Süß, angesagt, nachhaltiger: Cola aus Österreich

Immer mehr regionale Varianten des Erfrischungsgetränks kommen auf den Markt. Hersteller versprechen einen besseren CO2-Abdruck.

Es ist noch gar nicht so lange her, da mixte beinahe jede kleinere Brauerei für ihr Limonaden-Sortiment ein eigenes Cola. Neben Himbeer-Kracherl, Zitronen-Brause verkauften sie auch regionale Varianten des US-amerikanischen Getränkeklassikers. Aber so richtig beliebt waren die nicht. Sie schmeckten zu süß, zu schal, zu wenig nach Cola. Und selbst wenn sie gut waren, weitum bekannt waren sie nie.

Egal ob Coke oder Pepsi, die Multis hatten die Nase vorne. Bis ab den 2000ern eine neue Cola-Welle von Deutschland nach Österreich schwappte. Fritz, Premium, BionadeSinalco und Afri. Sie warben mit besonders viel Koffein oder mit besonderer Coolness. Wer etwas auf sich hielt, trank in Lokalen, die vor Shabby-Chic nur so strotzten, diese Limos. Und seit einigen Jahren erfreuen nun auch österreichische Cola-Kreationen die Gaumen, die langsam, aber beständig mehr werden. Ihre Hersteller werben mit Regionalität und damit, dass ihre Limos nicht selten frei von künstlichen Aromastoffen und mitunter bio sind.

Sie betonen, dass es kürzere Anfahrtswege und somit auch einen kleineren CO2-Abdruck gäbe. Das kommt bei Menschen, die immer bewusster einkaufen und sich das auch leisten können, gut an. Es ist aber auch geschicktes Marketing und etwas Flunkerei dabei: die Kolanüsse (oder auch Vanilleschoten, die gerne verwendet werden) wachsen in den Tropen und eben nicht an den sonnigen Hängen Österreichs.

Cola aus der Wachau

Seit Kurzem hat etwa die Wachau neben Wein, Marillen und schöner Landschaft mit Keck Kola auch eine eigene Brause. So wie es sich mittlerweile gehört in einer dünnen Flasche mit reduziertem Etikett (das umstrittene Firmenlogo der Wachauer Getränke / Horst Neger GmbH ist nicht oben). Der Drink sei "oid, oba neich", verspricht die Werbung. "Es war einfach der richtige Zeitpunkt, die Menschen wollen verstärkt Nachhaltigkeit. Warum muss dann das Cola von einem Unternehmen kommen, das den Sitz in Atlanta hat?", sagt Geschäftsführer Stefan Neger zur freizeit. Das Getränk wird nur in Glasflaschen verkauft, auf Plastik verzichtet man. Viele Zutaten würden regional bezogen und sogar Flaschen aus Niederösterreich kommen. „Uns ist es wichtig, dass die gesamte Wertschöpfung regional passiert – so profitieren auch andere heimische Betriebe“, heißt es in der Presse-Aussendung.

Der Verkauf funktioniere immer besser. "Bei den Wachauer Wirten kommt es gut an, wenn ein Cola aus der Region kommt", meint Neger. Und anders als die kleineren Brauereien früher habe man jetzt auch den Vorteil einer besseren Bewerbung über Social Media. Aromatisch lässt man sich auf wenige Experimente ein. Vorherrschend sei ein klassischer Cola-Geschmack. "Hinten im Gaumen schmeckt man leicht etwas Limetten."

Stefan Neger und Christoph Horaczek von Keck Kola

©Keck Kola/Friedl und Schmatz

Auf einen nicht ganz typischen Cola-Geschmack setzt das Pedacola, das schon seit Jahren erfolgreich am Markt ist. Es ist bio, regional, durchsichtig, wird in der Spitzengastronomie kredenzt und in ausgewählten Supermärkten (vor allem in Oberösterreich) als Sirup verkauft. Die Grundlage ist nicht die Kolanuss, sondern die Eberraute, die auch Cola-Strauch genannt wird. Dazu kommen Rübenzucker, Minze, Zitrone, Limette, ein paar Geheimzutaten und eine echte Vanilleschote, die sich mit schwarzen Punkten zeigt.

Bessere Klimabilanz mit Sirup

Herzklopfen muss hier der Zucker und nicht das Koffein auslösen - weil das fehlt hier. Der Mann dahinter ist der Koch Peter Leitner aus dem Mühlviertel, der das Eberkraut von Biobauern aus seiner Umgebung bezieht. "Das Herstellen von Sirup verbessert die CO2-Bilanz. Zudem bleibt mit dem Kauf eines heimischen Produkts die Wertschöpfungskette im Land, es wird kein Großkonzern unterstützt, der womöglich hier gar nicht Steuern zahlt", sagte er vor einigen Jahren dem KURIER.

Mittlerweile haben auch andere nachgezogen. Aus Kärnten kommt seit einiger Zeit das ebenfalls weißliche Flora Cola, das laut Eigenbeschreibung nur aus vier Zutaten besteht: "Frisches Kärntner Quellwasser, die feine Eberraute, Zitronensäure und ein bisschen Zucker. Alles andere muss draußen bleiben." Schmeckt wie die Colalutscher aus dem Bad, als man noch klein war. Dasselbe gilt für Pedacola.

Flora Cola kommt aus Kärnten und besteht aus vier Zutaten.

©Hersteller

In derselben Bekanntheitsliga wie Pedacola spielt das Tirola Kola. Die Macher haben zur exotischen Kolanuss etwa Zimtrinde, Fichtennadeln, und Quellwasser aus dem Tiroler Unterland beigemengt. Verkauft wird das Getränk in Glas- und Plastikflaschen. Kritikern, die monieren würden, dass Plastik jetzt nicht unbedingt für Nachhaltigkeit und unberührte Tiroler Natur stehe, nimmt man auf der Homepage etwas den Wind aus den Segeln. "Unsere Glasflaschen können bis zu 50-mal befüllt und wiederverwendet werden, bevor sie aus dem Kreislauf ausscheiden. Die Kunststoffflaschen bestehen aus recyceltem und energiesparend produziertem PET-Material (rePET)", heißt es. "Und unsere großflächige Fotovoltaikanlage gewinnt Solarenergie für die Getränkeproduktion - damit wir auch beim Herstellungsprozess den ökologischen Fußabdruck minimieren."  Und außerdem würden von 100 Flaschen Tirola Kola ohnehin 78 in der Glas-Mehrwegflasche ausgeliefert.

Und dann gibt es noch einige weitere regionale Cola-Varianten. Hier eine Auswahl:

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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