Trendsport Klettern: Welche unerwarteten Gesundheitseffekte er bringt

Sportklettern boomt. Dabei kräftigt es nicht nur Finger und Arme. Positive Effekte hat es unter anderem auch auf die Koordination, das Gedächtnis und die Psyche.

Es war eine historische Medaille: Der Innsbrucker Jakob Schubert holte im Vorjahr in Tokio bei den Olympischen Sommerspielen die Bronzemedaille im Klettern. Historisch war sie deshalb, weil Klettern erstmals als Olympische Disziplin zugelassen war. Und auch wenn kurz danach die Niederösterreicherin Jessica Pilz ganz knapp an an einer Medaille vorbeiging: Sportklettern - in all seinen Formen Indoor und Outdoor, Seilklettern ebenso wie Bouldern - liegt im Trend, nicht nur im Profisport, gerade auch im Freizeitbereich.

Was dabei vielfach unterschätzt wird: Diese Sportart liefert eine Vielzahl an positiven Gesundheitseffekten für Körper und Psyche, die vielen auf den ersten Blick gar nicht so bewusst sind.

Die Herz- und Lungenfitness wird deutlich erhöht - bei Spitzenathleten steigt laut einer US-Untersuchung die Herzschlagrate auf bis zu 150 Schläge pro Minute. Gleichzeitig ist es ein gutes Muskeltraining für den gesamten Körper: "Es ist keine Überraschung, dass man in den Armen viel Kraft aufbaut, aber Klettern ist ein Ganzkörpertraining", sagt Zack DiChristino, Physiotherapeut des Kletter-Nationalteams der USA, in einem Interview mit CNN.

"Es trainiert auch die Bauch- und Gesäßmuskeln, die Oberschenkel und vieles mehr. Vielen sei nicht bewusst, dass bei der geeigneten Technik auch der Unterkörper ein Workout durchmacht."

©Getty Images/Anchiy/iStockphoto

Verbessert werden auch Beweglichkeit, Balance und Koordination. "Klettern erhöht das Körperbewusstsein und verbessert auch die Art und Weise, wie man sich bewegt", sagt der US-Kletterguide Nick Wilkes.

Kletterer sind aber auch geistig topfit: Sie müssen ihre Routen auswählen, planen, sich einprägen. "Sie brauchen aber auch eine Kompetenz in der Lösung von Problemen, etwa, wenn ein unerwartetes Hindernis auftritt und die Route geändert werden muss", sagt DiChristino.

Eine Studie der Universität von Nordflorida zeigte, dass Klettern die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses um 50 Prozent erhöht. Frauen sind, wenn sie mit dem Sport neu beginnen, besser als Männer, weil sie es gewohnt sind, körperliche Probleme mit ihrem Gehirn zu lösen, weiß Kletterguide Wilkes aus seiner Erfahrung in Madison, Wisconsin.

Jessica Pilz in Tokio.

©APA/GEORG HOCHMUTH

Speziell beim Seilklettern mit einem sichernden Partner am Boden werden auch Kommunikation und Vertrauen gefördert - beides Grundvoraussetzungen für die eigene Sicherheit. "Als Kletterer muss ich deutlich kommunizieren mit dem Sichernden, wie es mir geht, ob ich eine Pause benötige oder ob ich irgendetwas ändern möchte", sagt Fitness-Coach Lindsay Wenndt.

Dasselbe gilt aber auch für den, der sichert. "Der Sichernde muss seinen Partner ermutigen, ihm bei Problemen helfen, eine effizientere Route zu finden und Erfolge wie das Überwinden eines Hindernisses oder das Erreichen eines Ziels wie ein Cheerleader bejubeln."

Und nicht zuletzt fördert Klettern auch die psychische Gesundheit und die Gemeinschaft: So zeigten Studien, dass es unterstützend bei der Therapie von Depressionen sein kann - aufgrund der positiven körperlichen, sozialen und mentalen Effekte. "Es ist auch eine gute Möglichkeit, Menschen kennenzulernen", sagt DiChristino. Und Wilkes ergänzt: "Klettern ist wie ein Spiegel, der dir zeigt, wie du mit Angst, Enttäuschungen und Erfolg umgehst sowie auch mit deinem ganzen Leben insgesamt."

Kommentare