Nachtleben von Tel Aviv: Mit T-Shirt in der Minderheit

Ein Streifzug durch das Nachtleben von Tel Aviv: über elektronische Musik, freizügige Gäste und die strikte Trennung zwischen Gebet und Spiel.

Den Blick auf die bunte Leuchtreklame gerichtet, pflügt sich Doron – Glatze, Stiernacken, die Ärmel des Jeanshemds an den muskulösen Unterarmen hochgekrempelt – durch die Menge. Nächster Stopp bei seiner Führung durch das Nachtleben von Tel Aviv ist das Shpagat – untertags ein gemütliches Café, nachts eine der angesagtesten Clubs der Stadt, vor allem, aber nicht nur für die LGBTQIA-Community.

Bloß: Hineingelassen wird jetzt niemand mehr, nicht einmal Doron. Gegen Mitternacht ist die Bude gerappelt voll. Wie Doron und der Gruppe, die er im Schlepptau hat, geht es vielen Menschen. Und die tanzen jetzt eben nicht im Club, sondern davor auf der Straße: Irgendjemand in der Menschenmasse hat Musikboxen dabei.

©Lindorfer/KURIER

Der Anfang-Fünfzigjährige kennt in der „Stadt, die niemals schläft“ (in Anlehnung an den Slogan von New York City, Anm.) jeden Türsteher. Oder, besser gesagt: Jeder Türsteher kennt ihn. Und so dauert es nicht lang, da tippselt Doron mit Lesebrille auf der Nase auf seinem Handy herum und steuert schon das nächste Lokal an: Hier wird er vom Türsteher mit einem breiten Lächeln empfangen. 

In der Gegend um den Rothschild-Boulevard und die Allenby Street reiht sich ein Lokal an das nächste, eines der bekanntesten ist das Sputnik. Drinnen gibt es mehrere Räume, jeder einzigartig ausgestattet und beschallt; draußen einen großen Bereich mit Hinterhof-Flair, nur schöner. 

©Lindorfer/KURIER

Ähnlich das Kuli Alma: Über eine Stiege hinab gelangt man in einen urbanen Garten, Street Art ziert die Mauern. Ein buntes Labyrinth, ebenso bunt und spannend ist das Publikum, die Drinks sind leistbar und die Musik gerade so laut, dass man sich abseits der Tanzfläche noch unterhalten kann. 

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Doron muss also gar nicht schreien, als er erklärt: „In Jerusalem we pray. In Tel Aviv we play.“ In Jerusalem, der Heiligen Stadt, wird gebetet. In Tel Aviv wird „gespielt“ – und das recht konsequent das ganze Jahr hindurch. Jänner und Februar sind die kühlsten Monate, aber auch da hat es tagsüber um die achtzehn Grad, nachts im Durchschnitt sieben. 

Elektrisierend

Tel Aviv eignet sich gut für eine Flucht aus dem Alltag, gerade dann, wenn in Europa winterliche Temperaturen herrschen. Neben dem Nachtleben seien freilich auch der Strand, die Märkte im Zentrum und der 4.000 Jahre alte Stadtteil Jaffa mit seinen schmalen Gassen und den Künstler-Ateliers erwähnt. 

©Lindorfer Raffaela

Apropos Kunst – womit wir wieder beim Nachtleben wären: Weltbekannt ist Tel Aviv auch für seine lebhafte Musikszene, vor allem im elektronischen Bereich. DJ Offer Nissim zum Beispiel ist so etwas wie ein Nationalheld. Er hat für die Sängerin Dana International den Hit „Diva“ produziert, mit dem Israel 1998 den Eurovision Song Contest gewonnen hat.

Bei seinen Konzerten gilt (siehe Foto am Artikelbeginn): Wer ein T-Shirt trägt, ist in der Minderheit. Der Körperkult seiner Gäste ist auch etwas, wofür das Nachtleben Tel Avivs weltbekannt ist. 

Wir erinnern uns – gebetet wird in Jerusalem. 

Info

Anreise

Austrian Airlines  fliegt direkt von Wien nach Tel Aviv (austrian.com).-Kompensation via climateaustria.at: 14,73 €.

Bei der Einreise werden derzeit kein vorab ausgefülltes Online-Formular und kein negativer Corona-Test mehr verlangt, Pflicht ist aber eine Reiseversicherung, die auch die Behandlungskosten von Covid-19 abdeckt. 

Übernachten

Das Hilton befindet sich direkt am Strand, Doppelzimmer mit Meerblick gibt es pro Nacht ab ca. 420 €, eine noble Eck-Suite mit Kingsize-Bed ab ca.  900 €. Frühstücksbuffet  ist im Preis inkludiert. hiltonhotels.de/israel

Essen

– Ebenfalls am Strand: Im Restaurant Manta Ray am Alma Beach (Goldman St. 4) werden Fisch- und Meeresfrüchte-Spezialitäten serviert. Tipp: Gleich mehrere Vorspeisen und Desserts bestellen und am Tisch teilen, dann hat man mehr von der reichen Auswahl. mantaray.co.il

– Wer lieber in der City zu Abend isst, um sich dann gleich ins Nachtleben zu stürzen, für den empfiehlt sich das Aria (Nahalat Binyamin St 66). Im 1. Stock befindet sich eine Lounge, im zweiten das Restaurant – schick, aber gemütlich. ariatlv.co.il

Allgemeine Infos

goisrael.com

Raffaela Lindorfer

Über Raffaela Lindorfer

Seit 2011 beim KURIER. Bis 2013 beim KURIER Oberösterreich, danach bis 2015 als Salzburg-Korrespondentin tätig. Im April 2015 Umzug nach Wien, bis Mai 2016 als Reporterin in der Chronik, aktuell im Ressort Innenpolitik.

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