Kanada Rocky Mountaineer

Kreuzfahrt auf Schiene: Die luxuriösesten Züge der Welt

Der Orient Express hat es vorgemacht. Bahnreisen kann extravagant sein. Die Legende hat viele Nachfolger – von Kanada bis Japan.

Am Abend in Wien noch vorm Einsteigen in den Zug ein Achterl Gemischter Satz, am Morgen nach dem Aussteigen in Paris ein Croissant und einen Café au Lait. Seit ein paar Wochen gibt es wieder eine durchgehende Schienenverbindung zwischen den beiden Städten – wie bis zum Jahr 2009, als der Orient Express unterwegs war. So luxuriös wie zu seinen Anfangszeiten, als dieser der König der Züge oder der Zug der Könige war, wird es in den Nightjets nicht mehr zugehen.

Wer in Nostalgie schwelgen und zurück in die Belle Époque der europäischen Eisenbahnkultur reisen will, muss aus Waggons staatsnaher Unternehmen aus- und in die privater Unternehmer einsteigen. Mehrere Firmen, etwa der Luxuskonzern LVMH, schicken ihre historischen holzvertäfelten, berüschten, tapezierten Garnituren meist mit End- oder Ausgangspunkt Paris quer durch Europa. Der Weg ist nicht mehr das Ziel, sondern das Reisen mit einer Legende, die auch legendenumrankt ist: Nicht nur eine Nobelherberge oder Salon war der Orient Express, auch Fluchtfahrzeug für den rumänischen König Carol II., Bordell und Krimikulisse. Der Wunsch, mondän und entschleunigt auf Schienenkreuzfahrt zu gehen, ist offenbar groß, ständig kommen neue Strecken und Anbieter hinzu.

Ein Blick in einen restaurierten Waggon des Orient Express. 

©APA/AFP/FRANCOIS GUILLOT

Puren Luxus beim Reisen auf Schienen gibt es nicht nur in Europa, sondern auf allen Kontinenten (die Antarktis ausgenommen). Ein Klassiker ist der Rocky Mountaineer, der seit 30 Jahren durch die kanadische Berglandschaft fährt. Sehr gemächlich, niemals über 50 km/h, weil es gibt ja einige technische Höchstleistungen wie Brücken und Tunnel und sehr viel an Natur zu sehen.

Bären entdecken

Berge, Schluchten, Wälder, Flüsse, Elche. Selbst Grizzly-Bären können mit etwas Glück vom Waggon aus bestaunt werden – wer in der doppelstöckigen Ersten Klasse fährt, sieht sie aus Panoramafenstern. Die mächtigen Züge mit mehreren vorgespannten Loks vertreiben die Tiere nicht, sondern locken sie sogar an. Bären benutzen die Gleise, um schneller voranzukommen. Im Inneren des Rocky Mountaineer fehlt es den Gästen an wenig – nur an Schlafwaggons. Weil die braucht es nicht, man nächtigt in Hotels.

Ob man während des Ausflugs auswärts nächtigen will, kann man sich beim Luxon, einem privaten Luxuszug, aussuchen – vorausgesetzt man hat genug Geld im Tascherl. Hier bestimmen die Mitfahrenden die Route und die Reisedauer selbst. Und auch den Zweck: Vom romantischen Abend bis zum Firmen-Event ist alles drin. Aber das hat seinen Preis: Wie die Süddeutsche berichtete, kostet beispielsweise ein zweistündiger Ausflug mit 20 Personen von München nach Rosenheim und zurück 15.000 Euro – gehobenes Catering inklusive.

Der Zug darf aber auf fast allen Strecken Europas fahren. Passt irgendwie. Der Luxon-Waggon ist nämlich ein vormals schrottreifer Aussichtswagen und Teil des legendären Trans-Europ-Express (TEE) aus dem Jahr 1962. Das Münchner Unternehmen Rail Adventure hat sich die ausrangierte Garnitur gekauft und diese acht Jahre lang repariert und neu eingerichtet. Jetzt hat der Waggon mit der transparenten Kuppel etwa eine bunt beleuchtete Bar und eine Modelleisenbahn auf der Toilette.

Spacig ist auch der japanische Shiki-Shima. Er sieht aus wie aus einer Design-Studie entsprungen. Und er bietet einen Komfort an Bord, der Klassiker wie den Orient-Express alt aussehen lässt: Neben Bädern aus Zypressen-Holz gibt es stylische Wandornamente, Kaminfeuer in der Bar, traditionelle Fußwärmer unter den Tischen und eine exquisite Sterneküche. Das kommt gut an.

Gegen die Landflucht

Obwohl eine Vier-Tages-Tour rund 10.000 Euro kostet, sind die Fahrten stets ausgebucht. Wer es sich hier gutgehen lässt, soll unter Umständen auch etwas Gutes gegen die Überalterung der Bevölkerung und die Abwanderung der Jungen in die Großstädte tun. Das haben sich zumindest viele bei der Einführung des Zugs im Jahr 2017 erhofft. „Wir wollen die noch unentdeckten Schönheiten und Sehenswürdigkeiten Japans ausgraben und dadurch die Regionen beleben helfen“, erklärte einmal der Sprecher der Bahngesellschaft laut Spiegel.

Für jene, denen der Shiki-Shima zu viel modernen Klimbim bietet, die etwas anderes als Europa sehen, aber ein Gefühl wie im Orient Express haben wollen, gibt es im südlichen Afrika die Rovos Rail mit, schweren Fauteuils oder viktorianischen Badewannen, die über die alten Schienen aus der Kolonialzeit zuckelt.Die Garnituren mit holzvertäfelten Wänden im viktorianischen Stil zuckeln gemächlich durch Tansania, Namibia, Sambia, Botswana, Swasiland oder Südafrika – es geht über riesige alte Stahlbrücken oder direkt an den Viktoriafällen vorbei. Der Zug „Stolz Afrikas“ bietet solche Annehmlichkeiten besonders lange. Er fährt 6.100 Kilometer von Kapstadt in Südafrika bis Dar Es Salaam in Tansania. Die Fahrt im „luxuriösesten Zug der Welt“ hat ihren Preis. Mindestens 16.500 Euro muss man für dieses Erlebnis bezahlen.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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