Atemberaubendes Island: Gipfel der Schönheit

Island ist so etwas wie ein „Best of“ der Natur. Ein Konzentrat der nicht von Menschen geschaffenen Sehenswürdigkeiten. Warum jetzt die beste Zeit ist, sich nach Reykjavík aufzumachen. Eine Liebeserklärung.

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von Wien nach Reykjavík in 4 Std. 25 min

Von Nicola Afchar-Negad

Es gibt atemberaubend schöne Reiseziele – und es gibt Island. Die kleine Insel im Norden Europas spielt nicht nur in einer eigenen Liga, sie hat diese Liga erfunden. Kein anderer Platz der Welt bietet solch ein Naturschauspiel und schafft es auch noch, dieses mit Magie aufzuladen. Island ist ein Ort der Kontraste. Feuer trifft auf Eis, schwarze Strände auf gleißend hellen Schnee. Doch spätestens mit den „Game of Thrones“-Fans kam der Overtourism. Bis zur Pandemie waren es pro Jahr sieben Mal mehr Touristen als Einheimische.

Die Isländer profitierten zwar vom „Game of Thrones“-Effekt, aber nicht wenige fürchteten die „Disneyfizierung“. Auch Jewells Chambers erinnert sich daran, vor Ausbruch der Pandemie von Overtourism gelesen zu haben. Die gebürtige New Yorkerin lebt seit 2016 der Liebe wegen in Island und bloggt unter dem Namen „Allthingsiceland“ über ihre Wahlheimat. Chambers betont, dass es sich bei diesen Rekordzahlen aber immer um Südisland gedreht habe – und das ist ein wichtiger Punkt.

Gletscherwanderungen und Eishöhlentouren gehören einfach dazu. Vatnajökull (Bild) ist der größte Gletscher Europas

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Goldener Kreis

Der Tourismus konzentriert sich stark auf diese überschaubare Region, zu der nicht nur die Hauptstadt Reykjavík gehört, sondern auch der „Golden Circle“, eine Autoroute, die in wenigen Stunden zu den Natur-Blockbustern führt. Der Thingvellir-Nationalpark, das Geysir-Geothermalgebiet und der Wasserfall „Gullfoss“. Dieses geografische Konzentrat macht Island auch für Kurzreisen interessant. Da man von Wien aus mit nur einem Zwischenstopp in die nördlichste Hauptstadt der Welt fliegen kann, reichen im Fall auch fünf bis sechs Tage für ein erstes Island-Abenteuer.

Wer an Island denkt, denkt auch an die gleichnamigen Pferde.

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Insbesondere wer in den Wintermonaten reisen möchte, wird sich auf den Südwesten der Insel konzentrieren, im Norden kann es bis Mitte April recht ungemütlich sein. Chambers bezeichnet sich selbst als „Team Sommer“. „Was mir am Sommer am besten gefällt: Die Mitternachtssonne! Es ist rund um die Uhr hell und man kann zu jeder Tageszeit etwas unternehmen. Mitternachts-Wanderungen sind mein Highlight.“ Das große Aber: die Nordlichter kann man nur von Oktober bis Mitte April sehen. Also jetzt! Es gibt neun Intensitätsgrade, Chambers hat in den knapp sechs Jahren, die sie auf Island unterwegs ist, Grad 5 oder 6 erlebt. „Ab Grad 3 sieht man etwas“, erklärt sie. Als Tourist macht man sich am besten mit einem Guide auf den Weg, der kennt dann auch die besten Apps, um mit Vierradantrieb in die richtige Ecke der Insel zu brettern.

Die „Aurora Borealis“ mit eigenen Augen zu sehen ist ohne Frage ein „Once-in-a-lifetime“-Erlebnis, das die kälteren Temperaturen in den Wintermonaten rechtfertigt. „Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, ist die nach der perfekten Reisezeit“, überlegt die New Yorkerin. „Aber die gibt es nicht. Es kommt einfach ganz stark darauf an, was man sehen und machen möchte.“

Typisch isländisch: Lopapeysa

Wer jetzt noch spontan ist, sollte auf jeden Fall clever packen, der Schichtenlook ist unerlässlich. Den typischen Isländer-Wollpullover („Lopapeysa“) kauft man am besten vor Ort, aber Achtung: Es gibt mittlerweile auch auf der Insel viel China-Ware. Apropos Import: Bitte darauf einstellen, dass im Land von Feuer und Eis sehr viel sehr teuer ist, die Insulaner müssen fast alles importieren. Auch die Strafen für zu schnelles Autofahren sind empfindlich hoch.

