"ÜberLeben": Zehn Jahre ohne Auto

Zeit, Geld und Nerven gespart.

Es sind jetzt genau zehn Jahre, dass ich kein Auto mehr besitze. Und  habe das keinen einzigen Tag bereut – im Gegenteil: Ich habe  ungeheuer viel Geld, Zeit und Nerven gespart.

Vor zehn Jahren fuhr ich mit meinem garagengepflegten, nicht übermäßig oft gefahrenen, gerade fünf Jahre alten Fiat zum Service und erhielt dort die doch überraschende Auskunft, dass mein Auto kaputt sei, ein Totalschaden – „a klassischer Wirtschaftlicher“, wie sich der Mensch von der Werkstatt ausdrückte. Aber zufällig könne er mir einen Neuwagen zu einem guten Preis ... Ich antwortete etwas nicht sehr Höfliches, ging zu Fuß weg und fühlte mich herrlich frei.

Mir ist bewusst, dass ich privilegiert bin. Ich wohne zwar nicht in Wien, aber gleich neben einer Station der Badner Bahn, habe also guten Öffi-Anschluss. Außerdem arbeite ich im Home Office – mein Arbeitsweg beträgt fünf Meter. Ich gehe viel zu Fuß, nehme die Öffis, wenn es nötig ist, die Vespa. Und wenn ich tatsächlich einmal ein Auto brauche, etwa, um etwas Großes zu transportieren, borge ich es mir aus.

Gute Freunde von mir leben auf dem Land. Sie haben keine Chance, das Leben ohne Auto zu bewältigen. Der Bus kommt ungefähr zweimal im Monat und fährt dann nicht dorthin, wo sie wohnen.

Ich muss gestehen, ich mag Autos nicht. Ich finde sie hässlich, laut, gefährlich und umweltschädlich. Ich habe überhaupt nur deshalb den Führerschein gemacht, weil meine damalige Freundin erklärte, ein Mann ohne Auto sei kein Mann. Die Beziehung hielt nicht lange – ich wollte nie Auto fahren, mir ist dabei so unendlich langweilig. Außerdem finde ich den Besitz und Betrieb eines Autos einfach viel zu teuer.

Als ich ein Kind war, hatte ich ein Buch, in dem stand, dass im 21. Jahrhundert alle mit fliegenden Autos unterwegs sein würden. Darauf warte ich. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann ja auch fliegende Vespas.
 

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "GUITAR SOLO - Der Letzte dreht das Licht ab" ist am 13. Oktober und am 22. November im Theater am Alsergrund in Wien zu sehen und am 25. November im Kuga in Großwarasdorf.

Guido Tartarotti

Über Guido Tartarotti

Guido Tartarotti wurde, ohne vorher um Erlaubnis gefragt worden zu sein, am 23. Mai 1968 zur Mödlinger Welt gebracht. Seine Eltern sind Lehrer, und das prägte ihn: Im anerzogenen Wunsch, stets korrekt und dialektfrei zu sprechen, glaubte er bis in die Pubertät, Vösendorf heiße eigentlich Felsendorf. Das Gymnasium Perchtoldsdorf, wo es damals u. a. eine strenge Einbahnregelung für die Stiegenhäuser gab, verzichtete nach einigen Verhaltensoriginalitäten seinerseits nach der fünften Klasse auf seine weitere Mitarbeit. Also maturierte er in der AHS Mödling-Keimgasse. 1990 begann er in der KURIER-Chronikredaktion. 1994 wurde er Leiter der Medienredaktion, ein Jahr darauf auch der Kulturredaktion. Beide Positionen legte er 2004 zurück, um wieder mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

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