„Heute gibst du einmal Ruh'!”

Muttertag ist nicht immer ein Waldspaziergang

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich durch die Kindheit des Fortpflanzes wie in einem Schnellzug durchgerast bin. Morgen ist schon der fünfte Muttertag im „empty nest“. Man erinnert sich dann doch mit einer Sentimentalitäten-Träne im Knopfloch an all die illustren Gimmicks, die Frühpädagogen der Brut abverlangt hatten: Die froschgrünen Salzteigherzen-Colliers, die wie Lepra-Befall aussahen, und die mit Jackson-Pollock-artigen Kuhfladen verzierten Seidenmalschals, mit denen man natürlich stundenweise ins bebaute Gebiet musste; ansonsten Kränkungsalarmstufe dunkelrot.

Und dann die in der Volksschule antrainierten Gedichte, die heute  Feministinnen nach ihrem Riechsalzfläschchen aufschreien lassen würden („Liebe Mutter, du kochst und putzt uns die Schuh“ – heute gibst du einmal Ruh!“). Und dann kam der Gruß aus der Hölle oder jene Phase im Leben des Kindes, die einem den späteren Auszug in Morgenröte-Rosa erscheinen ließen: die Pubertät. Nicht einmal lag man grimmig grollend am Muttertag bis elf Uhr im Bett, ohne eine verlogene „Du-bist-die-beste-Mutter-der-Welt“-Ode in Begleitung eines mit Kakaoherzchen-Ambitionen verzierten Cappuccinos und einem Restposten von Spraynelkenstrauß  bekommen zu haben. Und ein bis acht Mal bin ich dann in das verdunkelte Boudoir des Kindes vorgestoßen, um ihm einen Espresso und die Worte „Danke, der besten Tochter der Welt!“ zu servieren, was der damalige Sargnagel bestenfalls mit einem grunzenden „Kannst du bitte raus gehen!“ quittierte.

Seit ein paar Jährchen arbeite ich am Muttertag und regelmäßig lässt mir das Kind einen Strauß Blumen aus Berlin ins Theater schicken. Die beigelegte Karte trägt immer den gleichen Text: „Damit du endlich wieder einmal mit mir angeben kannst.“ In jedem Fall (Zitat aus der „Reichspost“ 1926): „Die Herzen sind entzündet, und die Flamme der Liebe wird hell aufleuchten am Tag der Mutter.“

Mamacholie

Wann und wo?

Pollys „Mamacholie“: 7. Mai in Melk, 8. Mai im Wiener Rabenhof. Mit Petra Morzé & Sona MacDonald.

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Polly Adler

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