Dubrovnik: Eine Hafenstadt mit Charme und Flair

Dubrovnik rückt in diesem Sommer dank einer neuen Brücke übers Meer näher an Europa heran. Ein guter Anlass, um wieder einmal der Hafenstadt im Süden Dalmatiens einen kurzweiligen Besuch abzustatten.

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mit dem Auto von Graz nach Dubrovnik in ca. 8 Std

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Kuna (HRK)
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Frau Majas Augen leuchten, Frau Maja ist verliebt – in die bekannteste Stadt Kroatiens: in Dubrovnik. Die ältere Dame wohnt schon seit ihrer Kindheit mitten drinnen, in einem dieser dicht aneinander gebauten Altstadt-Häuser aus weißem Stein mit ziegelrotem Dach.

„Im Umkreis von wenigen Schritten“, freut sie sich, „habe ich alles, was ich zum Leben benötige und weswegen Leute aus aller Welt zu uns kommen.“ Folgen wir daher Maja Milovčić, die seit bald sechs Jahrzehnten Gäste durch Dubrovnik führt.

Was gleich auf der Stradun, der weltbekannten Hauptstraße mit ihren polierten Pflastersteinen, auffällt: Nach zwei Jahren Pandemie, die das alte Ragusa hart getroffen haben, kehren die Fremden zurück. Verhalten noch, aber doch.

Wer also vor der Rückkehr des Massentourismus ohne Geschiebe durch die Altstadt schlendern möchte, sollte sich sputen. Im Juli soll die neue Autobrücke über das Meer zur Halbinsel Pelješac eröffnet werden, sie wird die Anreise zum südlichsten Zipfel der Republik Kroatien wenigstens mit dem Auto verkürzen.

Bereits zuvor hatte der Bürgermeister von Dubrovnik erwirkt, dass maximal drei und nicht mehr acht Riesenschiffe pro Tag im Hafen Gruž anlegen dürfen.

Auf dem Weg zum Markt passiert Frau Maja vieles, was das Herz der Humanistin höherschlagen lässt: die Kirche des Heiligen Blasius (er ist auch der Schutzpatron der alten Republik) im venezianischen Barock; eine Mischung aus Gotik und Renaissance in der edlen Ausformung des Sponza-Palasts (früher einmal das Zollamt, heute Stadtarchiv), dann das stets gut besuchte Kaffeehaus Gradska kavana und am Ende auch den spätgotischen Rektoren-Palast, in dem für die einstige Stadtrepublik alle wichtigen politischen Entscheidungen getroffen wurden.

Die engen Gassen der alten Stadtrepublik, die Häuser und ihre ziegelroten Dächer bieten ein Spektakel für alle Sinne. Es gibt Fremde, die sehen in Dubrovnik Hollywood

©Getty Images/iStockphoto/zoom-zoom/istockphoto

„Reich und nobel“

Und weil man vom Humanismus alleine nicht leben kann, besucht Frau Maja am Vormittag gerne den Markt inmitten der Altstadt. Um frisches Obst und Gemüse aus dem nahe gelegenen Neretva-Tal zu kaufen, auch dalmatinische Oliven und deren Öl. Einen kurzen Blick hat sie dabei immer auch für die Statue des Dubrovniker Barockdichters Ivan Gundulić, den in Kroatien jedes Schulkind kennt.

Auf dem zauberhaften Marktplatz trifft die Stadtführerin Mirna Sarić. Die junge Frau ist Expertin für lokales, vor allem für gesundes Essen. In ihrer Koch-Show für einen lokalen Fernsehsender zeigt die Ernährungswissenschafterin und Köchin, wie sie für ihre Lieben zu Hause kocht.

Man kann sie übrigens auch für private Abendessen buchen. Sarić hat ein feines Gefühl für die Fusion von Traditionellem und Modernem. Sie hat aber auch einen Sinn für das leicht arrogante Gehabe der Dubrovniker. Über die wundert sie sich: „Einige benehmen sich so, als würden ihre Familien schon seit Jahrhunderten in der Stadt leben, reich und nobel sein.“ Nur die wenigsten wären das allerdings.

