Polly Adler Kolumne: Das-kann-doch-nicht-so-schwer-sein-Abkommen

Die horizontale Ausrichtung des Haussegens hängt an Banalitäten

So. Das Kind kommt also demnächst aus Börrrlin nach Hause. Ich werde also in die Abstellkammer ziehen, überlasse ihr das Meisterinnen-Schlafzimmer und werde sie generell wie eine frisch aus einem komplizierten Grubenunglück Geborgene herzen. Im Wohnzimmer äst bereits eine leuchtende Rentierherde aus Taiwan, auch vor goldenen Rehlein-Rudel habe ich nicht Halt gemacht.  Präventive Schleimspur, denn wir hatten uns bei ihrem letzten Heimstop Filetstücke von Fluchsalven und Hasstiraden um die Ohren fliegen lassen. 

Schlagabtäusche, die dann in der schmerzhaftesten Passiv-Aggressivität versickerten – dem Schweigen. Damit es bei uns rund um Weihnachten zumindest in Spurenelementen wie in der Merci-Werbung zugeht, haben wir jetzt in einem Zoomi gemeinsam ein Das-kann-doch-nicht-so-schwer-sein Abkommen geschlossen und mit Hilfe der lieben KI niederschreiben lassen. Auf ihren vordersten Forderungsposten stehen so absurde Dinge wie "Genug Hafermilch-Proviant einlagern, das ist ein Zeichen von Respekt gegenüber meinen Bedürfnissen", "Die angebrochenen Mineralwasserflaschen immer fest zuschrauben", "Die Reste von einem Mitternachtssnack-Massaker so wegräumen, dass die Küche am nächsten Morgen wie für einen Fernsehkoch vorbereitet wirkt".

Ich führe No-Go-Themengebiete wie "Ihr Boomer habt unseren Planeten getötet" sowie Pronomen-Firlefanz und Transpersonen-Tralala an und keinerlei Raubritterinnen-Feldzüge durch meine Kleiderschränke ohne ein vorangegangenes Leih-Antragsformular zu stellen. Plus: kleine Kontaktslots für das Muttertier zwischen all den Cocktailorgien mit diversen Guckis, Tessis, Tiffys und Puckis. Weiß der Geier, warum die Girls, eigentlich alle im Besitz menschenwürdiger Vornamen, sich durchgängig wie Schlittenhund-Bezirksmeisterinnen betiteln.  Es ist tatsächlich absurd, an welchen Banalitäten die horizontale Ausrichtung unseres Haussegens hängt. "Wir tun jetzt einmal kurz so, als ob wir ganz normale Menschen sind", sagt der nerdige Fortpflanz, "danach sehen wir weiter." Copy that, Häschen

Polly Adler

Über Polly Adler

Polly Adler steht als Chaos-de-luxe-Kolumnistin auf dem satirischen Beobachtungsposten von Alltags-Irrsinn, Beziehungs-Herausforderungen und Brutpflege. Hinter dem Pseudonym versteckt sich die Wiener Journalistin Angelika Hager. Aus Polly Adlers verrückter Welt entstanden inzwischen acht Bücher, eine TV-Serie und diverse Bühnen-Shows, aktuell „Knietief im Glamour”: die Polly-Adler-Show im Rabenhof. Jeden Sonntag um 11 Uhr.

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