West, Manson, Bieber: Gipfeltreffen des schlechten Geschmacks

Kanye West zelebrierte mit seinen Freunden die peinlichste Messe des Jahres. Und wie wir darauf reagieren sollten.

Kanye West, der leibhaftige Yeezus, der sich aus irgendeinem Grund nur mehr Ye nennt (Yeti?), rief kürzlich zum Gebet. Als Ministranten lud er Marilyn Manson und Justin Bieber ein. Die standen dann auch brav im weißen Ornat vor der Kamera, umarmten einander und priesen den Herrn. Wer dafür tatsächlich die veranschlagten 9.99 Dollar an Streaming-Gebühren berappte, ist wohl, um es mit dem großen Sam Elliott zu sagen, "special kind of stupid".

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Wobei die Frage, warum die drei Clowns für ihren Auftritt diese gewaltigen grauen Gummistiefel trugen, einen doch irgendwie beschäftigt ... Aber egal, was für ein Halloween-Aufmarsch: Ein Rapper, der wie ein Komet aufstieg und danach kaum mehr musikalisch auffiel, sondern hauptsächlich als "Mister Kardashian", der ein elaboriertes Set an schlechtem Benehmen vor sich hertrug, Music-Award-Feiern crashte, Taylor Swift und eine ganze Reihe weiterer Sängerinnen anpöbelte und schließlich Wahlwerbung für Donald Trump machte, wenn er nicht gerade damit beschäftigt war, frauenfeindliche Pornovideos zu propagieren.

Ein "Schock-Rocker" - was auch immer das genau sein soll -, der musikalisch noch nie eine echte Größe war, dafür aber mit einer ganzen Latte an Klagen von Frauen eingedeckt ist, die er körperlich und seelisch missbraucht haben soll.

Und dazu der ewige Bub, der süße Justin, das ehemalige YouTube-Wonder! Ein junger Mann, der sich nichts sehnlicher wünscht als endlich auch zu den bösen Jungs zu gehören, den aber trotz unbestreitbaren Gesangstalents niemand so richtig ernst nehmen will.

Die einzige Möglichkeit einer derart geballten Ladung an Schreckgespenstern zu entgehen? Gebt ihnen so viele Süßigkeiten, bis sie beinahe platzen und im Zuckerrasuch von dannen ziehen. Und irgendwann werden sie vom Zahnarzt die Rechnung für den andauernden Schwachsinn, den sie verzapfen, präsentiert bekommen. Nein, eine gnadenlose, allmächtige Zahnärztin wäre in dem Fall wohl die beste Therapie.

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Redakteur bei KURIER freizeit. Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also auch immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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