Weinviertel Kellergasse Winter Wildendürnbach

Die schönsten Routen fürs Winterwandern in Niederösterreich

Daniel Voglhuber

von Daniel Voglhuber

Die Region ist nicht die klassischste Destination für die kalte Jahreszeit. Aber die unterschiedlichen Landschaften eignen sich zum Spazieren.

Einmal kräftig durchatmen. Die kalte Luft durchfährt den Körper. Das fühlt sich doch ganz gut an. Schnell noch die frische Brise genießen, die um die Ohren pfeift. Und auf geht’s. Wandern ist nicht nur des Müllers Lust.

Vor allem hier, wo so viel Gegend und Platz zwischen den sanft-hügeligen Weinbergen ist, wo die Reben ihre Blätter verloren haben. In den leeren Kellergassen mit ihren Presshäusern kommt man zur Ruhe. Wenn man ganz viel Glück hat, hat der Schnee die idyllische Gegend nahe der tschechischen Grenzen angezuckert und gleich noch viel idyllischer gemacht.

Wildendürnbach im winterlichen Weinviertel

©Niederösterreich Werbung/ Robert Herbst

Eventuell kann man in den Orten wie Falkenstein, Wildendürnbach oder Haugsdorf auch noch die eine oder andere Flasche vom pfeffrigen Grünen Veltliner einheimsen. Nach ein paar Stunden im Freien fühlt man sich da schon einmal wie ein neuer Menschen. Wenn schon das nicht, so ist man doch erfrischter und erholter als zuvor. So stellen wir uns Winterwandern im Weinviertel vor. Und das alles nicht weit von der Millionenstadt Wien entfernt.

©Kurier Grafik/Carina Tichy

Weinviertel-Wanderroute

Start: Laa an der Thaya, Länge: 10 km, Schwierigkeit: leicht
Wegbeschreibung: Gehen Sie am besten entlang der  angeschriebenen Kamp-Thaya-March-Radroute. 
Tipp: Die Strecke kann man in Wildendürnbach am Galgenberg enden lassen. Gehen Sie  rundherum – hier stehen schöne Presshäuser in der Kellergasse. Oder wenn Sie in Laa/Thaya sind, warum nicht vorher (oder nachher) in der Therme entspannen? Vorausgesetzt, der Lockdown ist vorbei.
Außerdem liegt  das Örtchen Falkenstein mit einer ebenfalls sehr idyllischen Kellergasse ganz in der Nähe.
weinviertel.at

Wandern in der kalten Jahreszeit ist seit geraumer Zeit bei vielen wieder sehr beliebt. Gerade Niederösterreich will damit die Besucher nicht nur ins Weinviertel, sondern auch in seine anderen Viertel locken. Zwar gilt es nicht als die klassischste unter Österreichs Winterdestination, aber dennoch ist keinesfalls zu verachten: Die Landschaft ist abwechslungsreich, die Wanderrouten sind nicht zu schwierig, und regelmäßig kommt man an Plätzen vorbei, die eine tolle Aussicht bieten. Es gibt weite Felder und sanfte Hügellandschaften im Wein- und Mostviertel.

Spröder Charme

Das Waldviertel versprüht mit seinen dunklen Wäldern und Marterln, die mitten in der kargen Gegend stehen, einen mystischen Charme. Die Berge in den Wiener Alpen, die sich aus der Ebene erheben, sehen aus wie Berge aussehen sollen. Und die Villen der Gegend zeugen noch immer von der Grandezza der Privilegierten der Doppelmonarchie.

Der 20-Schilling-Blick am Semmering mit viel Schnee

©Horst Schröttner

Was alle Landschaften gemeinsam haben. Es ist dort so herrlich ruhig und meist auch leer. Durch so eine verschneite oder auch vom Winter kahl gemachte Gegend zu gehen, entspannt und bringt unter Umständen auch eine Form von Selbsterkenntnis – so man sie sucht. Gerade in hektischen, pandemiegeprägten, unsicheren Zeiten wie diesen.

Die Literatur war im schon 18. und 19. Jahrhundert voll von wandernden Glückssuchern. Goethe, Schiller, Eichendorff oder auch Büchner suchten ihr Heil in der Natur. Die Kulturwissenschaft sieht darin eine Reaktion auf die Beschleunigungen, die durch die Industrialisierung angestoßen wurden. Und auf die gesellschaftlichen Veränderungen nach der Französischen Revolution. Wandern brachte Erholung, Entschleunigung und Inspiration. Und es wird schon seinen Grund haben, warum gerade jetzt wieder so viele einfach nur hinaus in die Natur wollen.

Winterwandern im Waldviertel mit Alpakas

©Waldviertel Tourismus, sommertage.com

Was noch hinzukommt: Wenn es in den Städten gerade nebelig und kalt ist, kann es beim Spaziergang in den Bergen auch wärmer sein als drunten im Tal. Da kann man bei einer Pause auch schon einmal die Jacke zur Seite legen und sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.

Verschneite Berge

Wer es klassisch mag, am Semmering gibt es entlang der Welterbe-Bahnstrecke mit den vielen Viadukten und Tunneln ausgeschilderte Routen. Einige führen auch zum berühmten 20-Schilling-Blick – im Hintergrund die verschneite Rax, das hat schon was.

