Der perfekte Vorgarten: Zwischen Naturoase und Serienmördergedanken

Warum schlagfertige Ehemänner nerven und Ordnung völlig überbewertet wird, wenn es um Bienen und Blumen geht.

Wenn meine Männer und ich in den letzten Wochen spazieren gingen, hatten wir eine Mission. Wir studierten einsehbare Vorgärten, um herauszufinden, welche Art der Gestaltung uns allen gefällt. Ich würde am liebsten das bisschen Grün vor unserem Haus dabei unterstützen, eine insektenfreundliche Naturoase zu werden. Der Hund würde buddelfreundlichen Sand bevorzugen, der kleine Prinz ausschließlich Pflanzen, die man sich in den Mund stecken kann, und mein Mann wäre am glücklichsten mit englischem Rasen, begrenzt von gleichförmig getrimmtem Kirschlorbeer.

Gemeinsam mit Gabionen, Steinbeeten und Gartenzwergen ist das allerdings meine Vorstellung eines Vorgartens des Grauens. Während des ersten Lockdowns schauten wir abends Serienmörderdokumentationen: Wissen Sie, was deren Gärten gemeinsam hatten? Keineswegs fand sich dort jene wuchernde Natur, die die Hexenhäuschen umgab, vor denen ich mich als Kind fürchtete. Sondern Mauern, Stein, akkurat getrimmte Hecken – nur die Gabionen standen meist im schalldichten Kellerverlies. Es sorgt mich, dass sich derlei Gartengestaltung häufig in unserer Nachbarschaft findet und noch mehr, dass mein Mann mit diesen Vorgärten des Grauens liebäugelt.

"Schaut so herrlich ordentlich aus“, sagte er. „Findest du es wirklich sympathisch, Natur zu ordnen?“ „Du kennst dich mit Gärten besser aus“, antwortete er, „aber ist nicht genau das die Definition eines Gartens: ein Stück geordnete Natur?“ Weil ich meinen Mann liebe, aber seine schlagfertigen Momente hasse, antwortete ich nichts. Stattdessen spazierte ich mit unserem Sohn zur Gärtnerei, wir erwarben ein reichhaltiges Insektenbuffet und setzten es schnell ein, um Tatsachen zu schaffen. Wie sagte mein Geliebter? Ich kenne mich mit Gärten besser aus. Also ordneten wir Sträucher und Stauden so an, dass es möglichst unordentlich aussah.

Vea Kaiser

Über Vea Kaiser

Vea Kaiser ist die Autorin der Nr.1-Bestseller „Blasmusikpop“, „Makarionissi“ und „Rückwärtswalzer“. Ihre Bücher wurden vielfach preisgekrönt und in mehrere Sprachen übersetzt. Die studierte Altphilologin lebt mit Familie am Wiener Stadtrand und schreibt für die freizeit die wöchentliche Kolumne „Fabelhafte Welt“.

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