Österreicher haben Appetit auf veganen Burger

Der Markt für pflanzenbasierte Nahrungsmittel boomt – in Europa auch in der Gastronomie. In den USA nimmt McDonalds seinen Veggie-Burger hingegen schon von der Karte.

Auf gut wienerisch, könnten sich Veganer in den USA gepflanzt fühlen: Erst vor knapp neun Monaten führte der Fastfood-Riese in seinem Mutterland den veganen Burger „McPlant“ ein, begleitet von einer großen Werbekampagne. Jetzt wurde er in den ausgewählten Filialen wieder von der Karte genommen. Die Gründe dafür werden verschwiegen – eigentlich boomen Fleischersatz-Produkte und immer mehr Fastfood-Anbieter setzen auf Veggie-Produkte.

Zumindest in Europa und Österreich, wo neuerdings etwa McDonalds-Konkurrent Burger King sein gesamtes Sortiment in seiner Filiale am Wiener Westbahnhof vegan verkauft.

Europa is(s)t anders

Gegenüber dem Branchenmagazin Restaurant Business Online (RBO) begründete McDonalds das Ende des „McPlants“ jedenfalls mit dem Auslaufen der „Testphase“. Eine Testphase ohne anschließende langfristige Einführung eines neuen Produkts ist allerdings für einen so großen Konzern eher ungewöhnlich, urteilen laut RBO viele Branchenbeobachter.

Vermutet wird von manchen, dass die Verkaufszahlen nicht so gut ausfielen, wie vom Konzern erwartet.

Möglicherweise schielen diese derzeit auch nach Europa. Denn in Österreich gibt es den „McPlant“ weiterhin, ebenso wie in Großbritannien, Schweden und den Niederlanden. Was die hiesigen Verkäufe belangt, hält sich McDonalds erwartungsgemäß bedeckt. Nur so viel: Die Länder-Märkte seien sehr unterschiedlich, heißt es bei McDonalds Österreich. „Der McPlant kommt sehr gut an“, sagt Jessica Schreckenfuchs-Vallant aus der Unternehmenskommunikation. Daher bleibe der pflanzliche Burger auch weiterhin im Sortiment – „so lange er den Gästen schmeckt, ist kein Ende geplant“.

Das Geschäft mit Fleischersatzprodukten läuft sehr gut, sollte man meinen. Burgerpatties und andere Produkte, die so fleischähnlich wie möglich aussehen und schmecken, verzeichneten in den vergangenen Jahren hohe Wachstumsraten. Allerdings musste gerade Beyond Meat, einer der bekanntesten Produzenten, heuer bereits herbe Verluste an der Börse verbuchen. Nach dem Bekanntwerden des Endes des McPlant, den man für McDonalds auf Erbsenproteinbasis entwickelt hatte, rutschte die Aktie nochmals sechs Prozent nach unten.

Produkte enthalten oft zu viel Fett

„Plant Based“, also auf pflanzlichen Zutaten basierend, klingt geschmackvoller als „Fleischersatzprodukt“. Und doch meinen beide Begriffe Produkte, die zwar fleischähnlich sind – aber ohne tierische Inhaltsstoffe auskommen. In den vergangenen Jahren wurden die Herstellungsverfahren verfeinert, womit mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte auf dem Markt erhältlich sind.
Meist entstehen sie auf der Basis von Pflanzenproteinen, vor allem werden dafür Soja-, Erbsen, Linsen, Lupinen oder Weizenproteine (Seitan) verwendet.

Die entstehende Eiweißmasse ist das Ausgangsprodukt für die Fleischersatzprodukte, betont man beim  deutschen TÜV Süd, der gängige Produkte immer wieder unter die Lupe nimmt.  Damit die Textur des Produkts fleischähnlich wird, wird die Masse mit Druck, Temperatur und sogenannten strukturgebenden Zutaten wie  modifizierter Stärke, Johannisbrotkernmehl und Xanthan  behandelt. Ernährungsexperten kritisieren, dass manche für intensiveren Geschmack Fett (bis zu 20 Prozent), Zucker und Salz zusetzen, was Vorteile wie eine bessere Ökobilanz wieder relativiert.

Burger King baut veganes Angebot aus

McDonalds-Konkurrent Burger King baut sein vegetarisches Angebot in Österreich im Vergleich eher aus. Schon länger gibt es Burger und Hühnernuggets auch fleischlos, die Alternativen kommen hier vom niederländischen Produzenten „The Vegetarian Butcher“.

Seit 2021 setzt man auch bei der Kette „Nordsee“ auf Ersatzprodukte, das Sortiment werde aber sukzessive adaptiert, heißt es auf KURIER-Nachfrage. Der vegan zertifizierte „Spicy Tuna“ bleibt „auf jeden Fall“, ebenso der „Backvisch“ aus pflanzlichen Grundstoffen. Langsam auslaufen werden hingegen „Visch & Chips“. Warum sich dieser Klassiker bei den Kunden offenbar nicht durchsetzen konnte, könne man nicht sagen. Vielleicht entspricht die Thunfisch-Variante auf Sojabasis einfach mehr modernen Ernährungsgewohnheiten als Herausgebackenes.

Ist Europa im Gegensatz zu den USA für (Fleisch-)Ersatzprodukte sogar der bessere Markt? Foodtrends-Expertin Hanni Rützler sieht es differenziert, es werde „kulturell unterschiedlich ausgehandelt“. Zum Beispiel im Supermarkt: Die neuen Produktgruppen, etwa auch Milchprodukte, sind in den USA viel präsenter als bei uns. Das sind beeindruckende Regalanteile.“ Dagegen hinkt der Einsatz veganer Ersatzprodukte in der Gastronomie jenem hierzulande hinterher. „Da hat man bereits in Europa gesehen, dass mehr möglich ist. Die Gastronomie ist ein mächtiger Partner für Anbieter, unter denen viel Konkurrenz und auch Preisdruck herrscht.“

Ein weiterer Unterschied: „Europa entwickelt sich sensibler, was etwa Genmanipulation und Hormoneinsatz betrifft.“ Hinter der Einstellung des Veggie-Burgers bei McDonalds vermutet Rützler übrigens die (falsche) Zielgruppe. Der klassische Burger-Konsument in den USA greift wohl lieber zum gewohnten Fleisch-Burger als zu einem undefinierbaren Fleischersatz.

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Schwerpunkt Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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