
Lust-Schmaus: Die Tücken der aphrodisierenden Küche
Wenn der Frühling kommt, braucht’s prickelnde Ideen – speziell, wenn die Welt gerade nach neuen Liebesabenteuern schmeckt.
Freundin L in Frühlings-Hochstimmung: frische Kräuter am Fensterbrett, frischer Partner im Bett. Oh Lord. Und weil sie eine leidenschaftliche Köchin ist, hielt sie es für angemessen, mehr Pep ins gemeinsame Abendbrot einfließen zu lassen.
Vorspiel am Herd: Im Sinne des Frühjahrs-Prickelns und des erotischen Miteinanders beschloss sie, richtig geil zu kochen. Mit noch mehr Schärfe in Gulasch & Co, mit allerlei Schweinereien zum Lutschen und Schlürfen. Dafür informierte sie sich umfassend zum Genre "Aphrodisiaka aus der Küche", dann erstellte sie einen fetzigen Kochplan. Ein paar "Musts" hatte sie zügig beieinander: Sie würde Spargel und Artischocken reichen, irgendwas mit Ingwer, viel Chili zufügen und, so es die Temperatur erlaubt, auch mal nackt kochen.
Wobei, betonte sie, der "Neue" ebenso die Schürze ablegen müsse, weil sowas "Frivoles" funktioniere – im Sinne der Gleichberechtigung – nur auf Augenhöhe. Dazu inspiriert wurde sie von Autorin Isabel Allende, die schrieb: "Alles, was man für einen Liebhaber kocht, ist sinnlich, aber viel mehr ist es das, wenn beide sich die Zubereitung teilen und sie dazu benutzen, übermütig die Kleider abzuwerfen, während sie Zwiebeln schneiden und Artischocken entblättern …" Laut aktuellem WhatsApp-Update ist es bis dato nicht dazu gekommen, weil ein paar Tage die Heizung ausgefallen ist. L frohlockt trotzdem: Der nächste Sommer kommt bestimmt, ich sage nur: nackt grillen.
Aprodisische Suppe
Abseits davon berichtet sie von allerlei Hürden in Sachen kulinarische Libidobooster. So hätte sie sich das Rezept für eine "Aphrodisische Suppe des Meisters der Akupunktur“ aus dem Netz gefischt, in die Hendlteile, Zwiebel, frischer Ingwer, rotes und weißes Miso sowie roter Ginseng kommen solle. Abgesehen davon, dass sie für die Anschaffung der Zutaten als Ganztags-Erwerbstätige stundenlang quer durch die Stadt hetzen musste, erfuhr sie von ihrem Lover – nach ebenso stundenlangem Köcheln –, dass er Ingwer verabscheue. Während sie zugleich feststellte, dass der rote Ginseng eher seltsam schmeckt: "streng und seifig".
Nach einigen lustlosen Minuten, in der beide in der Suppe löffelten, war man sich einig: Ein schlichtes Rindsupperl mit Backerbsen wäre für die Stimmung besser gewesen. Was mich zu ihrer Artischockenerzählung führt und der damit verknüpften Idee, einander beim Herumlutschen an grünen Blättern zuzusehen, die vorher in irgendwelche Dips getaucht werden, was – so ihre Theorie – reizvoll sein könnte. Und da wäre noch das Artischockenherz, zu dem es vorzudringen gilt. Allerdings handelte es sich um ihre Artischocken-Premiere, noch nie zuvor hatte sie sich der Pflanze aus der Familie der Korbblütler angenommen. Und dann lief irgendwas falsch.
Die Dips gelangen zwar hervorragend, doch das mit dem Blätterlutschen kam gar nicht so gut. Dabei hatte genau das so verlockend geklungen: "Wenn Sie eine Artischocke essen, beginnen Sie damit, die äußeren Blätter einzeln abzuziehen. Ziehen Sie das dicke Ende des Blattes durch Ihre Zähne, um das Fleisch abzuschaben. Sobald alle Blätter entfernt sind, kommen Sie zum besten Teil: dem Artischockenherz. Dieser Teil ist besonders zart und kann komplett verzehrt werden.“
Aber nein: Die Blätter waren letschert, zäh und fühlten sich wie ein alter Buchdeckel an. Dann beschwerte sich der Mann über die depperten Fasern zwischen den Zähnen. Nach wenigen Minuten beschlossen die beiden die Dips mit frischem Baguette aufzutunken,
Aber nein: Die Blätter waren letschert, zäh und fühlten sich wie ein alter Buchdeckel an. Dann beschwerte sich der Mann über die depperten Fasern zwischen den Zähnen. Nach wenigen Minuten beschlossen die beiden die Dips mit frischem Baguette aufzutunken, anschließend legte er ihr eine sanfte Speiseplanänderung ans Herz: stärkende Hausmannskost, ohne Trari-Trara und Stroh im Goscherl.
Pornokonsum
Daten großer Pornowebsites zeigen einen Anstieg weiblicher Zuschauerzahlen. Eine neue Studie, veröffentlicht in „Sexualities“, untersucht, warum heterosexuelle Frauen lieber lesbische Pornografie anschauen als heterosexuelle. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass hier der Wunsch nach authentischen Darstellungen von Lust, dem Fehlen von Erniedrigung und einem authentischen Sex eine Rolle spielen.
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