Immunabwehr bis Psyche: Die besten wilden Arzneien für die Winterzeit

Marlene Patsalidis

von Marlene Patsalidis

Pflanzliche Erste Hilfe: Was die heimischen Wiesen und Wälder gegen lästige Leiden in der kalten Jahreszeit zu bieten haben.

Nasskalte, trübe Winterwochen – gepaart mit einem neuerlichen Corona-Lockdown: Bei vielen ist da ein waschechtes Stimmungstief vorprogrammiert. Pflanzlich gegensteuern lässt sich zum Beispiel mit Johanniskraut: "Die krautige Pflanze ist ein guter Stimmungsaufheller, der die Nerven stärkt", erklärt die Tiroler Kräuterexpertin Michaela Thöni-Kohler, die den Genuss eines Tees mit getrocknetem Johanniskraut empfiehlt.

In ihrem neuen Kräuterbuch präsentiert Thöni-Kohler starke Wurzeln, kraftvolle Stauden und wohltuende Blüten – und gibt Tipps, wie sich aus ihnen Heilsames herstellen lässt.

Auch Aufgussmischungen mit Melisse – das Lippenblütengewächs fördert Entspannung und löst Ängste – bieten sich bei Winterblues an. Vorsicht: Die Wirkstoffe des Johanniskrauts regen die Bildung bestimmter Enzymsysteme in der Leber an. Es kann zum rascheren Abbau anderer Arzneistoffe kommen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte immer auf mögliche Wechselwirkungen achten.

Ist man dem Ritual des Räucherns zugetan, kann man sich der Alantwurzel bedienen: "Der liebliche Duft wirkt aufbauend und ist eine Bereicherung in der dunklen Winterzeit", erklärt Thöni-Kohler. Nicht nur die Dunkelheit, auch die Kälte ist alles andere als behaglich. Gegen das große Frösteln hilft süßlich-aromatischer, schweißtreibender Lindenblüten-Tee.

Ersthelfer

Die abwehrstärkenden Blütenblätter der Sonnenblume machen sich gut als winterliche Naturarznei. Als pflanzliche Prophylaxe hat sich außerdem der Rote Sonnenhut, die Echinacea purpurea, bewährt: "Echinacea-Tinktur kann man als Kur drei Wochen lang mit zehn Tropfen täglich einnehmen."

Die Kapuzinerkresse stärkt ebenfalls die Abwehrkraft. "Solange sie frisch verfügbar ist, baut man sie am besten direkt in den Speiseplan – in Suppen, Salate, Aufstriche oder Pesto – ein."

Akut-Tipps

Kündigt sich eine Erkältung an, etwa durch Halskratzen, ist Salbei das Mittel der Wahl. "Am besten so schnell wie möglich mit Salbeitee oder -tinktur gurgeln. Sollte man schon verschleimt sein, tut Thymian gute Dienste. Er löst den Schleim – idealerweise vormittags als Tee getrunken oder inhaliert."

Eine wunde Schnupfennase freut sich über Lärchenpech-Salbe. "Die hilft gegen die offenen Stellen und gleichzeitig gegen den Schnupfen." Bei trockenem Husten schaffen Pflanzen mit Schleimstoffen, wie zum Beispiel die Malve oder Isländisch Moos, Linderung. "Der Malven-Tee sollte unbedingt kalt aufgegossen werden – sechs Stunden ziehen lassen und dann leicht erwärmen." Isländisch Moos ist in Form von Bonbons erhältlich.

Man kann daraus – ebenso wie aus Spitzwegerich – auch selbst Hustensirup herstellen. Dafür Pflanzen sammeln und klein schneiden. Pflanzenteile in einen Kochtopf geben und mit Wasser bedecken. Orangen- oder Zitronenscheiben dazugeben, das Ganze aufkochen und zehn Minuten köcheln lassen. Vom Herd nehmen und zugedeckt über Nacht stehen lassen, alles abseihen und die Flüssigkeitsmenge abmessen. Die gleiche Menge Zucker hinzufügen und zum Eindicken etwa vier Stunden köcheln lassen. In Gläser (mit Inhalt/Datum/Menge beschriftet) abfüllen und gleich verschließen. Bei Bedarf bis zu drei Teelöffel pro Tag einnehmen.

Zu beachten

In Corona-Zeiten
Wer sich trotz Covid-Impfung mit SARS-CoV-2 ansteckt, kann leichte Beschwerden mit Hausmitteln, Paracetamol und Ibuprofen lindern – ausheilen lässt sich Covid-19 damit nicht.

Immer mit Bedacht
Vor der Verwendung von Kräutern sollte man sich bei Experten kundig machen. Derselbe Tee sollte nie länger als 3 Wochen am Stück getrunken werden. Wer Tees, Tinkturen oder Salben herstellt, sollte auf Qualität achten – Pflanzen von unberührten Standorten wird höhere Wirksamkeit zugesprochen.

Aromawunder

Fußbäder sind der Klassiker gegen Eisfüße: Rosmarin wirkt belebend und fördert die Durchblutung. "Das kann man sich zunutze machen, indem man sich Rosmarin-Tee aufsetzt und diesen dann ins heiße Voll- oder Fußbad kippt. Hier eignen sich auch Aufgüsse aus den Nadeln von Fichte und Tanne."

An den Festtagen im Dezember plagt viele innere Unruhe. Baldrian und Lavendel wirken beruhigend und mildern Angespanntheit. "Am besten man nimmt sich die Zeit und trinkt in Ruhe eine Tasse Tee – dazu noch Lavendel verräuchern oder sein ätherisches Öl in einer Aromalampe verdampfen. Das entspannt ungemein."

Tyrolia Verlag

Das Tiroler Kräuterbuch - Michaela Thöni-Kohler

€ 29,95

Zum Buch
Marlene Patsalidis

Über Marlene Patsalidis

Kommentare