Stadtporträt Bern: Ein bärenstarkes Dorf

Bern oder die Geschichte vom lachenden Vierten, vermeintlicher Langsamkeit oder warum ein Eichhörnchen Wappentier der mittelalterlich geprägten Stadt sein könnte.

Das größte Museum von Bern ist ... – Bern selbst! Witzeln die Schweizer gerne über ihre Bundesstadt. Hauptstadt darf man ja nicht sagen, denn so etwas haben die Eidgenossen offiziell nicht. Bern ist Regierungssitz, Verwaltungszentrum – und ein wunderschönes mittelalterliches Dorf. Davon ist auch die UNESCO überzeugt und erkor die Altstadt zum Welterbe: Neben Venedig und Florenz zählt Bern zu den wenigen Städten, die als Flächendenkmal ausgezeichnet sind.

Das Zentrum thront auf einer Halbinsel über einer U-Schlaufe des Flusses Aare und gilt als eines der besterhaltenen Zeugnisse mittelalterlichen Städtebaus. Die regelmäßig angeordneten Gassen sind unverändert erhalten, das historische Stadtbild ist geprägt von Patrizierhäusern aus dem 15. Jahrhundert, romantischen Sandstein-Fassaden, Arkadengängen, einer einzigartigen Dächerlandschaft, elf Figurenbrunnen aus der Renaissance, dem gotischen Münster und dem Zeitglockenturm.

Bern

©Jörg-Brosche Claudia

Wie kommt es, dass so ein Mittelalterdorf den Rang einer Hauptstadt erhält? „Ganz einfach“, sagt Städteguide Nina Rüeger und schmunzelt: „Wenn sich drei streiten – namentlich Genf, Basel und Zürich – freut sich bekanntlich der Vierte. Also Bern. Wir wurden 1848, als die Schweizerische Eidgenossenschaft zum Bundesstaat umgewandelt wurde, aus einem Kompromiss heraus Bundesstadt.“

Entsprechend gemischte Gefühle hegen die Berner gegenüber ihren mondänen Städte-Rivalen, wo die Preise noch höher sind. Zürcher gelten als zu geschäftig und stets gestresst; die eleganten Genfer als abgehoben und die kunstsinnigen Basler als zu ichbezogen. Laut Schweiz-Insidern belächelt der Rest der Eidgenossen gerne die Langsamkeit der Berner, speziell der Berner Oberländer. „Wir Berner sind sehr entspannt – so wie unsere Bären“, kontert Nina trocken.

Wappentier

Wie Bern zum Namen, Wappentier und allgegenwärtigen Maskottchen (bis hin zu lebenden Bären!) kam, weiß niemand genau. Eine Legende besagt, dass das Fürstengeschlecht der Zähringer, das 1191 die Stadt gründete, vorab das erste bei der Jagd erbeutete Tier als Namensgeber auserkor. „Gott sei Dank war es kein Eichhörnchen!“, lacht Nina.

Der Bär ist omnipräsent in Bern – auch lebende Tiere sind in der Schweizer Stadt anzutreffen.

©Jörg-Brosche Claudia

Fakt ist: Bern war immer schon sehr reich und mächtig – und als Lebensmittelpunkt heiß begehrt. Auch als Touristenziel spielt das Postkartenidyll des Bundeshauptdorfes alle Stückerln. Ein Kontrast und Vorzeigeprojekt moderner Architektur ist das Zentrum Paul Klee, 2005 vom italienischen Stararchitekten Renzo Piano erbaut.

Im "Zentrum Paul Klee"

©Jörg-Brosche Claudia

Drei Gebäude-Wellen aus Glas, Stahl und Holz ein wenig außerhalb des Zentrums passen sich gut an die grüne, hügelige Landschaft an und beherbergen in ihrem Inneren die weltweit bedeutendste Sammlung an Werken des Malers Paul Klee, wechselnden Ausstellungen und das Kindermuseum Creaviva. Krachmoderne Wahrzeichen sind der Anbau des Historischen Museums und das Freizeit- und Einkaufszentrum Westside aus Glas und Beton von Daniel Libeskind: Am Bahnhofsplatz vereint es Shopping, Gastronomie, Wasserspaß, Wellness, Hotel sowie Kino unter einem Dach.

Karte Bern

©Grafik

Wer den Blick über die Dächer schweifen lässt, dem eröffnet sich bei klarer Sicht die Bergwelt mit Viertausender-Giganten wie Mönch, Jungfrau und Eiger. Ein Museum der Kraft, wenn man so will.

Infos

Klimafreundliche Anreise
Mit den ÖBB (auch per Nightjet) nach Zürich,  weitere 60-90 Minuten mit der SBB nach Bern (oebb.at und sbb.ch). Flüge nach Zürich mit Swiss oder Austrian Airlines CO2-Kompensation laut  atmosfair.de: 10 €

Übernachten
Swissôtel Kursaal Bern 4*S, zentrumsnah, 171 neu gestaltete Zimmer, schöner Altstadt-Blick; Rooftop-Grill. DZ Standard ab 149 €/N, DZ mit Balkon ab 190 €/N (ohne F). kursaal-hotel.ch

Rooftop-Bar im Swissôtel Kursaal Bern

©Jörg-Brosche Claudia

Essen 
– Restaurant Dampfzentrale. Kultort mit Aare-Terrasse; moderne mediterrane Küche. restaurant-dampfzentrale.ch

– Restaurant Bären, Oberbottigen. Uriges Ausflugslokal, Schweizer Spezialitäten; die Betreiber-familie Metzler stammt aus Spital am Semmering. baeren-oberbottigen.ch

Allgemein 
bern.com 

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