Polly Adlers Kolumne: Brüste in der Pasta

Wer hat den Kerls eigentlich erlaubt, oben ohne bei Tisch zu sitzen?

Ich bin ein unverbesserlicher Fan des männlichen Geschlechts, hätte aber eine flehentliche Bitte an den großen Vorsitzenden dieser Fraktion: Ermutigen Sie alle Mitglieder Ihres Clubs ausschließlich mit bedecktem Oberkörper zu essen.

Die Bilder von Männern, deren Bauch und Brüste man besser wieder mit dem Lasso einfangen sollte, die aber ungeachtet dessen mit nacktem Oberkörper in den Strandrestaurants und Schrebergärten der Nahrungsaufnahme nachgehen, sind kein erbaulicher Anblick. 

Hat man eigentlich, selbst bei Höchsttemperaturen, Frauen je bei Tisch ihre nackten Möpse in die Pasta hängen sehen? Eben nicht! Und jetzt, wo alles so prickelnd genderfluid ist, könnten sich die Herren hier mit einem Zivilisationsschub punkten. 

Auch was die Kurzhosen-Manie betrifft: Wadenexhibtionismus ausschließlich Openair und bei Freizeitbeschäftigungen, wenn ich bitten darf! Kürzlich traf ich einen besser weit entfernten Bekannten, dessen Augen jeweils in einem weit aufgerissenen Blick, nach Art eines mit einem Lichtstrahl aufgeschreckten Brunnenfrosches, erstarrt waren. 

Wie mir später die beste Gossip-Trula der Stadt flüsterte, hatte er sich dieser OP auf Kommando seiner 30 Jahre jüngeren Gespielin unterzogen. Auch vor einer Farbtönung in einem couragierten Spätgulasch-Ton war er nicht zurückgeschreckt. 

Das dunkle Gulasch am Kopf und die zwei Brunnenfrösche im Gesicht blieben, jedoch die Gespielin war inzwischen wieder weggesprengt.Sie wollte ihre Sehnsucht nach einem Kind doch nicht mit einem Mann stillen, der bei dessen Matura hart am Achtziger schrammen würde. 

Entzücken fand ich, dass bei dieser EM auf dem Spielfeld so viel geheult wurde wie nie. Mut zum Gefühl unter Kerls mit in der Regel martialischen Figuren. Ganz im Sinne von dem Ex-Fussballtrainer Berti Vogt, der einmal anzumerken wusste: "Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben."

Polly Adler

Über Polly Adler

Polly Adler steht als Chaos-de-luxe-Kolumnistin auf dem satirischen Beobachtungsposten von Alltags-Irrsinn, Beziehungs-Herausforderungen und Brutpflege. Hinter dem Pseudonym versteckt sich die Wiener Journalistin Angelika Hager. Aus Polly Adlers verrückter Welt entstanden inzwischen acht Bücher, eine TV-Serie und diverse Bühnen-Shows, aktuell „Knietief im Glamour”: die Polly-Adler-Show im Rabenhof. Jeden Sonntag um 11 Uhr.

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