"ÜberLeben": Mpfpfl

Wörter wie "Impfpflicht" liegen im Mund quer.

Der KURIER brachte kürzlich auf Seite 1 eine (zugekaufte) Bildgrafik mit dem Wortlaut „Schritt für Schritt zur IMPF-PLICHT“. Und wir müssen gestehen: Es ist niemandem von uns rechtzeitig aufgefallen, auch Ihrem Autor nicht.

„Plicht“ ist ein schönes Wort. Wie jeder Segler weiß, bezeichnet es das Cockpit, also jenen Teil des Bootes, wo sich die Mannschaft während der Fahrt zumeist aufhält. Wie ebenfalls jeder Segler weiß, ist es auch der Ort, wo man abends gerne Gulasch isst, Gitarre spielt und ein Bier zu viel trinkt. Ihr Autor hat auch schon in der Plicht geschlafen, weil seine Mitreisenden unten in der Kajüte in ihren Kojen zu laut geschnarcht haben.

Plichta wiederum ist ein Ort in Polen, nahe des Schilling-Sees. Plichta hat gerade 127 Einwohner. Und Oskar Plichta ist ein ehemaliger namibischer Politiker, zuständig vor allem für Flugunfalluntersuchungen.

Das Wort „Impfpflicht“ ist, ganz abgesehen von seiner Bedeutung, dem Kopf nicht angenehm, denn es stellt ein phonetisches Problem dar. Es enthält die Konsonantenkombination „mpfpfl“, und die stellt auch die geübteste Zunge vor große Herausforderungen.

Davon abgesehen: Wörter, in denen „pf“ auf „pf“ stößt, legen sich in Mund und Hirn quer. Es gibt auch nicht allzu viele davon.

„Hüpfpferd“, zum Beispiel, das brauchen Springreiter. „Rumpfpfunde“ hat man oft nach den Weihnachtstagen, weil man zu eifrig zur „Mampfpfanne“ gegriffen hat. „Schimpfpforte“ könnte ein anderes Wort für Twitter sein, weil dort oft „Kampfpfosten“ Unsinn verbreiten. Und was ein „Sumpfpfurz“ ist, wollen wir uns aus Gründen der Sittlichkeit gar nicht vorstellen.

„Pfpf“-Wörter zu bauen, könnte schon bald ein beliebtes Gesellschaftsspiel werden. Als Bausteine bieten sich an: Pflanze, Pflaster, Zopf, Schlumpf, Pfahl, Pfad, Pfennig, Pfau, Zapf, Pfeife, Pfeil, Kopf, Knopf und leider auch: Zumpf.

Guido Tartarotti

Über Guido Tartarotti

Guido Tartarotti wurde, ohne vorher um Erlaubnis gefragt worden zu sein, am 23. Mai 1968 zur Mödlinger Welt gebracht. Seine Eltern sind Lehrer, und das prägte ihn: Im anerzogenen Wunsch, stets korrekt und dialektfrei zu sprechen, glaubte er bis in die Pubertät, Vösendorf heiße eigentlich Felsendorf. Das Gymnasium Perchtoldsdorf, wo es damals u. a. eine strenge Einbahnregelung für die Stiegenhäuser gab, verzichtete nach einigen Verhaltensoriginalitäten seinerseits nach der fünften Klasse auf seine weitere Mitarbeit. Also maturierte er in der AHS Mödling-Keimgasse. 1990 begann er in der KURIER-Chronikredaktion. 1994 wurde er Leiter der Medienredaktion, ein Jahr darauf auch der Kulturredaktion. Beide Positionen legte er 2004 zurück, um wieder mehr Zeit zum Schreiben zu haben.

Kommentare