"Ich hatte eine Affäre, doch dann rief mich (s)eine Frau an"

Annemarie Josef

von Annemarie Josef

Heimliche Affären bleiben oft ein Geheimnis. Eine Frau verrät, wie sie zur Geliebten wurde und die verbotene Liebe aufflog.

Das ist die Geschichte von Karin, 34, die sich auf etwas einließ, was sie eigentlich nie wollte. Dabei begegnete sie einem Mann, der ihr gab, was sie suchte, aber nicht nur ihr. Der freizeit erzählt sie von dieser verbotenen Affäre und einem überraschenden Anruf, der alles veränderte.

Das Handy hatte SEINE Nummer angezeigt, es war Sonntag, sonntags hatten sie noch nie telefoniert oder einander getroffen. Karin zögerte, als sie den Anruf entgegennahm.

„Hallo?“

„Was willst du von ihm?“, fragte eine fremde Stimme. Es war eine Frauenstimme, sie klang ruhig und bestimmt.

Karin fühlte sich sofort wie eine Verbrecherin. „Ja, so war das, als hätte man mich bei einer Lüge erwischt, mir war sofort klar, das musste seine Frau sein.

Trotzdem fragte sie: „Wer ist da?“ 

„Lass die Finger von ihm, er gehört mir“, kam die Antwort. 

Also ja, seine Frau. Auf eine andere Idee wäre Karin in diesem Moment gar nicht gekommen.

Karin, 34, wird uns ganz offen erzählen, wie sich ihre kleine Liebesgeschichte mit einem verheirateten Mann zugetragen hatte. Und wie diese dann auch noch aufflog, aber anders als man meinen würde.

„Das war wie ein Albtraum“, erinnert sie sich. „Ich sagte der Ehefrau, dass es mir leid tue, dass da noch gar nicht wirklich viel lief mit ihrem Mann. Es tat mir wirklich leid. Sofort wurde mir klar, was das für ein Schmerz für sie sein musste. Zu lieben und dabei betrogen zu werden. Ich hatte das ja selbst erst kurz davor erlebt, wie das ist, wenn der Mensch einen hintergeht, der einmal sagte, dass man das Wichtigste für ihn sei.

"Wie mutig von ihr, mich anzurufen"

"Wie lange geht das schon mit euch", fragte die fremde Frau.

Karin erinnert sich heute noch, was sie in diesem Moment dachte: „Was für eine Stimme. Sie war nicht nur ruhig, sondern auch warm, fast etwas rauchig. Ich hatte sofort das Bild einer Frau mit schwarzen Locken vor Augen. Einer temperamentvollen Frau. Wie mutig von ihr, mich anzurufen, sich als betrogene Frau zu deklarieren. Genau dorthin zu gehen, wo es wehtut, mich zur Rede zu stellen.“

Karin selbst hatte ihre einstige Liebe mit der Neuen einfach davonziehen lassen. Niemanden hatte sie mit ihrem Schmerz konfrontiert. Nicht ihren mittlerweile Ex-Mann und auch nicht ihre einstige Freundin, die mit ihm gerade zusammengezogen war.

Karin denkt lange nach, bevor sie folgenden Satz im Gespräch mit der freizeit sagt: „Warum hatte ich mich überhaupt auf diesen Mann eingelassen, einen verheiratete Mann? Ich wusste ja, dass er nicht frei war. Aber ich begehrte ihn, genoss die Art, wie er mich anschaute, als wäre er sich seiner Sache sicher. Die Art, wie er mich scheinbar zufällig berührte, als gäbe es gar keinen anderen Weg.“ Alles schien möglich, aber nichts musste sein.

Wie alles begann

Gefunkt hatte es zwischen den beiden am Geburtstag von Karins Schwester. „Ja, ER und meine Schwester waren sogar mal ein Paar.“ Doch das war schon sehr lange her, es war eine Jugendliebe.

 

Dann wurde die Musik langsam

©Getty Images/suteishi/iStockphoto

Meine Schwester hatte immer die tolleren Männer, aber an diesem Abend fand ich mich selbst gut und schön: Wir tanzten ausgelassen. Dann wurde die Musik langsam, unsere Körper waren einander plötzlich sehr nah.“ Sie bewegten sich, ohne sich zu bewegen, seine Hände dort, wo sie in so einem Moment auf der Tanzfläche gerade noch sein durften. 

„Eine schöne Erinnerung“, sagt Karin „Es war ein Gefühl wie in der Pubertät, weil es etwas Verbotenes hatte. Der Blick meiner Schwester traf mich kurz. Ich lächelte sie an, sie schüttelte fast unmerklich den Kopf, was sicher hieß ,tu es nicht’.“

„Dieses Kopfschütteln meiner Schwester schoß mir sofort als Bild in den Kopf, als ich mit dieser Frau am Telefon sprach. Wie konnte das ausgerechnet mir passieren.“

Karin hatte ihre eigene Abmachung gebrochen: Verliebe dich nur in Männer, die sich voll und ganz für dich entscheiden.

