"ÜberLeben": Wir sind abgestiegen

Die Admira, die Wurst und entfernt fußballähnliche Verrichtungen.

Jetzt ist die Admira doch abgestiegen, und obwohl mir der österreichische Fußball ähnlich am Herzen liegt wie veganes Tantra-Töpfern im Waldviertel, bin ich doch erstaunlich traurig. Mit der Admira verbindet mich ein scheues Liebesverhältnis. Denn erstens bin ich der stolze Mitbesitzer eines roten Admira-Wacker-Kaffeehäferls. Zweitens wohne ich in Hörweite des Stadions (die Admira ist ein ruhiger Nachbar, im Stadion sitzen immer sehr wenige Menschen und es fallen wenige Tore). Drittens habe ich bei der Admira viel Sport gemacht. Nicht als Fußballer – wenn ich Fußball spiele, besteht immer das Risiko von Sach- bis Personenschäden. Aber ich bin als Zwölfjähriger  oft über den Zaun ins Stadion geklettert, weil ich mir keine Eintrittskarte leisten konnte, und das war ein gutes Training – bis heute klettere ich gerne.

Später war ich mit meinem kleinen Sohn bei seinem ersten Fußballmatch in der Südstadt. Admira verlor gegen Rapid, neben uns saß ein Fan, der seine in Senf getränkte Wurst auf den Linienrichter warf. Und mein Sohn stellte die einzig richtige Frage: „Schmeckt dem Mann die Wurst nicht?“

 

Jetzt war ich wieder in der Südstadt, meine Freundin wollte unbedingt ein Admira-Spiel sehen, und wir wollten die Mannschaft im Abstiegskampf gegen Altach unterstützen. Und obwohl bei Altach ein Verwandter von mir im Mittelfeld spielt, drückte ich für die Admira meine Daumen wund. Das Spiel war traurig: Admira und Altach zeigten entfernt fußballähnliche Verrichtungen, Altach gewann 3:0, ohne zu wissen, warum.

Neben uns saß ein kleiner Bub, der es schaffte, 90 Minuten lang für den Verzehr eines Hotdogs zu brauchen, indem er ihn einfach gründlich einspeichelte und dann eher trank, als aß. Ähnlich wie dieser Hotdog fühlte sich auch das Spiel an. Aber die Admira wird wieder kommen, und vielleicht spielen wir sogar wieder einmal gegen Juventus Turin, wie damals, als das Stadion zum ersten und letzten Mal voll war.

 

Guido Tartarotti

Über Guido Tartarotti

Guido Tartarotti wurde, ohne vorher um Erlaubnis gefragt worden zu sein, am 23. Mai 1968 zur Mödlinger Welt gebracht. Seine Eltern sind Lehrer, und das prägte ihn: Im anerzogenen Wunsch, stets korrekt und dialektfrei zu sprechen, glaubte er bis in die Pubertät, Vösendorf heiße eigentlich Felsendorf. Das Gymnasium Perchtoldsdorf, wo es damals u. a. eine strenge Einbahnregelung für die Stiegenhäuser gab, verzichtete nach einigen Verhaltensoriginalitäten seinerseits nach der fünften Klasse auf seine weitere Mitarbeit. Also maturierte er in der AHS Mödling-Keimgasse. 1990 begann er in der KURIER-Chronikredaktion. 1994 wurde er Leiter der Medienredaktion, ein Jahr darauf auch der Kulturredaktion. Beide Positionen legte er 2004 zurück, um wieder mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

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