"ÜberLeben": Von Pferden, Würmern und Leberkäse

Guido Tartarotti

von Guido Tartarotti

Erdnusslocken als festtägliche Ernährung.

Derzeit ist viel von zwei Tierarten die Rede: von Pferden und Würmern. Beide spielten in meiner Kindheit wichtige Rollen.

Dass manche Menschen eine Viruserkrankung mit Pferdeentwurmungsmitteln bekämpfen wollen, lässt ja nur zwei Schlüsse zu: Sie halten Viren für Würmer und sich selbst für Pferde. Wer so handelt, muss sich konsequenterweise auch von Heu und Würfelzucker ernähren, Sattel und Zaumzeug statt Hose und Krawatte tragen und bei M antraben. Man kann dann auch gebrochene Knochen mit Antibiotika behandeln, Fußpilz mit einer Nierentransplantation, und  einen Herzinfarkt mit einem Fußgips.

Als ich ein Kind war, war mein Vater Leiter eines Reitstalls – und ich hatte ein eigenes Pferd, einen Haflinger. Das ist natürlich ein Traum für jedes Kind – nur hat mich weder dieser Traum noch das Pferd interessiert. Ein Jahr lang quälte ich mich mit Versuchen ab, Reiten zu lernen, dann gab ich es auf und das Pferd zurück. Ich wollte mich weder mit dem Tier befassen, noch lernen, auf dem sogenannten „Viereck“ im versammelten Galopp eine „kleine Tour“ vorzuführen.

Viele Jahre später hatte ich wieder mit Pferden zu tun: Ein gastronomisch hoch begabter Freund lud mich zu einem vorweihnachtlichen Festessen ein, das nur aus Speisen mit Pferdefleisch bestand, und ich muss gestehen, es schmeckte großartig. Ob eine Leberkässemmel gegen Covid hilft, wage ich dennoch zu bezweifeln.

Würmer wiederum habe ich als Kind immer zu den Feiertagen gegessen. Meine Großmutter, eine Ärztin, ernährte sich infolge einer Magenkrankheit mit einer seltsamen, aber für sie gut verträglichen Diät, bestehend aus  Cola, Mannerschnitten und Erdnusslocken, die sie Würmer nannte. Zu Weihnachten brachte sie immer Erdnusslocken mit, die ich bis heute liebe und Würmer nenne. Manchmal sieht man mich in Gesellschaft merkwürdig an, wenn ich „Jö, Würmer!“ rufe und ins Erdnusslockensackerl greife.

Guido Tartarotti

Über Guido Tartarotti

Guido Tartarotti wurde, ohne vorher um Erlaubnis gefragt worden zu sein, am 23. Mai 1968 zur Mödlinger Welt gebracht. Seine Eltern sind Lehrer, und das prägte ihn: Im anerzogenen Wunsch, stets korrekt und dialektfrei zu sprechen, glaubte er bis in die Pubertät, Vösendorf heiße eigentlich Felsendorf. Das Gymnasium Perchtoldsdorf, wo es damals u. a. eine strenge Einbahnregelung für die Stiegenhäuser gab, verzichtete nach einigen Verhaltensoriginalitäten seinerseits nach der fünften Klasse auf seine weitere Mitarbeit. Also maturierte er in der AHS Mödling-Keimgasse. 1990 begann er in der KURIER-Chronikredaktion. 1994 wurde er Leiter der Medienredaktion, ein Jahr darauf auch der Kulturredaktion. Beide Positionen legte er 2004 zurück, um wieder mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

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