Opern-Playlist: Götter, Liebende und Gefangene im Home Office

Peter Jarolin

von Peter Jarolin

Geht es den Protagonisten der Opernliteratur besser als uns im Lockdown? Nein, aber die Musik ist schöner.

Wir müssen wieder einmal zu Hause bleiben, das große Kino (oder auch die Schmierenkomödie) findet nur politisch via Bildschirm statt. Lockdown Nummer Vier suggeriert uns nämlich: „Home, Sweet Home“. Ein Motto, das auch für die Opernwelt gilt. Denn viele Figuren aus den größten Meisterwerken sehnen sich nach einer Heimat oder haben eine solche. Nicht immer mit glücklichem Ende. Eine völlig subjektive (unvollständige) Liste der „besten“ Heimarbeiter.

Walhall! Was haben Gottvater Wotan und seine Getreuen in Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ nicht alles gegeben, um ihr neues, komfortables Zuhause beziehen zu können. Viel Gold – so lebt es sich ganz gut im Götter-Homeoffice. Blöd nur, dass sich die Welt weiterdreht und die hübsche Behausung am Ende in Flammen aufgeht. Also bitte nicht nachmachen!

Wenn wir schon bei Wagner sind: Wer kann es Hunding in der „Walküre“ verdenken, dass er unter seinem Schwert Notung (das kann keiner aus einem Baum ziehen, denn Zimmerpflanzen sind bekanntlich resolut) einfach nur fernsehen möchte? Doch dann kommt die (neudeutsch formuliert:) „Home Invasion“ durch einen gewissen Siegmund, der kurz noch mit Hundings Frau Sieglinde einen „Wonnemond“ erleben darf, ehe letztlich alle drei ihr Leben aushauchen. Nicht die perfekte Anleitung für „Schöner Wohnen“.

Besucher zur Unzeit

Schön wohnt hingegen die Marschallin im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss. In einem Wiener Palais genießt sie einen freiwilligen Lockdown mit ihrem Liebhaber Octavian, genannt Quinquin, doch dann kommen neben ihrem Verwandten Baron Ochs zu einer Unzeit auch sämtliche Bittsteller und ein Sänger gleich dazu. Will man das im Morgengrauen? Wohl eher nicht. Also keine Türen öffnen zu dieser Zeit!

Türen öffnen würde wiederum Rosina in Gioachino Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ mehr als gerne. Doch ihr Vormund Bartolo hat über die schöne, junge Frau eine Art Lockdown verhängt, um sie vor Graf Almaviva zu beschützen. Wer Mozarts „Nozze di Figaro“ kennt, weiß, dass dieser (allerdings nicht ganz uneigennützige und gescheiterte) Lockdown eventuell kein Fehler war.

Viele Kollateralschäden

In einer Art Lockdown befinden sich auch Mimi und Rudolfo in Giacomo Puccinis „La Bohème“. In einer kleinen Mansarde (okay, sie halten die 2 G Plus-Regel ein und dürfen daher auch ins Café Momus gehen) leben und lieben sie. Dass Mimi stirbt, ist eine Art krankheitsbedingter Kollateralschaden. Eine Erfahrung, die auch Baron Scarpia in Puccinis „Tosca“ machen muss. Da lebt es sich so herrlich im wunderschönen (wer jemals dort war, kann das bestätigen) Palazzo Farnese. Er lädt sich aber mit Tosca die „falsche Frau“ ein und ist genauso wie sie wenig später tot. Dumm gelaufen.

Ähnliches gilt für Radames und Aida, die sich in Verdis Oper „Aida“ einem eher unfreiwilligen Lockdown in Form einer Grabkammer hingeben müssen. Eingesperrt zu sein, war noch nie gut. Das weiß übrigens auch Florestan in Ludwig van Beethovens „Fidelio“. Doch der darf zuletzt wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Das haben auch Violetta Valéry und Alfredo Germont in Verdis „La Traviata“ ausführlich getan, ehe sie sich zu einem freiwilligen Lockdown auf das Land zurückgezogen haben. Blöd nur, dass auch in dieser Oper die These „Home, Sweet Home“ kein gutes Ende findet. Also einfach bald wieder rausgehen und leben!

Peter Jarolin

Über Peter Jarolin

Kommentare