Immer lustig ist es am Samstagvormittag im „Radiokaffee“ von Darija Mikulandra Žanetić und Nano Vlasić. Die Sendung des wortgewandten Duos startet an jedem Samstag Punkt 10 Uhr. Live produziert wird sie in diversen Cafés und Restaurants der Stadt, sehr spontan, sehr lustig, immer mit wechselnden Gästen.

Ein Prost auf den Heiligen Blasius! Dem alten Schutzpatronvon Dubrovnik  ist auch eine Kirche in der Altstadt geweiht

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„Die Nummer eins“

In ihrer Jugend vertrat Darija Mikulandra Žanetić ihr Land bei einer Miss World Wahl in den USA, landesweit war sie auch als TV-Moderatorin bekannt. Doch nach einigen Jahren in der Hauptstadt Zagreb entschied sie sich für ein Leben in ihrer Geburtsstadt. Ihr Urteil ist klar wie die Sicht auf das Meer: „Für mich ist Dubrovnik die Nummer eins. Die Stadt ist klein, besitzt aber alles, was man zum Leben benötigt.“ Seit acht Jahren organisiert die Kulturaffine das englischsprachige „Midsummer Festival“ auf der Burg Lovrijenac, die einen Steinwurf von der Altstadt entfernt aus dem Meer herausragt. In diesem Sommer wird erneut Shakespeare gegeben, aufgrund der feinen Reaktionen des Publikums noch einmal „Romeo & Julia“.

©Gradska kavana

Für Alberto Frka schließt sich in Dubrovnik ein Kreis. Dabei hat sich der Mittfünfziger gegen Paris und ein fürstliches Einkommen entschieden. Der Feinsinnige ist nämlich nicht nur ein gut ausgebildeter Pianist, er hat nebenbei erfolgreich Medizin studiert. Heute unterrichtet Alberto Frka oben in der städtischen Musikschule, in der engen Strossmayer-Gasse. Wenn es seine Zeit als Musikpädagoge erlaubt, führt auch er Touristen durch seine Stadt.

Dubrovniks Erfolgsgeheimnis erklärt der Musikprofessor so: „Die alten Raguser haben ihre Feinde immer gut bezahlt.“ Und im Gegensatz zu Wachstumstendenzen heute „wollten sie niemals expandieren“.

Urbane Enklave: Der alte Hafen von Ragusa wirkt zu jeder Tages- und Jahreszeit anziehend. Hier legt auch das Boot zur Insel Lokrum ab

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Schön ist für Stadtführer wie Alberto Frka der Moment, wenn neue Kundschaft beim Pile-Tor zum ersten Mal die Altstadt betritt und den Fremden der Atem stockt – ob der historischen Kulisse. Immer noch finden sich Amerikaner, die sich spontan an ihr Hollywood erinnert fühlen und fragen, „wann das alles wieder weggeräumt wird“.

Seine Kollegin Maja Milovčić stört, dass meist jüngere Besucher nur ein Auge für die Drehorte von „Game of Thrones“ haben und nur am Rande für die Errungenschaften ihrer Stadt zu begeistern sind: „Da gehe ich mit ihnen die prächtige Stiege zur Jesuitenkirche hinauf und will ihnen etwas Schönes über die Vielfalt der Religionen in unserer Stadt erzählen, und sie fragen nur, ob das die ,Steps of Shame’ sind, wo Cersei in der Serie ihren Bußgang begann.“ Jenen, die an realer Geschichte interessiert sind, sagt sie: „Innerhalb der Stadtmauern befinden sich zig katholische Kirchen und Kapellen, ein Kloster der Franziskaner und ein anderes der Dominikaner, eine serbisch-orthodoxe Kirche, eine jüdische Synagoge und nicht zuletzt auch eine Moschee.“

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„Einmal abtreten müssen“

Die erfahrene Stadtführerin führt gerne zu den weniger bekannten Orten in ihrer Stadt, oft in das verwinkelte Gassenwerk, zum Beispiel zu der schon seit vielen Jahren geschlossenen Rochuskirche unweit der Breiten Gasse. Dort hat einmal ein genervter Priester für lärmende Kinder sinngemäß in den Stein meißeln lassen: „Vergesst nicht, dass auch die, die mit dem Ball spielen, einmal abtreten müssen.“

Gut abgeschirmt: die Stadtführerin Maja Milovčić verehrt ihre Stadt.

