Der Rihanna-Effekt: Schwanger, sexy, stolz darauf

Bauch raus: Die Sängerin setzt mit ihrem Styling ein überraschendes Statement.

Seit Popstar Rihanna ihre erste Schwangerschaft verkündete, sind alle Augen auf ihren Bauch gerichtet. Und die 34-Jährige denkt nicht einmal daran, diesen in weiten Pullis oder elastischen Hosen zu verstecken. Stattdessen trägt die werdende Mama weiterhin das, was sie vor der Schwangerschaft trug: Hüftjeans, transparente Mesh-Kleider, Stilettos, glitzernde Bauchketten oder einfach nur Bralettes, die ihre Brüste bedecken.

Der Star ist der (nackte) Bauch – auch auf dem Cover der aktuellen US-Vogue, wo die Sängerin im hautengen Jumpsuit aus roter Spitze posiert, die Hand selbstbewusst in die Taille gestemmt. „Mein Körper leistet gerade Unglaubliches, und ich werde mich dafür nicht schämen“, sagte sie nicht minder selbstbewusst im Interview.

Mode und Politik

Mit ihrem Styling und dem für alle sichtbaren Babybauch transportiert sie eine Botschaft, die weit über Modefragen hinausgeht. Rihannas extravagante Bauchschau sei hoch politisch, konstatierte die New York Times gar: Schließlich würden konservative Kräfte in den USA gerade wieder versuchen, werdende Mütter in ihrer Autonomie zu beschränken.

Der Bauch ist der Star: In einem Ensemble aus glitzernden Fäden zeigte sich  Rihanna bei einem Event im Februar

©APA/AFP/GETTY IMAGES/Mike Coppola

Warum eine Frau zum gesellschaftlichen Allgemeingut wird, sobald sie ein Kind erwartet, beleuchtet die deutsche Autorin Marlene Hellene in ihrem neuen Buch „Bauch frei“. Sie plädiert darin für eine selbstbestimmtere Schwangerschaft und erklärt, warum Rihanna dafür als Vorbild dienen kann.

„Rihanna drückt mit ihren Bildern pure Selbstermächtigung aus“, sagt die Autorin zum KURIER. Gerade die Schwangerschaft sei eine vulnerable Zeit, in der Frauen häufig von Selbstzweifeln geplagt sind. „Die Hormone spielen verrückt, Ängste kommen auf, jeder weiß alles besser“, erklärt Hellene. „Dadurch, dass sich Rihanna so stark und selbstbewusst zeigt, sendet sie ein wichtiges Zeichen: Feiert mich, ich erschaffe Leben. Wenn sich schwangere Frauen trauen, modisch und stark aufzutreten, machen sie anderen Frauen damit Mut und treten aus dem Schatten, den ihnen die Gesellschaft voranstellt.“

Druck rausnehmen

Multitalent Rihanna, die mit dem Rapper ASAP Rocky liiert ist, bricht noch mit einem weiteren gesellschaftlichen Tabu. Obwohl die nackte und hochschwangere Demi Moore mit ihrem legendären Vanity-Fair-Cover im Jahr 1991 neue Maßstäbe setzte, gilt eine Schwangere, die sich sexy zeigt, immer noch als anstößig. „Die Gesellschaft muss noch lernen, dass Frausein und sexy sein das Muttersein in keiner Weise ausschließt“, sagt Hellene. „Denn Mutterschaft macht einen nicht zum Neutrum, auch wenn manche das gerne so hätten.“

Marlene Hellene: „Bauch frei! Ein Plädoyer für eine selbstbestimmte Schwangerschaft“ Rowohlt Verlag. 92 Seiten.13 Euro

©Rowohlt

Wächst nun der Druck auf schwangere Frauen, zu allem anderen auch noch sexy sein zu müssen? „Das hoffe ich nicht“, sagt die Autorin. „Man muss sich ja nicht halb nackt in der Badewanne fotografieren lassen, wenn man das nicht möchte. Man kann auch die komplette Schwangerschaft in alten Shirts und Wollsocken verbringen, wenn man sich danach fühlt. Aber man kann eben. Und das macht den Unterschied.“

Julia Pfligl

Über Julia Pfligl

Seit 2014 beim KURIER, Ressort Lebensart

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