Als wäre er der Gefangene

Aber es sollte anders kommen: "Er rief mich an, schrieb mir und hatte die Gabe, mir das Gefühl zu geben, als sei er verrückt nach mir, nur nach mir.“ Außerdem fand Karin gefallen am Versteckspiel. „Getroffen haben wir uns eigentlich gar nicht so oft, wir haben mehr darüber gesprochen oder gechattet. Es war mehr Sex im Kopf als in der Realität, aber mit allen Spielarten, ich hatte große Erwartungen, was da noch kommen möge. Er gab mir dabei immer mehr das Gefühl, als wäre er der Gefangene, der frei sein wollte, und ich könnte der Schlüssel dazu sein. Zu seinem neuen Leben, zu unserem neuen Leben.“

Für Karin fühlte sich die junge Liebe so ähnlich an, wie wenn man vom Lottogewinn träumt. „Es erschien erreichbar und unerreichbar zugleich, vor allem war es tröstlich, davon zu träumen.“

Im Nachhinein glaubt Karin, dass sie nie ernsthaft mit ihm zusammenkommen wollte, das sei aber vielleicht auch nur Selbstschutz. „Ich liebte die Unverbindlichkeit, die ja durch unser Versteckspiel gegeben war. Das war okay  nach meinem eigenen schmerzvollen Verlust von Mann UND Freundin. Aber nur, weil diese Unverbindlichkeit als Möglichkeit zu mehr getarnt war.“

Jetzt da sie die vermeintliche Ehefrau am Telefon hatte, war Karin ganz klar, wie sie zu reagieren hatte. 

„Ich will deiner Ehe nicht im Weg stehen“, hörte sie sich sagen, und: „Es tut mir leid, dass ich dir das angetan habe.“ Was sie sagte, fühlte sie auch so, die Entschuldigung fiel ihr leicht.

Vielleicht auch, weil ich insgeheim ahnte, dass es nur ein nettes, verbotenes Spiel war.“ Ihr Ziel war ja erreicht: Sie fühlte sich wieder als begehrte Frau.

"Ich bin nicht seine Ehefrau"

Doch das Gespräch, das nach Karins Entschuldigung folgte, wird ihr für immer unvergesslich bleiben.

„Ich bin nicht seine Ehefrau“, hörte Karin die Worte der fremden Frau flüstern.

„Wie bitte?“

„Ich bin nicht seine Ehefrau.“

„Wer bist du dann?“

„Seine Geliebte.“

„....?“

„Wir sind schon seit einigen Jahren zusammen, seine Ehe funktioniert schon lange nicht mehr“, sagte die Geliebte.

Karin fiel dazu nichts ein. „Ich war perplex, da hatte ich mir gerade Sorgen gemacht, eine Ehe zerstört zu haben, dabei hatte er schon längst diese Geliebte?“ 

Diese wollte dann auch noch von Karin wissen, was ER von IHR, Karin, wolle. „,Ich weiß es nicht’, antwortete ich wahrheitsgemäß und dachte sofort an all die Worte, die er mir gesagt oder geschrieben hatte: ,Du bis mein ein und alles, mit dir möchte ich für immer zusammensein. Du bist die Frau, die ich so lange gesucht habe, nach der ich mich immer verzehrt habe, wo warst du nur? Wo hast du dich versteckt? Lass uns gemeinsam einen Ort finden, wo wir neu beginnen können. Komm mit mir. Ich für immer mit dir sein.’ Wer erzählt so etwas, wenn er es nicht so meint?“

Das Telefongespräch der beiden Frauen dauerte lang, sie tauschten sich aus, stellten Gemeinsamkeiten fest. Hatten sie doch beide nach Vertrauen, Verlässlichkeit, Spannung, Nähe und Begehren gesucht.

Er liebte es, sich über die Liebe mit Worten und Plänen auszutauschen, Komplimente zu machen, zog Treffen vor, wo man sich verstecken musste, statt irgendwo hinzufahren, wo man sicher sein konnte, dass man alleine war. Und seine Worte waren scheinbar überall dieselben, dass die Geliebte Katrin hieß, hielt Karin nicht für Zufall. So ein mehrgleisiges Liebesleben sei sicher anstrengend. „Vermutlich saßen noch irgendwo eine Kathi, Caro und Karina.“ Er hatte die Frauen emotional gefüttert mit allem, was sie hören wollten. 

„Für Katrin, die Geliebte, war es schlimmer als für mich. Ich wollte ja eigentlich auch nur spielen, mal etwas Verbotenes tun. Dass er aber viel mehr spielte, sogar gleichzeitig mit mehreren Menschen, damit hätte ich nie im Leben gerechnet.“

"Ich habe so viel Liebe zu geben"

Tage später rief ER Karin an. Sie hatte sich aufgeschrieben, was sie sprachen, um es niemals zu vergessen.

„Was willst du?“, fragte sie ihn.

„Ich wollte dir nur sagen, dass ich alles so gefühlt habe, wie ich es sagte.“

„Gefühle können täuschen.“

„Ja“, sagte er, „aber es war doch schön.“

„Wie viele Frauen hast du denn so im Schnitt zur gleichen Zeit?“

„Was für eine Frage.“

„Liege ich damit nicht richtig?“

„Doch“, sagt er. „Aber ich habe so viel Liebe zu geben.“

„Oder zu zerstören“, antwortete Karin.

Danach schwiegen sie, Karin weiß nicht mehr, wer zuerst auflegte.

Ein Jahr später sprach sie mit ihrer Schwester darüber. „Sie erzählte mir, dass er seine Frau verlassen habe. Besser gesagt, dass sie ihn rausgeschmissen hatte, dass er für einige Zeit bei seinen Eltern unterkam und dass er schon zur Schulzeit mehrere Freundinnen gleichzeitig hatte, auch als sie, meine Schwester und er ein Paar waren.“

Manche Dinge ändern sich eben nie.

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Liebesgeflüster

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Annemarie Josef

Über Annemarie Josef

Stv. freizeit-Chefredakteurin und Chefin vom Dienst des KURIER Magazins. Lebt, liebt und arbeitet seit 1996 in Wien. Gewinnerin des Hauptpreises/Print bei "Top Journalist Award Zlatna Penkala (Goldene Feder)" in Kroatien. Studium der Neueren Deutschen Literatur in München. Mein Motto: Das Leben bietet jede Woche neue Überraschungen.

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