©Uwe Mauch

Auch zu einem Rundgang auf der alten Stadtmauer bittet Frau Maja. Dort ist schön zu sehen, wie diese urbane Enklave vorne von der Adria und hinten von den Bergen natürlich abgeschirmt wird. Dubrovnik lässt sich diese Exklusivität auch gut bezahlen. Zwar nur hinter vorgehaltener Hand gibt ein Hotelmanager zu: „Für das, was wir hier bieten, sind wir eindeutig zu teuer.“ Nachsatz: „Dafür können die Leute zu Hause erzählen, dass sie in Dubrovnik waren.“

Stolz: der Franziskanermönch Stipe Nosić in der Klosterapotheke
 

©Uwe Mauch

„Für unser Naturjuwel“

Dem alten Hafen von Dubrovnik vorgelagert ist die kleine Insel Lokrum, ein Paradies für alle, die eine historische Parklandschaft durchstreifen und anschließend ins Meer hüpfen wollen, um sich dort abzukühlen.

Die Insel ist zwei Kilometer lang und 800 Meter breit. Sie wurde zunächst von den Benediktinern kultiviert und im Jahr 1859 vom Habsburger Maximilian, dem späteren Kaiser von Mexiko, gekauft und veredelt. „Nehmen Sie sich gerne einen Tag für unser Naturjuwel Zeit“, raten Ozana Domijan und Marija Medović, die beide für das öffentliche Naturreservat auf der Insel arbeiten und sich über einen der schönsten Arbeitsplätze auf diesem Erdball freuen dürfen. Gemeinsam mit Touristen steigen sie in der Früh auf das kleine Fährschiff und pendeln über das Meer hinüber zu ihren abgelegenen Büros.

Dubrovniks Marktplatz in der Altstadt lockt auch Einheimische an

©Getty Images/Oleh_Slobodeniuk/istockphoto

Schön ist auch die alte Apotheke im Kloster der Franziskaner. Bruder Stefan, der mit ganzem Namen Stipe Nosić heißt, hat über die Apotheke ein Buch geschrieben. Er weiß daher, dass sie bereits im Jahr 1317 von den Franziskanern gegründet wurde.

Die Klosterapotheke ist bis heute in Betrieb, die Einrichtungsgegenstände aus der Urzeit sind indes hinter dem Kreuzgang schön ausgestellt. Stolz erläutert dort Stipe Nosić: „Wir besitzen auch eine Bestätigung von der Internationalen Apothekergesellschaft, wonach unsere Apotheke die älteste Apotheke ist, die heute noch Medikamente ausgibt.“

Die Familie der Stadtführerin Maja Milovčić konnte indes die Zwangsenteignung ihrer Wohnung im alten Jugoslawien verhindern. „Wir haben dann auch die Belagerung und die Bombardements auf dieses städtische Juwel 1991/92 überlebt“, sagt Frau Maja am Ende. Sie weiß nur allzu gut, das irdische Leben in Dubrovnik zu genießen.

Uwe Mauch

Über Uwe Mauch

Uwe Mauch, geboren 1966 in Wien, seit 1995 Redakteur beim KURIER, Autor lebensnaher Porträts und Reportagen sowie zahlreicher Bücher, unter anderem: "Unsere Nachbarn" (2002), "Wien und der Fußball" (2007), "Lokalmatadore" (2008), "In 80 Arbeitstagen um die Welt" (2011), "Federführend. Über die Magie der Handschrift" (2013), "Stiege 8/Tür 7. Homestorys aus dem Wiener Gemeindebau" (2014), "Die Armen von Wien" (2016) sowie eines "Wien"- und eines "Zagreb"-Stadtführers.

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