Ein digitaler Reiseführer durch die Streetart

Graffitis sind nach wie vor mit dem negativen Image von Vandalenakten behaftet. Innsbruck will den Kunstwerken mehr Aufmerksamkeit bescheren

Die Wände von Unterführungen, Häusern oder anderen Bauwerken sind die Leinwände, auf denen Streetart-Künstler ihre Graffitis verwirklichen. Wenn das über Nacht geschieht, dann in der Regel ohne die Zustimmung der Besitzer.

Dass sich der erste Gedanke dann nicht gleich ums Übermalen dreht – so es sich nicht wirklich um banale Schmierereien handelt – ist nicht zuletzt einem Künstler zu verdanken, der seine Identität hinter dem Pseudonym Banksy verbirgt.

Durch den Schredder

Schmückt er Hauswände mit seinen aufgesprühten Schablonenbildern, werden diese zu Touristenattraktionen. Die Werke des Briten erzielen bei Auktionen zweistellig Millionenbeträge. Dass er eines seiner Bilder 2018 bei einer Versteigerung ferngesteuert als Kritik am Kunstmarkt schredderte, steigerte dessen Wert nur noch weiter.

Im Herbst 2021 wurde das drei Jahre zuvor von Banksy geschredderte "Girl with balloon" als "Love is in the bin" um 16 Millionen Pfund versteigert

©APA/AFP/TOLGA AKMEN

Aber auch Graffitis, hinter denen kein großer Name steckt, können Aufputz für Städte sein. Innsbrucks Kulturamt will nun mehr Aufmerksamkeit für Streetart erzeugen, die in der Landeshauptstadt zu finden ist.

Ein neues Archiv

Am Dienstag ist eine neue Karte online gegangen, in der Standorte von mehr als hundert dieser (legal angebrachten) Kunstwerke angezeigt werden. Die Internetseite www.innsbruck.gv.at/streetart  ist aber auch ein Bildarchiv, in der diese Murals dokumentiert sind.

„Wir wollen mit der neuen Streetart-Karte die bunte Vielfalt der Murals im Innsbrucker Stadtgebiet zeigen, welche die Stadt selbst zur Leinwand machen“, erklärt Kulturstadträtin Uschi Schwarzl (Grüne).

„Mots“ heißt das Bild von HNRX in der Innsbrucker Kapuzinergasse

©IKM/N. Lawton

Die Stadt stellt seit Jahren Flächen legal und kostenfrei für Graffitis zur Verfügung. Nicht überall dürfe aber gesprayed oder gemalt werden, mahnt die Stadt. Empfohlen wird deshalb eine Anmeldung beim städtischen Tiefbauamt (eMail: [email protected]).

„Auf privaten Hausfassaden darf jedenfalls nur mit Einwilligung der EigentümerInnen bzw. der jeweiligen Hausverwaltung ans Werk gegangen werden“, wird gewarnt. Die neue Streetart-Map soll als Dokumentationsarchiv stetig überarbeitet werden, auch mithilfe von Inputs aus der Bevölkerung.

Wettbewerb

Die Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) Stadt schreibt zudem einen Graffiti-Wettbewerb aus. Im neuen Wohnviertel Campagne-Areal soll auf einer insgesamt 130 Quadratmeter großen Außenfassade ein Graffiti als Blickfang dienen.

Die Entscheidung trifft eine Fachjury im Sommer. Die Kosten für die künstlerische Fassade von rund 23.000 Euro trägt die IIG.

Über Christian Willim

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