©Kurier-Grafik/Carina Tichy

Semmering-Wanderroute

Start: Passhöhe Semmering, Länge: 8,2 km Schwierigkeit: schwierig
Wegbeschreibung: Die Route führt zu den schönsten Aussichtspunkten am Bahnwanderweg am Wolfsbergkogel. Der 20-Schilling-Blick und die Doppelreiter-Aussichtswarte bieten  Ausblicke auf das imposante Weltkulturerbe Semmeringeisenbahn.
Tipp: Achtung, dieser Winterwanderweg wird bei Schnee eventuell nicht vollständig geräumt und kann glatte Stellen aufweisen. Die Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Achten Sie auf passende Ausrüstung wie feste Schuhe, Stöcke, wasserfeste Outdoorbekleidung etc.
semmering-rax.com

Etwas weniger Höhenmeter macht man etwa in Reichenau, wenn man durch das – idealerweise verschneite – Villenviertel geht. Hier stehen Gebäude wie die Schlösser Rothschild, Wartholz oder Reichenau.

Noch als Geheimtipp geht etwa das Besteigen des Kirchschlager Schlossbergs in der Buckligen Welt durch. Vorbei an Feuerturm und Burgruine gibt es gute Aussicht ins Tal und auf – wenn die Witterung mitspielt – verschneite Hügel. Aber wie überall aufgepasst: Bei Schnee und Eis kann es – wie bei jeder anderen Wanderung rutschig und gefährlich werden.

Altenmarkt im winterlichen Wienerwald

©Wienerwald Tourismus/Andreas Hofer

Dass es im Weinviertel wegen zu viel Schnees gefährlich werden kann, kommt jetzt nicht allzu oft vor. Da spricht auch wenig dagegen, die mit 491 Metern höchste Erhebung des Viertels, den Buschberg, zu bewandern.

Hier gibt es einen tollen Rundumblick über die gesamte Region, bei guter Sicht ist der Wiener Donauturm deutlich zu erkennen, etwas weiter westlich die Alpen mit Schneeberg und Ötscher. Im Osten sieht man den Gebirgszug der Karpaten und im Norden reicht der Blick weit über die Laaer Ebene hinaus bis zu den Pollauer Bergen in Mähren.

Vom hohen Weinviertler Berg zur langen Runde vorbei an vielen Bäumen. 39 Kilometer ist der Rundwanderweg „Gschichten aus dem Wienerwald“ lang. Dort geht es an Orten wie Mayerling, Heiligenkreuz 35 Stationen vorbei, wo Anekdoten aus der geschichtsträchtigen Gegend beschrieben sind. Das Ganze in einem Tag zu machen, ist aber nicht zu empfehlen – außer man ist wirklich fit. Gemütlicher ist da eine kleine Runde. Wie diese hier:

©Kurier-Grafik/Carina Tichy

Wienerwald-Route

Start: Klein-Mariazell , Länge: 8,1 km, Schwierigkeit: mittel
Tipp: Der Rundweg im Wienerwald geht vorbei an vielen Sakralbauten – wie der Basilika Klein-Mariazell oder der Kirche am Hafnerberg –, aber er führt auch zu „mystischen Plätzen“ oder zu einem Druidenstein. 
wienerwald.info

Auch gemütlich ist es bei Wanderungen mit Eseln und flauschigen Alpakas im Waldviertel, wenn es die Pandemie-Lage wieder zulässt. Die Routen wechseln je nach Witterung, Interessen und Teilnehmern und werden von den Anbietern individuell zusammengestellt.

©Kurier Grafik/Carina Tichy

Alpaka-Wanderungen

Wenn es die Pandemie-Lage zulässt: Ausgedehnte Wanderungen durch Wälder, vorbei an mystischen Felsformationen und über Wiesen gibt es viele im Waldviertel. Dabei lassen die ruhigen, sensiblen Tiere tief in die Seele des Menschen blicken. Alpakas interessieren sich nicht für vergangene und zukünftige Ereignisse – sie verlangen von den Menschen, die sie führen, dass sie dies aufmerksam im Hier und Jetzt tun. So sind die Tiere oft ein „Spiegel der Seele“. Je ruhiger der führende Mensch, desto ruhiger ist auch das Alpaka.
waldviertel.at/wandern-mit-alpakas

Wer mehr über die Tiere in freier Wildbahn wissen will, meldet sich beim Nationalpark Donauauen. Dort stellen Ranger spezielle Führungen im Kleinen Kreis zusammen. Und wer Glück hat, kann sogar den einen oder anderen Blick auf Biber erhaschen. Mann kann aber auch so einen kleinen Rundgang machen - etwa in Schönau.

©Kurier-Grafik/Carina Tichy

Donau-Auen-Wanderroute

Start: Schönau an der Donau, Länge: 2 km, Schwierigkeit: leicht
Wegbeschreibung: Kurzer Rundweg durch  den schmalen Auwaldstreifen, der  einer der dynamischsten Bereiche des Nationalparks ist.
Tipp: In den steilen Uferböschungen graben Biber ihre Bauten, im Winter kann man sie mit etwas Glück schon am späten Nachmittag beobachten. Der  Schönauer Arm friert nur stellenweise zu. Besonders gefiederte Wintergäste nützen die eisfreien Bereiche zur Nahrungssuche.
donauauen.at/besuchen

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Daniel Voglhuber werkt seit Dezember 2020 für die KURIER Freizeit und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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