Yassification: Memes verpassen Kunstwerken und Promis Schönheitsfilter

Daniel Voglhuber

von Daniel Voglhuber

Das Internet hat einen neuen viralen Trend. Bekannte Gesichter werden mit einer App glattgebügelt und gleich gemacht.

"Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" von Jan Vermeer hat auf einmal eine eklatante Ähnlichkeit mit Kim Kardashian oder anderen Instagram-Schönheiten. So recht lassen sie sich alle auf Fotos ohnehin nicht mehr voneinander zu unterscheiden, weil individuelle Gesichtszüge glattgebügelt sind. Und das ist eigentlich ganz schön fad.

Aber auch ein Charakterkopf wie Sigmund Freud hat ein neues Gesicht verpasst bekommen. Statt Bart und Halbglatze schmücken schulterlanges Haar, hohe Wangen und volle Lippen seinen Kopf.

Zu sehen gibt es das und noch viel mehr auf dem Twitter-Account Yassify Bot, der gerade groß im Netz ist und dem sich mittlerweile auch schon die New York Times angenommen hat.

Auf Englisch meint "to yassify”, wenn man ein Bild mit Schönheitsfiltern des Dienstes FaceApp bearbeitet. Den Charakteren (meist sind es Berühmtheiten) werden langen Wimpern, Make-up, Highlights und noch viel mehr verpasst, bis sie nicht mehr erkennbar sind. FaceApp stand in der Vergangenheit wegen Verletzungen der Privatsphäre und wegen des "Hot"-Filters in der Kritik.

Dieser sollte das Gesicht "hot" machen, indem er es aufhellte, die Augen vergrößerte und die Nase anpasste. Das Gesicht wirkte europäisch, FaceApp sah sich mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Der Gründer entschuldigte sich und verwies auf einen Fehler der künstlichen Intelligenz.

Der Ausdruck "yass" wiederum stammt aus der US-amerikanischen LGBTIQ-Szene und kursiert hier schon seit den 1980ern. Es heißt nicht viel anderes als "yes" und soll Begeisterung zum Ausdruck bringen.

Auf Twitter tauchte das Wort "yassification" 2020 in verschiedenen Memes auf. Bekannt wurde besonders eine Bearbeitung der Schauspielerin Toni Colette, während sie im Horrorfilm "Hereditary - Das Vermächtnis" schreit.

Der nun aufgetauchte Yassify Bot verrät auf Twitter, dass er gar kein Bot ist, sondern er sich nur ein Monats-Abo von FaceApp pro gekauft habe und damit Schabernack treibt. Wie die New York Times und die Teen Vogue herausgefunden haben, steckt dahinter ein 22-jähriger College-Student aus Omaka, der seinen echten Namen nicht nennen will und sich als  Denver Adams vorstellt. 

"Ich weiß selbst nicht, ob hinter diesem Meme-Trend ein tieferer Sinn liegt. Müsste ich eine Theorie aufstellen, würde ich sagen, das zeigt, wie lächerlich, aber auch smart diese künstliche Intelligenz ist." Immerhin könne sie ein rotes Gesicht mit einem Klick innerhalb in einer Sekunde aufhellen. "Ich weiß nicht, ob ich das schrecklich finden soll. Aber man macht sich darüber lustig, das gefällt mir. Ich würde sagen, das ist Satire", erklärt er der Teen Vogue.

Und vielleicht ist es ja wirklich Kritik an der Tatsache, dass viele Menschen, offenbar alle gleich künstlich aussehen wollen. Ein Blick auf Instagram genügt. Und auch wenn nicht alle Werke des Yassify Bot lustig so lustig sind, wie sein Denver Adams meint,  bei dieser "Bearbeitung" hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber sowas von.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Daniel Voglhuber werkt seit Dezember 2020 für die KURIER Freizeit und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

Kommentare