Nassau Piraten Bahamas

In diesen Paradiesen frönten die Piraten ihrer wilden Lebenslust

Seeräuber wussten, wo es am schönsten ist. Von Buchten auf den Seychellen über Karibikinseln bis zu geheimen Orten am Mittelmeer.

Hätte Blackbeard seinen wirklich schönen Rückzugsort auf den Bahamas nicht vor lauter Raffgier permanent verlassen, wäre er zwar nicht der berühmteste Pirat der Welt geworden, aber sein Leben hätte etwas länger gedauert. Doch Edward Teach, so sein eigentlicher Name, wollte Angst und Schrecken verbreiten und Handelsschiffe um ihre Ladungen erleichtern. Vor jedem Überfall steckte er sich angeblich brennende Zündschnüre unter seinen Hut. Das machte Eindruck und sorgte für die gewünschte schlechte PR. Er wirkte damit so teuflisch, dass viele seiner Opfer kampflos aufgaben.

Das Geld verprassten Blackbeards Männer in den verruchten Spelunken der Insel New Providence, damals das berühmteste Piratennest auf den Bahamas. Die Stadt Nassau besaß zu dieser Zeit einen riesigen Hafen.

Laut Geo hatten in ihm bis zu 500 der bei den Seeräubern beliebten kleinen Sloops Platz. Wegen des flachen Wassers in der Hafeneinfahrt konnten auch keine großen Schiffe der Kriegsmarine landen. Und das ist nicht unwichtig: Piraten endeten am Galgen.

Auf New Providence, das von türkisem Wasser, üppiger Pflanzenwelt und hellem Sand umgeben ist, hatte es sich Teach, der Sohn wohlhabender Eltern, wohl gut eingerichtet. Die Bevölkerung lobte ihn für seine disziplinierte Mannschaft und für den Erfolg bei den Frauen. Doch die Damenwelt auf Karibikeiland war ihm offenbar nicht genug, er lief oft gen Norden aus.

Edward Teach, auch Blackbeard, war der Schrecken vieler Seefahrer. Er versteckte sich in Nassau.

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1718 geht das Gerücht um, Blackbeard wolle ein Versteck in North Carolina, die Bucht von Ocracoke, zu einem Stützpunkt ausbauen. Die Obrigkeit schickt zwei Kriegsschiffe auf die Suche nach ihm. Sie finden Blackbeard just in den Gewässern um Ocracoke. Die Schlacht geht für den Piraten, der nur zwei Jahre gewütet hat, schlecht aus. Er wird tödlich verwundet und dann enthauptet.

Piratin Anne Bonny

Blackbeard ist nicht der einzige berühmte Pirat, der sich gerne in Nassau, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wohl die gefährlichste Stadt der Welt, niederlässt. Auch Anne Bonny ist hier zu finden. Sie hat in South Carolina einen Gelegenheitsräuber und Seemann kennengelernt und zum Missfallen ihrer Eltern geheiratet. Beide suchen das Abenteuer und setzen sich auf die Bahamas ab. Dort wird sie des kleinkriminellen Ehemanns überdrüssig und begegnet dem gestandenen Piratenkapitän Calico Jack Rackham.

Der verliebt sich in sie und nimmt sie mit an Bord. Dort muss sie sich als Mann verkleiden. Als ein Schiffskamerad die Männlichkeit Bonnys anzweifelt, fackelt Bonny nicht lange. Sie ersticht den Widersacher. Das ist der Crew männlich genug. Als die Piraten Jahre später verhaftet und zum „Tod durch den Strang“ verurteilt werden, erhält Bonny eine Gnadenfrist. Sie erwartet ein Kind. Was dann passiert, ist unklar. Womöglich wird sie freigekauft, macht als Piratin weiter oder versteckt sich auf einer schönen Insel in der Karibik.

Anne Bonny kam mit ihrem Mann auf die Bahamas, sie verließ ihn und wurde zur berüchtigten Piratin. 

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Bevor die Piraten zu Gesetzlosen werden, sind sie im 17. Jahrhundert als Freibeuter im Dienste der englischen Krone unterwegs. Der berühmteste unter ihnen ist Henry Morgan, nach dem ist auch das rumähnliche Getränk benannt. Nicht ohne Grund. 1669 lädt er vor einem Raubzug auf seinem Schiff „Oxford“ zu einem Fress- und Trinkgelage. Die Stimmung ist grandios, als eine Explosion das Schiff zerstört. Der Grund ist bis heute unklar – war es Manipulation oder ein missglückter, der Rumseligkeit geschuldeter Salutschuss? Von 300 Mann überleben 10, Morgan ist einer von ihnen. Er macht aber kurz darauf gleich weiter und wird zur Legende.

