiner Familie „Das Traunsee“ und das „Hotel Post“ (inkl. der gefeierten Wirtshaus „Poststube 1327“), quasi das Stammhaus. Als sein Großvater 1973 die Post an die Nachfolger übergab, habe man ihm „Das Traunsee“ gekauft. „Heute ist ein 80-Betten-Hotel mit See-Spa, Massage- und Kosmetik-Bereich, aber vor allem ist es auf die Kulinarik ausgerichtet.“ Von Anfang an habe man darauf gesetzt, Fisch, Fleisch und Gemüse auf denselben Stellenwert zu bringen, ausschließlich regionale Zutaten zu verwenden. „Wir haben in zehn Jahren Bestehen keinen Hummer und keinen Salzwasserfisch verkocht.“ Nachhaltigkeit ist auch wichtig. Aus Respekt vor dem Lebensmittel wolle man möglichst alles verkochen.  

„Der See hat eine einzigartige Wasserqualität und kühle Temperaturen.  Fische wachsen langsamer, das Fleisch hat eine besondere Qualität.“ Lukas Nagl, Koch

©WERK/Christof Wagner

Von dort ist es nicht mehr weit nach Gmunden, auch hier gibt es Besonderes. Die 13.000-Einwohnerstadt wirkt mit ihrer Esplanade wie Nizza. Und sie leistet sich eine Straßenbahn. Wer in Gmunden weilt, sollte damit bis Vorchdorf fahren. Das freut das Auge und den Oö. Landesrechnungshof, der die Bim als zu teuer kritisiert hat.  Nicht nur kulinarisch ist Gröller in der Region verankert. Er trägt ein Trachten-Sakko und führt seine Hotelgäste gerne durch seinen Heimatort und erzählt etwa, dass die geistliche Obrigkeit vor 1.000 Jahren dem Piratentum Einhalt gebieten wollte. Den Schiffen kam oft Salz abhanden. Ein Benediktinerinnen-Kloster sollte die Menschen auf den Pfad der Tugend führen. Später kamen Jesuiten, die die evangelischen Salzkammergutler katholisch machen sollten. Das zeigt sich in der großen barocken Kirche. Neben einer Kanzel, die wie ein Fischerboot aussieht, gibt es ein Dutzend Beichtstühle. „Als Ministrant habe ich mir gedacht, sind wir hier so schlimm gewesen? Aber alle Gläubigen aus der Region mussten herkommen“, erzählt Gröller. So wussten die Jesuiten, wer auf dem rechten Pfad war. Gröller erklärt auch, dass die Region früher als Kammergut im Besitz der Habsburger stand und riesiges Geld und Gut abliefern musste.  Das habe Auswirkungen bis heute. „Die Menschen sind eigensinnig.“

Stanglfisch, nicht Steckerlfisch

Am See sind sie so stur, dass sie den Steckerlfisch „Stanglfisch“ nennen. Genau genommen wird dafür nur der Riedling aufgespießt. Aber der ist gerade geschützt, jetzt darf es auch anderes sein. Wo es den besten gibt? „Da musst einen Fischer finden, der gerade einen grillt“, meint der Linschinger Franz. Nicht so eng sieht das Nagl. „Ich gehe gerne zur Fischbrathütte Trawöger nach Altmünster.“ Dort kredenzt man zwar Zuchtsaiblinge, aber: „Die verstehen das Handwerk.“

Der Steckerlfisch heißt rund um den Traunsee Stanglfisch

©Martin Huber / picturedesk.com/Martin Huber/picturedesk.com

Von dort ist es nicht mehr weit nach Gmunden, auch hier gibt es Besonderes. Die 13.000-Einwohnerstadt wirkt mit ihrer Esplanade wie Nizza. Und sie leistet sich eine Straßenbahn. Wer in Gmunden weilt,  sollte damit bis Vorchdorf fahren. Das freut das Auge und den Oö. Landesrechnungshof, der die Bim als zu teuer kritisiert hat.  

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich mit Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle - also den schönen Dingen im Leben - befassen. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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