Warum können wir eigentlich im Kopfstand trinken?

Andreas Bovelino

von Andreas Bovelino

Fragen der Freizeit... und Antworten, die Sie überraschen werden. Diesmal Oma´s Methode gegen Schluckauf.

Prinzipiell könnten wir hier gleich zu Beginn eine Gegenfrage stellen, die sich geradezu aufzudrängen scheint: Warum um alles in der Welt sollte man das denn tun? Also versuchen, auf dem Kopf stehend zu trinken? Zugegeben, wir kommen nicht jeden Tag in diese Situation, aber sagen wir einmal, ein lästiger Schluckauf quält uns, und wir finden keinen Weg, ihn loszuwerden, weil niemand da ist, um uns zu erschrecken, und, seien wir uns ehrlich, jemanden geplant zu erschrecken meist auch nicht den nötigen Schockeffekt mit sich bringt. Der Schluckauf ist übrigens ein Phänomen, das schon Platon beschäftigt hat, die alten Griechen erzählten sich Storys über Tyrannen, die durch jahrelanges Leiden an der lächerlichen Sache gestorben wären. Was also tun? 
Es bleibt die Möglichkeit, 357 Mal zu schlucken ohne Luft zu holen – oder, wie meine Oma uns Kindern unter kaum unterdrückbarem Lachen erklärte, ein Glas Wasser zu trinken, während man vorne über gebeugt, den Kopf quasi zwischen den Knien hat. Diese Stellung entspricht am ehesten einem Kopfstand, wenn man ihn nicht kann, würde ich sagen. Und siehe da, wenn wir uns nicht zu Omas Freude das Glas Wasser ins Gesicht schütteten, weil wir den Rand, wie gewohnt, zur Unterlippe führten, sondern es tatsächlich schafften, das Wasser oder zumindest einen Teil davon, in den Mund zu bekommen – konnten wir es auch problemlos schlucken. Kopfüber. Wie das funktioniert? Ein Blick ins Biologie-Buch meines Sohnes gibt Aufschluss. Es ist nämlich nicht so, dass wir Flüssigkeiten, die wir trinken, einfach in uns hineinleeren und die dann wie in einem Abwasserkanal hinabstürzen, auch wenn es bei geübten Bierkrug-Ex-Trinkern den Anschein haben mag. Nein, die Speiseröhre ist ein Muskelschlauch, der die Aufgabe hat, alles, was hineinkommt, aktiv in den Magen zu befördern. Getränke und Speisen gehorchen also nicht einfach der Schwerkraft, sie werden von diesem Muskelschlauch vorangetrieben. Im Normalfall hinunter – wenn's sein muss, aber eben auch hinauf. 
Und ja, übrigens: Omas Methode hat als einzige zu 100 % gegen Schluckauf geholfen!

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Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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