Sündigste Stadt der Welt

Seinen Lebensmittelpunkt hat er in Port Royal auf Jamaika. „Seefahrer, Händler, Handwerker und Prostituierte ließen sich in Port Royal nieder. Dank seiner Lage gewann es zügig an Bedeutung: „Es war ein Vorposten vor den Kolonien, eine letzte Anlaufstelle auf dem Rückweg der Seefahrer in die Alte Welt. Sein Hafen galt als sicher, das Wasser war tief genug, sodass selbst große Schiffe dort anlegen, be- und entladen sowie gewartet werden konnten“, schrieb der Focus. Die Wirtschaft boomt, gesellschaftlich ist man liberal – Anhänger verschiedener Glaubensrichtungen leben hier. Damit einher gehen lockere Sitten. Port Royal gilt als unmoralischste Stadt der Welt. Morgan genießt es hier – aber nicht lange. 1688 stirbt er mit 53 Jahren an den Folgen des Saufens.

Der Freibeuter Henry Morgan starb in Port Royal auf Jamaika. Ein Erdbeben zerstörte später die Stadt.

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Er bekommt ein pompöses Staatsbegräbnis und ein Grab am Friedhof der Stadt. Vier Jahre nach seinem Tod erschüttert ein schweres Erdbeben Port Royal. 3.000 der 6.000 Einwohner kommen ums Leben. Rund 20 Jahre später zerstört ein Hurrikan den letzten Rest der vormals so bedeutenden Stadt. Was bleibt, ist ein Mythos.

Legendenumrankt ist auch „Die Schatzinsel“, die in Robert Louis Stevensons gleichnamigem Abenteuer-Klassiker vorkommt. Nach einem seiner Raubzüge vor den Virgin Islands soll Blackbeard mit Schiffskumpanen über die Beute gestritten haben. Und zwar so heftig, dass er 15 unter ihnen auf einer Insel ausgesetzt habe. Gerne heißt es, Stevenson soll von dieser Geschichte inspiriert worden sein. Im Buch will Long John Silver mit finsteren Gesellen einen vergrabenen Schatz an sich reißen. Auf welchem Eiland die Piraten „Jo-ho-ho und 'ne Buddel voll Rum!“ anstimmen, darüber sind sich viele einig. Das fiktive Treasure Island soll in Wahrheit das idyllische Norman Island sein.

Norman Island ist ein Teil der Virgin Islands. Es gilt als der Ort, an dem Robert Louis Stevenson seinen Abenteuerroman „Die Schatzinsel“ angesiedelt hat.

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Wunderhübsch ist es bekanntlich auf den Seychellen. Auch hier gab es einst Piraten, die Schiffe abfingen, die von Asien nach Europa wollten. Als Unterschlupf passten die Buchten hervorragend, von grünen Hügeln hatte man gute Aussicht – und Wasser, Fischer und Schildkröten gab es zur Verpflegung genug. In dem Tropenparadies soll auch heute noch ein echt kapitaler Schatz liegen, den Pirat La Buse, mit bürgerlichem Namen Olivier Le Vasseur, erbeutet und dann versteckt haben soll. Nüchterne Menschen glauben an eine Legende, „für die Behörden der Seychellen hingegen ist ein solcher Schatz geradezu amtlich: Er hat einen geschätzten Wert von 200 Millionen Dollar und ist irgendwo auf der Hauptinsel Mahé vergraben“, schrieb der Tagesspiegel.

Die Seychellen waren auch ein wichtiger Piratenunterschlupf. Auf der Hauptinsel Mahé soll auch heute noch ein kapitaler Schatz versteckt sein.

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Aber man muss gar nicht so weit in die Tropen reisen, um ehemalige Piratenparadiese zu besuchen. Das Mittelmeer tut es auch. Dass der Piraten- und Raubritter-Clan der Grimaldis im 13. Jahrhundert auf der Suche nach einem neuen Sitz brutal die neapolitanische Festung Monaco erobert, gehört für Royal-Fans zum Allgemeinwissen. Auch im felsigen Malta sorgt die Piraterie für eine blühende Wirtschaft.

Ab dem 15. Jahrhundert entwickelt sich das Korsarentum in Nordafrika. Von Seefestungen in Algier oder Tunis aus jagen die Piraten Schiffe, bevorzugt von Nichtmuslimen. Sie nehmen die Besatzung gefangen, verkaufen sie als Sklaven oder fordern hohes Lösegeld. Wegen ihres barbarischen Auftretens werden die Korsaren „Barbaresken“ genannt. Heute noch berüchtigt ist Khair ad-Din, der von seinen christlichen Gegnern den Namen Barbarossa verpasst bekam und seinen Sitz vor allem in den mächtigen Festungsbauten auf der Insel Djerba hatte. Er teilte sich das Mittelmeer mit Piratenkönigin Sayyida al Hurra auf, die gegen die iberische Armee kämpfte und einen Sultan heiratete. Die Piratenkönigin verstrickte sich in politische Reibereien und floh in die malerische Stadt Chefchaouen (heutiges Marokko) mit ihren blauen Gebäuden, wo sie starb.

Auch wenn ihr Handeln zu verurteilen ist: Wo es schön ist, das wussten die Piraten immer.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich mit Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle - also den schönen Dingen im Leben - befassen. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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