Roomservice für eine Elefantin

Manchmal braucht man eine Elefantenkuh Distanz von der Realität

Monica-Baby ist eingetroffen. Die pensionierte Hochzeitselefantin  steht tatsächlich mit ihren dreieinhalb Höhenmetern endentspannt in der Lobby unseres Hotels am Wadduwa-Beach und ignoriert die hysterische Entzückenssalven abfeuernden Britinnen mit müden Wimpernschlägen. Heftig dekorierte Elefanten sind die Rolls-Royces buddhistischer Hochzeiten.

Ich musste an die englische, Redensart „There is an elephant in the room“ denken, um die Präsenz eines Geheimnisses oder einer unangenehmen Wahrheit in einem Raum voller Leute zu beschreiben, über das oder die alle Bescheid wissen, aber gleichzeitig peinlich bemüht sind, all das zu umschiffen. Angenommen, Sie sind zu einem Abendessen eingeladen und am Tisch sitzt jener Typ, der wegen häuslicher Gewalt an seiner Ehefrau mehrfach in U-Haft war, mit einem neuen, liebesvertrottelt strahlenden Opfer an seiner Seite. Oder ein Mega-Pleitier, der viele Menschen um ihre Ersparnisse gebracht hat, prahlt mit seiner Kunstsammlung auf einer Vernissage, zu der sie eine Freundin verdonnert hat. Nur Menschen mit Sportsgeist in der Leistungsgruppe Taktlosigkeit würden dann so Fragen stellen wie „Und – wie ist es so im Gefängnis? Da lernt man sicher jede Menge interessante Leute kennen“, oder „Und wie haben Sie den Schmalix und die Wurms aus Ihrer Konkursmasse geschmuggelt? Bitte einen Tipp für Amateure!“.

Eigentlich hege ich durchaus Sympathie für solche Art von Courage, denn diese Nur-keine-Wellen-Mentalität, die Freud mit dem Begriff Verdrängen umschrieb, ist auf die Dauer ungesund. Und lässt die Bösen viel zu oft gewinnen. Monica-Baby zwinkert mir zu, „Chillax!“, und ich pflanze ihr eine Staude grüner Bananen in ihren kleinen rosa Elefantenmund. Ihr Besitzer brüllt: „Roomservice for an elefant, very elegant!“ Und ich denke mir, immer öfter braucht man eine ausgewachsene Elefantenkuh Distanz von der Realität. Ein goldener, wahrscheinlich unwiederbringlich.

Polly Adler

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