Ailsa Craig, Schottland: Was Curlingsteine mit dieser Insel zu tun haben

In Schottland war die Queen gern. Die Olympia-Disziplin verbindet man eher weniger damit. Sollte man aber.

Spätestens seit die Queen auf ihrem schottischen Lieblingslandsitz Balmoral gestorben ist, reden wieder alle über Schottland. Allerdings niemand über Curling. Nicht nur, weil einem hierzulande diese kuriose Sportart fast nur bei Olympia begegnet. Sondern auch, weil man sie schlicht nicht mit Schottland verbindet. Die veritable Bildungslücke lässt sich am besten direkt vor Ort – wie im Küstenstädtchen Ayr südlich von Glasgow schließen.

Scott Andrews, der mit dem schottischen Curling-Team 2014 Silber bei den Olympischen Spielen gewonnen hat, braucht in der Eishalle nur eine paar Sätze und Bewegungen dafür. Der Curling-Profi rutscht auf der Eisfläche mit seinen Sportschuhen hin und her und wischt entschlossen mit einem Besen übers Eis. Das schaut für Laien witzig aus, hat aber durchaus Sinn: Je glatter das Eis ist, desto besser gleitet der rund 20 Kilogramm schwere Stein mit Henkel ins Ziel – und bleibt dort auch stehen. Große Kunst. Made in Scotland.

Monopol

Das weltweite Monopol zur Herstellung dieser Curling-Steine hält das Traditionsunternehmen Kays of Scotland. Das Granitgestein dafür stammt von der kleinen Vulkaninsel Ailsa Craig: Rund zehn Kilometer von der schottischen Westküste bei Girvan entfernt, ragt „Elizabeths Felsen“ einsam und markant aus dem Meer und prägt den Horizont entlang der Küstenlinie. Von dieser weithin unbekannten Insel kommen die besten Curling-Steine. Nur diese dürfen seit 1924 auch für sämtliche Olympia-Curlingbewerbe verwendet werden. Das Monopol des auf der kleinen Vulkaninsel ansässigen Unternehmens betrifft auch sämtliche Wettbewerbe der World Curling Federation. Der Grund dafür liegt in der Beschaffenheit der speziellen Granitsorten, die besonders wenig Poren aufweisen.

Warum das im Curling von Bedeutung ist, zeigt sich in der Eishalle von Ayr. Scott geht elegant in die Knie, fixiert einen Fuß in einer Halterung, hebt mit vollkommen ruhigem Oberkörper die Hüfte und stößt den Stein elegant in Richtung Zielmarkierung. Dort kracht er mit einem lauten Tuscher in einen Stein der gegnerischen Mannschaft. Durch den geringen Anteil an Poren zerspringen die Steine trotz der Wucht des Aufpralls nicht. Auch kein Wasser dringt ein, das den Stein sprengen könnte.

Der exakte Schliff vor allem des Bodens erhöht wiederum die Gleitfähigkeit am Eis. Klingt vielleicht einfach, ist es aber nicht. Nach den ersten eigenen Versuchen am Eis gelobt man, diesen Sport nie wieder zu belächeln. Tollpatschig-unkontrolliert zeigen sich die eigenen Versuche, den Stein elegant abzustoßen. Scott, der seine Medaille stolz zeigt, lächelt höflich. Doch man weiß selbst: Mit Olympia wird das nichts mehr in diesem Leben.

 

Top 3

Ausflug: Der Vulkaninsel Ailsa Craig kann man mit einer Bootsfahrt näherkommen. ballantrae.org.uk
Trinken: Die eingesessene Whiskydestillerie William Grant & Sons (u. a. die Marken Glenfiddich, Balvenie) hat ihren Sitz nahe der Küstenstadt Girvan. williamgrant.com
Geschichte: In Alloway steht das Geburtshaus des schottischen Nationalsängers Robert Burns. nts.org.uk

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Schwerpunkt Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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