Traum aller Trucker-Babes: ein Pick-up ist Bestseller in den USA. Warum?

Bernhard Praschl

von Bernhard Praschl

Vom Planwagen zum Pritschenwagen: Die Liebe der US-Amerikaner zu ihrer "Go West!"-Mentalität.

Groß, mächtig, erfolgsträchtig: der Ford F-150. Der Pritschenwagen aus Dearborn, Michigan kommt daher wie eine Blockhütte auf Rädern und verkauft sich in den USA seit Jahrzehnten besser als hierzulande ein VW Golf. Bei Ausmaßen von gut sechseinhalb Metern Länge und knapp 2,5 Meter in der Breite ist das Vehikel offenbar der perfekte Begleiter, um die Weiten der Prärie zu durchqueren. So nach dem Motto: vom Planwagen der Siedler zum mobilen Untersatz für Heimwerker.

US-Siedler mit Planwagen

©Wikipedia

Big is beautiful

Auf der Ladefläche des Full-Size-Pick-up kann man locker einen Power Nap nehmen, zu zweit versteht sich. Und in seiner Doppelkabine lässt sich die Außenwelt kommod aussperren. Ja, es soll Leute geben, die sich statt einem Zweitwohnsitz einen Ford F-150 leisten, in seiner Heimat ganz besonders. Bei Preisen ab 29.290 US-Dollar ist das Dickschiff direkt eine Okkasion.
 
Freilich, in "Super Duty"-Ausführung mit allen Extras geht es bald in Richtung sechsstelligem Betrag.

 

Liebe durch den Wagen

Der Pick-up ist ein echter Klassiker. Produziert seit 1948, gibt es den F-150 mittlerweile in der 14. Generation. Seit 1977 ist er ununterbrochen das meistverkaufte Fahrzeug in den USA. Der beeindruckende Absatz der F-Reihe im Vorjahr: 787.372 Exemplare. Leisetreter ist kein einziges davon, spritsparend ebenfalls nicht - wie auch, bei einem Tank von mehr als 130 Liter Fassungsvermögen. 
 
Vor einem Jahr fragte Ford die Besitzer eines F-150, ob sie eher auf ihren Wagen, ihren Streamingdienst oder auf Alkohol verzichten würden. 82 Prozent gaben an, lieber Spotify oder Co. zu kündigen und 79 Prozent meinten, sie würden fortan lieber abstinent leben als ohne ihren geliebten Pritschenwagen.

 

Der "F-150"-Song

Diese Liebe kann auch drastische Formen annehmen. Die kanadische Countrysängerin Robyn Ottolini etwa stürmte im Vorjahr mit dem Breakup-Song "F-150" in die Top Ten der US-Charts. Sein Inhalt: Robyn reflektiert in der Ballade den Schmerz einer Verlassenen, der aufkommt, sobald sie die Scheinwerfer eines F-150 um die Ecke kommen sieht. Also ständig. Im Finale des mehr als vier Millionen Mal abgerufenen Videos wird der Ford stellvertretend für den Lover ein Opfer von Flammen.

Außergewöhnlich, selbst F-150-Fahrer fühlen sich dabei nicht auf den Schlips getreten. Ein gewisser Arrari kommentierte das Video: "Ich habe selbst einen Ford F-150, stolperte über dieses Video und bereue nichts."

Vom Seller in die Nische

In den USA ein Superseller, bei uns ein absolutes Nischenprodukt. US-Cars-Händler Robin Peicher aus Werndorf südlich von Graz: "Die Nachfrage ist da, das Angebot jedoch sehr gering." Vor Einführung der Neuen NoVA am 1. Juli 2021 hätte der F-150 ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis geboten. Steuerlich als LKW sei er auch jetzt noch genehmigt, und mit B-Führerschein zu fahren. Auf Bestellung sei er jedenfalls erhältlich.

F-150 Lightning

©Ford

Im Pick-up-Country USA wollen demnächst Tesla mit einem Cybertruck, der Newcomer Rivian R1T sowie ein E-Hummer den Ton mit Elektro-Pritschenwagen angeben. Kein Problem für den 1903 gegründeten Automobilhersteller Ford. Mit dem Modell T, der "Tin Lizzy", läutete Henry Ford einst das automobile Zeitalter ein. Mit dem F-150 Lightning will Ford den benzinfressenden Bestseller ab 2022 auch vollektrisch anbieten. Und das zu Preisen ab 40.000 US-Dollar.

Dass die Elektro-Version des F-150 auch zu uns kommen wird, ist schwer vorstellbar. Alleine, weil der um eine Nummer kleinere Ford Ranger im kommenden Jahr in Europa durchaus auch in einer Plug In-Hybrid-Version angeboten werden könnte. Wer es "big" mag, müsste auch damit zufrieden sein, denn durchaus imposant kommt selbst der "kompakte" Pick-up daher.  

Ford Ranger

©Ford Motor Company

Apropos Autoliebe: Hier ist noch ein schöner Countrysong mit dem F-150 als Hauptdarsteller.

Bernhard Praschl

Über Bernhard Praschl

Bernhard Praschl, geboren 1961 in Linz. Als Stahlstadtkind aufgewachsen zwischen Stadtwerkstatt und Brucknerhaus. Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien. Zivildienst im WUK; 1989-1992 in der Die Presse, seit 1992 Redakteur im KURIER, seit 1995 in der FREIZEIT. "Seinfeld"-Fan der fast 1. Stunde und froh, dass Netflix im Oktober 2021 auch draufgekommen ist, diesen von 1989 bis 1998 entstandenen Kulturschatz ins Programm aufzunehmen. Nach frühen Interrailreisen durch Europa (Portugal bis Irland) und Autofahrten entlang der California State Route und dem Overseas Highway nach Key West jetzt wieder Bahnfahrer - und E-Biker.

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