Warum Sterzing viel mehr zu bieten hat, als eine Autobahnabfahrt

Ein Zwischenstopp im Südtiroler Städtchen hinter dem Brenner lohnt sich. Der erste Espresso in Italien hat hier mehr Flair als an der Raststätte.

Überblick

Währung

Euro

Anreise

von Wien nach Sterzing 5 Std. 41 Min

Italien-Urlaubern, die mit dem Auto den Brenner überqueren, ist Sterzing vermutlich ein Begriff. Die Südtiroler Stadt im Eisacktal ist eine der ersten Autobahn-Ausfahrten auf dem Weg nach Süden. Dass man sie aber tatsächlich ihrer Bestimmung gemäß benützt, verhindern mitunter jene beiden Raststätten, die kurz vor und unmittelbar nach Sterzing angesiedelt sind. Für den Geschmack von Urlaub, genossen mit dem ersten italienischen Espresso, muss meist eine nüchterne Raststätte reichen.

Er ist Fluch und Segen gleichermaßen, dieser direkte Anschluss an die wichtige Verkehrsader nach Modena. Die Anbindung ermöglicht den Betrieben der Region reges Wirtschaftstreiben, unter anderem dem Milchhof Sterzing. Das hier produzierte Joghurt ist fast jedem Italiener ein Begriff. Gleichzeitig verleitet die Autostrada A22 Urlauber eben zum flotten Vorbeirauschen und nicht zum Anhalten. Dabei lohnt es sich, den ersten Espresso in Italien in Sterzing zu genießen. Nicht umsonst wurde die Stadt vor einigen Jahren zu einer der schönsten Kleinstädte Italiens gewählt. Da sitzt man dann gemütlich zwischen alten, prächtigen Bürgerhäusern in den engen Gassen der Altstadt.

Die ist aber eigentlich die Neustadt, erfahren Wissbegierige. Wo die Grenze liegt, ist selbst für Ortsunkundige leicht erkennbar. Der Zwölferturm unterteilt die Hauptstraße, eine malerische Flaniermeile mit Kopfsteinpflaster, in Alt- und Neustadt.

Alter Handelsposten

Ihr mittelalterliches und neuzeitliches Flair verströmen beide Stadtteile auf die Besucher. Die nüchterne Autobahnabfahrt verrät nichts über die Geschichte der Fuggerstadt Sterzing als wichtiger Handels- und Verkehrsknotenpunkt, die Geschichte einer wohlhabenden Stadt, die vom Bergbau lebte. Das vermittelt noch immer das alte Rathaus mit seiner original erhaltenen, gänzlich mit Holz vertäfelten Ratsstube. Dort tagt noch heute der Stadtrat. Und, erzählt Luis, der versierte Stadt-Guide bei seiner detailreichen Stadtführung, geheimnisvoll: An jenem Tisch, der in einem hübschen Erker steht, soll Andreas Hofer einst gesessen sein und folgenschwere Unterschriften getätigt haben.

Die Wunschglocke am Rosskopf

Wer mehr Zeit hat, sollte sich einen Ausflug auf den Sterzinger Hausberg Rosskopf nicht entgehen lassen, der zum Skifahren und Wandern gleichermaßen beliebt ist. Auch wegen der längsten Rodelbahn Südtirols und Italiens. Seit 2021 gibt es auch eine Sommerrodelbahn. Der Weg nach oben ist unkompliziert: In wenigen Minuten erreicht man mittels Gondelbahn 2.000 Meter Höhe und hat ein herrliches Bergpanorama. Das beeindruckt ebenso bei der „Wunschglocke“. Der Ton, den man ihr per großem Hammer entlockt, soll die Wünsche des „Glöckners“ weit über die Berge hinaus tragen. Eine nette Idee der Sterzinger, denn so weit oben wird der Kopf schnell frei – und Gedanken und Wünsche machen sich gern selbstständig.

Top 3

Essen: Auf der Furlhütte am Rosskopf werden Südtiroler Schmankerl serviert, etwa herausgebackene „Blattln“ mit Sauerkraut. furlhuette.com

Feiern: Beim Knödelfest (heuer am 11. 9. 2022) gibt es auf  einer langen Tafel Knödel in vielen Variationen

Umgebung: Die Burg Franzensfeste und der Wallfahrt

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Schwerpunkt Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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