Letztes Jahr sorgte der Fagradalsfjall sechs Monate lang für einen Instagram-Trend: Selfies mit aktivem Vulkan im Hintergrund

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Lopapeysa, was für ein Wort. Auch darauf kann man sich gleich einstellen. Isländisch ist für Menschen von außerhalb fast unaussprechbar, ja nicht einmal merkbar. Die Tourguides machen sich daraus gerne einen Spaß und das, obwohl sie selbst beim Thema Elfen keinen verstehen.

Zu den gut 360.000 Bewohnern gesellen sich unzählige magische Gestalten und spricht man Einheimische darauf an, bekommt man oft zu hören: „Ich weiß nicht, ob sie existieren. Aber falls doch, will man es sich lieber nicht mit ihnen verscherzen.“

700 Einwohner, alte Holzhäuser und eine Regenbogen-Straße: Seyðisfjörður liegt etwas abgelegen im Osten, ist im Sommer aber die Fahrt wert

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Isländer sind sehr nahbar, aber kaum zu fassen. Sie berichtigen einen, wenn man von Feen statt Elfen und von Islandponies statt -pferden spricht und flüstern in der Gletscherhöhle, dass hier einst Trolle gehaust hätten. Und das tun sie, ohne mit der Wimper zu zucken.

In Island, einem der als letzten besiedelten Länder der Welt, ist gefühlt alles anders. 85 Prozent der Energie stammen aus erneuerbaren Energiequellen, es gibt 130 Vulkane – und Gletscher besetzen etwa elf Prozent der Landfläche. In Island wird das Problem der globalen Erwärmung augenscheinlich. Pro Jahr gehen circa 40 km² an Gletscherfläche verloren. Es gibt fermentierten Hai, aber, so berichtet Chambers, seit 2019 zumindest kein Walfleisch mehr als Pizza-Topping. Whalewatching ist somit die einzige Möglichkeit, den Riesen der Meere näherzukommen.

Die traditionelle isländische Küche ist nicht immer leichte Kost, aber zumindest im Fall der Lammsuppe eine delikate. Bei fermentiertem Hai scheiden sich dagegen die Geister. 

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Heiß baden

Die Liste der angebotenen Aktivitäten ist in etwa so lang wie die Mauer bei „Game of Thrones“. Klettern – am und sogar im Gletscher beispielsweise. Oder im zwei Grad kalten Wasser der Silfra-Spalte schnorcheln, wissend, dass man sich zwischen der europäischen und amerikanischen Kontinentalplatte befindet. Das kann schon was! „Auch nach sechs Jahren in Island entdecke ich immer noch Neues. Letztes Jahr war ich zum Beispiel beim Wasserfall Nauthúsagil. Kaum ein Tourist kennt ihn, es ist einfach traumhaft dort!“, so Digital-Marketing-Expertin Chambers. Auch bei den öffentlichen Geothermal-Pools lohnt sich eine genauere Recherche. Es gibt nicht nur die „Blaue Lagune“. „Es findet sich fast in jedem Ort ein öffentlicher Pool, insgesamt sind es um die 120. Und genau hier trifft man dann die Einheimischen“, verrät sie.

Das Baden in warmen Lagunen, wie hier in der „Sky Lagoon“, ist auch bei Einheimischen beliebt 

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Auch viele der Glas-Lodges, die auf Island boomen, haben einen privaten Hot Tub. Beispiel „Panorama Glass Lodge“, deren Standorte seit dem Start 2018 gefühlt ständig ausgebucht sind. Hier nächtigt man im Viking-Stil, soll heißen: „Dunkel, rustikal und mystisch mit Akzenten von Holz, Metall und Stein“, erklärt Eigentümerin Sabrina Dedler. „Wir mögen alles, das dunkel ist, auch das Wetter.“ Aber nicht nur Glas Lodges und Cabins sind beliebt, wie Chambers beobachtet: „Es poppen immer mehr 5-Sterne-Hotels der großen Ketten auf. Das Edition in Reykjavík zum Beispiel.“

Die Hauptstadt, in deren Großraum zwei Drittel der Isländer zuhause sind, gilt bei vielen Branchenkennern als eine Trenddestination 2022. Bars und Restaurants reihen sich hier aneinander, Musik ist ein großes Thema und man kann alles zu Fuß machen. Walfisch-Pizza gibt es hier wie gesagt hoffentlich nicht mehr, aber stattdessen die Ìslenks Kjötsúpa, die traditionelle isländische Fleischsuppe. Klingt mächtig. Aber „es gibt auch eine große Auswahl an vegetarischen Restaurants“, lacht Veganerin Chambers. Da sind sie wieder, die Kontraste.

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