
Mode als Statement: Lieber surreale Schnitte statt langweiligem Normcore
Bizarre Schnitte, Gesichter, Augen und Gerippe sind die neuen modischen Eyecatcher. Auf wen die unkonventionellen Entwürfe zurückgehen und warum sie wieder in Mode sind.
Alles außer gewöhnlich, ist das Motto der Stunde. Jetzt greifen Designer wieder Entwürfe und Ideen auf, die von Dadaisten und Surrealisten im vergangenen Jahrhundert geprägt wurden. Die Surrealisten wollten als kulturelle Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg Traum und Wirklichkeit zur neuen Realität verschmelzen. Es war Elsa Schiaparelli, die in den 1920er- und 1930er-Jahren aus Surrealismus Haute Couture machte.

Absätze wie Skulpturen von Salvadore Dali. Von JW Anderson bei Park Wien, 750 €
©HerstellerVielleicht schwärmen heute deswegen alle wieder von der Kreativität der französisch-italienischen Couturière, die mit ihren Entwürfen Designer wie Yves Saint Laurent, Moschino oder Alexander McQueen beeinflusste.

Gesichter als Ohrgehänge, von Schiaparelli Jewelry Schiaparelli, 1.250 €
©HerstellerTraumhafte unkonventionelle Roben sind ein willkommener Kontrapart zur nüchternen Nachhaltigkeit in der Alltagsmode. Und auch die Idee, mit Fantasie und Freiheit gegen herrschende Mode-Normen aufzutreten, ist heute selbstverständlich. 2021 war es etwa eine Riesentaube, die für Schlagzeilen sorgte. Die Brosche auf dem Haute Couture-Ensemble, das Lady Gaga bei der Amtseinführung Joe Bidens trug, erregte als goldenes Friedenssymbol Aufmerksamkeit. "Das ist eines meiner liebsten Outfits, das ich jemals anhatte", sagte sie über das Kleid. "Und kugelsicher war es auch."

Inspiriert von Schiaparelli: Blazer mit bizarrer Schulterpartie von Moschino 1.150 €
©HerstellerElsa Schiaparellis Vorliebe für unkonventionelle bizarre Schnitte und Formen, böse Insekten wie schwarze Käfer und Fliegen als Dekor-Elemente auf Krägen und Schulterpartien sowie bedruckte Stoffe in Trompe-l'œil-Manier setzt sich bis heute in den aktuellen Kollektionen fort.
Designerin der Surrealisten
Weit entfernt von den damals üblichen Normen war Schiaparelli zugleich surrealistische Künstlerin und Gabrielle Chanels heftigste Gegnerin. Coco Chanel nannte ihre Rivalin "diese kleine Italienerin". Die Pariser liebten die schockierenden, "surrealen" Entwürfe Schiaparellis.

Messingauge der Werkstätte Carl Auböck. Der Flaschenstöpsel ist im MAK Design-Store, anlässlich der Ausstellung über die Werkstätte erhältlich, 345 €
©HerstellerMan Ray entwarf hypnotische Spiralbrillen für Elsa, sie stickte Jean Cocteaus Profilgesichter aus Goldgarn auf Mäntel und entwarf mit Salvador Dalí ein Kleid mit Schubladen als Taschen, sowie ein mit einem Hummer bemaltes Abendkleid.

Sandra Hüller trug zu den heurigen Oscars ein traumhaftes „Höker“- Kleid von Schiaparelli
©Getty Images/Amy Sussman/Getty ImagesBerühmt wurde es durch Cecil Beaton, der Herzogin Wallis Simpson 1937 darin fotografierte. Zu ihren Markenzeichen gehörten Shocking Pink, sowie goldene Applikationen von Rippen, Knochen und Skelette. Ganz nebenbei erfand Schiaparelli auch praktische Dinge wie Hosenrock und Keilabsatz.

Dua Lipa trug bei den Golden Globe Awards dieses Skelett-Kleid von Schiaparelli
©Golden Globes 2024 via Getty Ima/Gilbert Flores/Golden Globes 202/Getty ImagesHeute setzt Kreativdirektor Daniel Roseberry ihr Erbe fort: etwa mit einem Samtkleid, das Dua Lipa bei den Golden Globe Awards trug, dessen Tellerrock an eine Schwanzflosse und die Goldstickereien an ein Skelett erinnern.
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