Gleichberechtigung im Haushalt macht Frauen scharf

Eine Studie ging der Frage nach, wie sich die Aufteilung der Care-Arbeit in der Beziehung auf die weibliche Libido auswirkt.

Mit der Dauer der Beziehung verlieren vor allem Frauen oft die Lust auf Sex. Was aber können Paare tun, um das Feuer möglichst lange am Lodern zu erhalten? Glaubt man einer aktuellen Studie aus Australien, lautet der Schlüssel: putzen, bügeln, Wäsche waschen. Und zwar fair aufgeteilt auf beide Partner.

Ein Forscherteam der Swinburne University wollte wissen, wie sich die Schieflage im Haushalt – laut Erhebungen leisten Frauen immer noch einen Großteil der unbezahlten Sorgearbeit – auf das sexuelle Verlangen in der Beziehung auswirkt. Sie befragten 300 Frauen und Männer zwischen 18 und 39 und stellten fest, dass Frauen in gleichberechtigten Partnerschaften zufriedener waren und mehr Lust auf Sex hatten. Der Effekt spiegelte sich in gleichgeschlechtlichen Beziehungen, jedoch nicht so deutlich wie in heterosexuellen.

„Ein Gefühl von Fairness innerhalb der Beziehung ist Grundvoraussetzung für ein erfüllendes Sexleben der Frau“, schreiben die Studienautoren im Journal of Sex Research. Ebenso zeigte sich in ihrer Studie, dass Kinder das Ungleichgewicht verstärken und die weibliche Libido noch mehr drosseln.

Ausgelaugt

Anders als bisher angenommen könnten also weder die Hormone noch mangelndes Interesse am Partner schuld für die nachlassende Lust sein – sondern viel eher der tägliche Druck und das Gefühl, für alle(s) verantwortlich zu sein.

Dabei geht es nicht nur um die eigentlichen Tätigkeiten, sondern um das Planen und Organisieren: Wer besorgt das Geschenk für den Schwiegervater? Wer vereinbart den Arzttermin für das Kind? Was kochen wir morgen? Diese gedankliche Last, genannt „Mental Load“, liegt immer noch hauptsächlich bei Frauen und Müttern.

Das beobachtet auch die Sexualberaterin Nicole Siller in ihrer Praxis. „Viele Frauen sagen mir, sie können den Kopf nicht abschalten, weil sie dauernd daran denken müssen, was noch zu tun ist“, berichtet sie. Die Forschung zeigt: Obwohl moderne Paare um eine faire Verteilung bemüht sind, kippen sie nach der Geburt des ersten Kindes häufig in traditionelle Rollenbilder. Eine Entwicklung, die sich durch die Folgen der Pandemie verstärkt hat.

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Zudem geht nach wie vor nur ein Bruchteil der Männer in Karenz (siehe unten) – meist mit der Begründung, dass auf ihr höheres Gehalt nicht verzichtet werden könne.

„Ich weiß von Frauen, dass sie eine Trennung in Erwägung ziehen, weil dann die Kinder beim Papa sind und die Mütter endlich wieder ausschlafen können“, sagt Siller. Sie plädiert für ein generelles Umdenken, auch in der Werbung oder Medienberichten. „Wie oft liest man Sätze wie: ‚Wenn der Mann im Haushalt hilft‘. Es ist aber genauso sein Haushalt. Wichtig für beide Partner ist Verlässlichkeit und dass niemand das Gefühl hat, er muss dem anderen hinterherlaufen.“

Auszeiten

Nicht nur die Rollen im Haushalt, auch der Zugang zu Sexualität sei bei Männern und Frauen unterschiedlich, erklärt Siller. „Tendenziell ist es so, dass Frauen entspannt sein wollen, um Sex zu haben. Männer hingegen haben Sex, um Stress abzubauen und um den Kopf freizukriegen.“

Fakten

Teilzeit
In Österreich sind 73 % der Mütter und  7 % der Väter mit unter 15-jährigen Kindern teilzeitbeschäftigt

 

Karenz
Bei acht von zehn Paaren gehen Väter nicht in Karenz.  1 %  nimmt sich mehr als sechs Monate Zeit dafür. Je höher sein Gehalt, desto kürzer die Papa-Karenz

 

82 % der Frauen
gaben heuer in einer Umfrage von Vorwerk und TQS an, dass sie sich  daheim um die Wäsche kümmern – bei den Männern  nur 16 %. Beim Bügeln, Putzen zeigte sich ein ähnliches Bild

 

77 % der Frauen
wünschen sich laut selbiger Studie, dass ihr Partner mehr  Aufgaben im Haushalt übernimmt

Frauen sind oft unzufrieden, weil ihnen Zeit für sich fehlt und ihre Männer zu wenig Haushaltspflichten übernehmen, ergab Anfang des Jahres eine Umfrage des Thermomix-Herstellers Vorwerk. Therapeuten raten daher zu bewussten Auszeiten – als Paar und alleine. Mit Egoismus hat „Selfcare“ nämlich nichts zu tun, betont die Paarberaterin. Sie sei viel mehr essenziell für eine gesunde Partnerschaft und erfolgreiche Kindererziehung. „Jeder braucht Zeit für sich. Und wenn es nur eine halbe Stunde am Tag ist, in der ich Yoga mache oder in Ruhe die Zeitung lese.“

Die australischen Studienautoren wollen ihre Forschung nun weiter vertiefen. In einem nächsten Schritt sollen Frauen mit besonders schwacher Libido eine Zeit lang von allen Haushaltspflichten und mentalen Lasten entbunden werden. Dann wird sich zeigen, wie sich das Sexleben verändert, wenn der Kopf wirklich frei ist.

Julia Pfligl

Über Julia Pfligl

Seit 2014 beim KURIER, Ressort Lebensart

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