Guido Tartarotti

"ÜberLeben": Sind Sie Inder?

Wie ich nach Zypern wollte und auf den Malediven landete.

Vor gut 25 Jahren beschlossen meine damalige Frau und ich auf Urlaub nach Zypern zu fahren. Wir besorgten uns Reisekataloge – das gab es damals noch – und setzten uns in ein berühmtes Landwirtshaus. Der Wirt servierte Suppe und rief dabei „Süppchen, Süppchen!“ Nach einiger Zeit stellten wir fest, dass wir uns gar nicht die Seite von Zypern ansahen, sondern nur die der Malediven. Nach einigen erfolglosen Versuchen,  nach Zypern zurückzukehren, beschlossen wir doch lieber gleich auf die Malediven zu fahren, obwohl uns das viel zu teuer war. 

Im Flugzeug konsumierten wir beide jede Menge Schlafmittel, um möglichst ausgeruht auf unserer Insel anzukommen. Ich weiß noch, dass ich, als ich aufs Klo musste, durch das Flugzeug taumelte wie ein Schwerstbetrunkener. Auf den Malediven angekommen war es dort tatsächlich so paradiesisch schön, dass wir alle Strapazen sofort vergaßen.

Sogar meine Angina war  augenblicklich verschwunden. Den Rest der zwei Wochen verbrachten wir damit, Gin-Tonics zu trinken, in der Sonne zu liegen und Würfelpoker zu spielen. Einmal spielten wir 30 Reihen, was ungefähr eine Woche dauerte.

 

Zu essen gab es außer Fisch nur Fisch, aber das störte uns nicht, denn er war fantastisch.

Weil wir uns sportlich fühlten, hatten meine Frau und ich unsere Tennisschläger mitgebracht.  Sie beschloss aber, keine Lust auf Tennis zu haben, weswegen ich meine Abende damit verbrachte, Aufschläge zu üben. Die Übungen erwiesen sich als völlig sinnlos, bis heute kann ich keine Aufschläge.

Nach zwei Wochen Malediven waren wir von der Sonne schwarz wie die Raben. Nach unserer Heimkehr besuchten wir wieder das berühmte Landwirtshaus – Sie wissen schon, das mit dem Süppchen. Plötzlich kam ein Zeitungsverkäufer herein, grinste mich an und sagte: „Sind sie Inder?“ Ich verneinte. Darauf er: „Na ich zum Glück schon.“

Guido Tartarotti

Über Guido Tartarotti

Guido Tartarotti wurde, ohne vorher um Erlaubnis gefragt worden zu sein, am 23. Mai 1968 zur Mödlinger Welt gebracht. Seine Eltern sind Lehrer, und das prägte ihn: Im anerzogenen Wunsch, stets korrekt und dialektfrei zu sprechen, glaubte er bis in die Pubertät, Vösendorf heiße eigentlich Felsendorf. Das Gymnasium Perchtoldsdorf, wo es damals u. a. eine strenge Einbahnregelung für die Stiegenhäuser gab, verzichtete nach einigen Verhaltensoriginalitäten seinerseits nach der fünften Klasse auf seine weitere Mitarbeit. Also maturierte er in der AHS Mödling-Keimgasse. 1990 begann er in der KURIER-Chronikredaktion. 1994 wurde er Leiter der Medienredaktion, ein Jahr darauf auch der Kulturredaktion. Beide Positionen legte er 2004 zurück, um wieder mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

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