Guido Tartarotti

"ÜberLeben": Abenteuer mit der Herzogin

Ein kleines Road-Movie in Wien. Erdnüsse und Schnaps waren auch dabei.

Ich würde heute gerne noch ein Abenteuer erleben“, sage ich zu meiner Freundin. Es ist Abend, der Tag war für uns beide lang und mühsam. Meine Freundin lächelt und antwortet: „Lass uns losfahren, vielleicht finden wir unterwegs ein Abenteuer.“
Also starten wir die Herzogin, wie meine Freundin ihr Auto nennt, und fahren los.

„Wohin fahren wir?“, frage ich. „Keine Ahnung“, sagt meine Freundin, die am Steuer sitzt (ich überlasse das Autofahren gerne den Frauen, die können das besser). Die Herzogin schlägt die Richtung nach Wien ein, im Radio finden wir einen Rocksender, der ausgezeichneten Heavy Metal spielt, und wir lachen und reden und vergessen die Welt.

Irgendwann bemerke ich, dass wir uns in einer Gegend befinden, die mir völlig unbekannt ist. „Wo sind wir?“, frage ich. Meine Freundin lacht. „Im 14. Bezirk. Vor dem Haus, in dem ich meine erste Wohnung hatte.“ Die Herzogin braucht eine Pause, also steigen wir aus, rauchen eine Zigarette und erzählen uns Geschichten. Geschichten von Wohnungen, an die wir uns erinnern, von Menschen, an  die wir uns kaum noch erinnern,  von Abenteuern früherer Jahre.

 

Das bringt uns auf eine Idee: Wir fahren kreuz und quer durch die Gegend und suchen all die Wohnungen, in denen wir einmal gewohnt haben. Und langsam, aber sicher füllt sich die Nacht mit wunderschönen Geschichten.

Tankstelle

Auf dem Heimweg lockt uns eine bemerkenswert hässliche Tankstelle mit warmem Licht. Wir halten an, trinken ein Cola oder vielleicht sogar einen kleinen Schnaps und knabbern Erdnüsse. Wir fühlen uns lebendig, und ja, wir haben ein schlechtes Gewissen, weil wir einfach so, ohne besonderen Grund, Benzin verbrannt haben, aber das schlechte Gewissen ist nicht sehr groß.

„Das war ein schönes Abenteuer“, sagt meine Freundin, als wir wieder zu Hause sind.  „Ja, das war es“, antworte ich.

Guido Tartarotti

Über Guido Tartarotti

Guido Tartarotti wurde, ohne vorher um Erlaubnis gefragt worden zu sein, am 23. Mai 1968 zur Mödlinger Welt gebracht. Seine Eltern sind Lehrer, und das prägte ihn: Im anerzogenen Wunsch, stets korrekt und dialektfrei zu sprechen, glaubte er bis in die Pubertät, Vösendorf heiße eigentlich Felsendorf. Das Gymnasium Perchtoldsdorf, wo es damals u. a. eine strenge Einbahnregelung für die Stiegenhäuser gab, verzichtete nach einigen Verhaltensoriginalitäten seinerseits nach der fünften Klasse auf seine weitere Mitarbeit. Also maturierte er in der AHS Mödling-Keimgasse. 1990 begann er in der KURIER-Chronikredaktion. 1994 wurde er Leiter der Medienredaktion, ein Jahr darauf auch der Kulturredaktion. Beide Positionen legte er 2004 zurück, um wieder mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

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