Fabelhafte Welt: Vom Vorfreude-Management

Warum es auch stressig ist, wenn man vor lauter Vorfreude vorzeitig dran ist mit allem.

Bekommt man Kinder, verliert vieles seinen Reiz. Sogar Dinge, die man zuvor abgöttisch liebte, werden ohne Zögern aus dem Leben verbannt. Weiße Kleidungsstücke aus empfindlichen Fasern zum Beispiel, absichtlich einen Rausch aufreißen oder Vasen auf Couchtischen. Im Gegenzug entwickelt anderes einen zuvor undenkbaren Charme. Gatschlacken werden vom Hindernis zum willkommenen Beschäftigungsprogramm. Zwischenmahlzeiten erleben ein Upgrade von möglich zu lebensnotwendig

Und am allermeisten an Bedeutung gewinnt das Weihnachtsfest. Sie wissen eh: Leuchtende Kinderaugen und so. Bambino I erlebt Weihnachten heuer zum ersten Mal bewusst. Darauf freue ich mich seit seiner Geburt. Ich kaufte bei zwanzig Grad Außentemperatur Lebkuchen, anstatt mich darüber zu echauffieren, dass er bereits angeboten werde. Kekse haben wir um Martini gebacken, die Geschenke sind seit Leopoldi besorgt, um Adventkalender und Kranz kümmerte ich mich vor zehn Tagen.

 Gestern hat die Vorfreudesaison nun endlich auch offiziell begonnen und anstatt mich vorzufreuen, strauchle ich nun mit dem Management meines Vorfreude-Frühstarts. Nachdem Sohnemann den Adventkranz eine Zeit lang ehrfürchtig bestaunte, hat er seine Zurückhaltung nun aufgegeben und sich zum Lebensziel gesetzt, ihn kahl zu rupfen. 

Unsere Geschenke werden heuer nach Mottenkugeln duften und beim Auspacken ein wenig stauben – da Junior alle Verstecke entdeckte, aber noch nicht verstehen kann, dass nicht alles in bunter Verpackung für ihn gedacht ist, warten sie nun am Dachboden auf das Christkind. Den Adventskalender muss ich tagesaktuell frisch befüllen, weil ich nicht nur zwei Kinder und einen Hund habe, sondern auch einen Gatten, der nachts die Schoko stibitzt und die Mandarinen zum Faulen zurücklässt. Mit anderen Worten: Ich kann es nicht mehr erwarten, dass ENDLICH Weihnachten ist.

Vea Kaiser

Über Vea Kaiser

Vea Kaiser ist die Autorin der Nr.1-Bestseller „Blasmusikpop“, „Makarionissi“ und „Rückwärtswalzer“. Ihre Bücher wurden vielfach preisgekrönt und in mehrere Sprachen übersetzt. Die studierte Altphilologin lebt mit Familie am Wiener Stadtrand und schreibt für die freizeit die wöchentliche Kolumne „Fabelhafte Welt“.

Kommentare