Antonio Banderas: "Mein Herzinfarkt war eines der größten Geschenke"

Der smarte Hollywood-Star über seine Kindheit, seine Karriere, seine Träume und warum sein eigenes Leben nicht filmreif ist.

37 Millionen Fans haben den Playstation-Klassiker geliebt. Nun spielt „Uncharted“ in den heimischen Kinos. In der Live-Action-Adaptierung gibt Tom Holland (25) den ungewöhnlichen Helden, Mark Wahlberg (50) seinen Partner und Antonio Banderas (61) den Bösewicht Santiago Moncada.

Derzeit steht er für „Indiana Jones, Teil 5“ vor der Kamera. Mit uns sprach der Spanier über Actionszenen im Alter, wie sehr ihn seine Kindheit geprägt hat und sein Leben nach dem Herzinfarkt.

In „Uncharted“ haben Sie einige Actionszenen. „Zorro“ und andere Actionfilme, die Sie gemacht haben, sind ein Weilchen her, fast 25 Jahre. Sie haben in den letzten Jahren vorwiegend dramatische Filme gedreht. Wie fühlen Sie sich?

Antonio Banderas: Großartig. Ich wusste, dass mein 60. Geburtstag ein Meilenstein sein würde, und das war er auch, aber im positiven Sinn. Ich bin angekommen, ich habe ein ausgefülltes Leben und bin stolz auf alles, was ich getan habe. Und das Beste liegt noch vor mir. Ich bin ein pathologischer Optimist!

Hat der Herzinfarkt, den Sie vor fünf Jahren hatten, Ihr Leben grundlegend verändert?

Der Herzinfarkt war eines der größten Geschenke meines Lebens, eines der besten Dinge, das mir je widerfahren ist, weil es mir auf sehr dramatische und starke Weise gezeigt hat, was wirklich wichtig ist, und welche Dinge ich eliminieren muss, weil sie eben nicht so wichtig sind, wie ich gedacht habe. Wichtig sind meine Freunde, meine Familie und meine Arbeit als Schauspieler. Nicht die professionelle Seite, sondern mein Antrieb als Schauspieler, das was mich dazu bringt auf der Bühne und vor der Kamera Geschichten zu erzählen.

Gab es einen bestimmten Moment, in dem Ihnen das klar wurde?

Ja, ich hatte den Infarkt in der Früh, und wurde abends operiert. Die haben drei Stents in die Herzarterie gesetzt. Ich war im Spital und eine Krankenschwester, eine ältere Frau, kam zu mir und stellte mir eine sehr ungewöhnliche Frage: „Glauben Sie an Popkultur?“ Ich war verwundert. „Wie bitte?“ Sie wiederholte ihre Frage: „Warum, glauben Sie, sagen die Leute immer ,Ich liebe dich aus ganzem Herzen?’ Man sagt nicht ,Ich liebe aus ganzem Hirn’ oder ,Ich liebe dich aus ganzen Nieren.’ Ich sagte, „Erklären Sie’s mir’. Und sie meinte: „Weil das Herz mehr ist als nur ein Organ, das Sauerstoff in den Körper pumpt, das Herz ist ein ganzes Warenhaus an Gefühlen. Und Toni, Sie werden in den nächsten Monaten sehr traurig sein.“ Ich fragte: „Sie meinen deprimiert?“ Sie sagte: „Nein, nicht deprimiert, das ist ein medizinischer Zustand, aber Sie werden Traurigkeit empfinden, und werden mit einer viel klareren Idee darüber, wer Sie sind und was Ihre Rolle im Leben ist, herauskommen.“ Und genau das ist geschehen. Ich war ständig emotional, ich habe einen Film gesehen und geweint. Ich heule sonst nicht. Aber alles, was ich sah, hat mich berührt.

Wie war Ihre Kindheit?

Schauspieler tendieren dazu, ihr Leben zu dramatisieren. Meine Kindheit war sehr gut, es gab kein Drama. Ja, ich lebte in einer Diktatur, aber ich war sehr jung, ich hatte keine Ahnung. Ich beschreibe Spanien als ich sechs, sieben, acht, neun Jahre alt war, als ein Land unter Anästhesie. Als ich 15 war, starb Franco, erst da wurde mir klar, wie unterdrückt wir waren. Ich wurde vom Kind zum Mann, als das Land von einer Diktatur zu einer Demokratie wurde. Das passierte parallel. Aber ich hatte gute Eltern und einen Bruder, der bis heute mein bester Freund ist. Vielleicht würde ein Psychiater irgendein Trauma entdecken, aber meine Erinnerungen sind nur positiv.

Haben Sie die Hoffnungen Ihrer Eltern erfüllt?

Meine Mutter ist als kleines Mädchen im Krieg aufgewachsen, sie war im spanischen Bürgerkrieg fünf. Sie sah den Horror und wuchs mit Angst auf. Ihr Traum für mich war, dass ich Sicherheit habe. Sie wollte, dass ich in einer Bank arbeite, das Wochenende frei habe und ein Monat pro Jahr Urlaub, eine Frau und zwei Kinder. Ich verstehe ihren Wunsch und ihren Standpunkt, aber ich konfrontierte sie mit meinen eigenen Träumen. Ich wusste bei der Premiere von „Evita“ in London, als wir gemeinsam den roten Teppich entlang gingen, dass meine Eltern sehr stolz auf mich sind. Hinter der Bühne sprach sie mit dem damaligen britischen Premierminister John Major, der fließend Spanisch konnte, und gab ihm alle möglichen Ratschläge. So, als hätte sie ihn nicht erst gerade getroffen. (lacht) Diese Erinnerung daran, wie sehr meine Eltern meinen Erfolg genossen haben, werde ich immer behalten, denn das haben sie mir auch nach ihrem Tod hinterlassen.

Wenn jemand einen Film über Ihr Leben machen würde, wer sollte Sie spielen?

Erstmal bin ich mir nicht sicher, dass meine Geschichte erzählenswert ist. Ich glaube nicht, dass mein Leben dramatisch genug ist. Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass das so bleibt, denn jede gute Story braucht Drama, um sie interessant zu machen, und ich will solche Dramen nicht, ich will nur weiterhin alles tun, was mich glücklich macht.

Gibt es einen Traum?

Ja, ich habe in Südspanien ein Theater gekauft, in Malaga. Ich möchte junge spanische Talente entdecken und sie nach New York bringen, ihnen eine Chance geben, es international zu schaffen.

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